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Haken-Lesern dürfte das neue Logo bekannt vorkommen, das eingerahmt wird von Präsident Martin Aude (l.) sowie dem alten und neuen Beiratsmitglied Ralf Wegener und Hans-Peter Reers (r.). Foto: t&w
Haken-Lesern dürfte das neue Logo bekannt vorkommen, das eingerahmt wird von Präsident Martin Aude (l.) sowie dem alten und neuen Beiratsmitglied Ralf Wegener und Hans-Peter Reers (r.). Foto: t&w

Kaufleute beerdigen Grapengießerbrunnen

cst Lüneburg. Unspektakuläres Aus fast am Ende der Jahresversammlung: Der Grapengießerbrunnen auf dem Platz Am Sande wird nicht gebaut, erklärte Präsident Martin Aude den gut 50 anwesenden Mitgliedern des Vereins Lüneburger Kaufleute als Gäste der Firma Basys im Industriegebiet Hafen.

Diesen Beschluss haben der Kaufleute-Vorstand und tags darauf der Vorstand des eigens gegründeten und inzwischen aufgelösten Brunnenvereins jeweils einstimmig gefasst, berichtete Aude. Er sprach von einer Entscheidung, die nicht leicht gefallen sei, aber den Schlusspunkt setze unter einen quälenden Streit, „der uns zermürbt hat“, wie er bekannte.

Der Grapengießer, ein Entwurf der Künstlerin Doris Waschk-Balz, hatte sich bei einem Wettbewerb durchgesetzt. Doch als Brunnen vor der Industrie- und Handelskammer  wird er nun doch nicht stehen. Foto: A./t&w
Der Grapengießer, ein Entwurf der Künstlerin Doris Waschk-Balz, hatte sich bei einem Wettbewerb durchgesetzt. Doch als Brunnen vor der Industrie- und Handelskammer wird er nun doch nicht stehen. Foto: A./t&w

Rückblende: Ende 2011, vor Auftakt seines Jubiläumsjahres, beschloss der Kaufmannsverein, der Stadt einen Brunnen zu schenken. Der sollte vor dem IHK-Gebäude auf dem Platz Am Sande alsbald sprudeln. Ein Wasserspiel nach dem Entwurf der Hamburger Künstlerin Doris Waschk-Balz, bereits im Jahr 2000 bei einem von der Stadt ausgeschriebenen Brunnen-Wettbewerb siegreich, gleichwohl aber nie umgesetzt. Obwohl der „Grapengießer“ damals von einer vielfältig besetzten Jury gekürt worden war, regte sich gegen ihn jetzt Widerstand. Zum Teil sogar von früheren Juroren, deren einstige Begeisterung verflogen schien. Kritik gab es sowohl an der Gestaltung als auch am vorgesehenen Standort. Das Sprichwort vom „Geschenkten Gaul“, auf immerhin rund 160000 Euro taxiert, fand in Sachen Brunnen keine Beachtung.

Der mittlerweile verstorbene Unternehmer Adolf Zelle, Eigentümer des kleineren Nachbarhauses der IHK, beschritt gar den Klageweg gegen die Stadt, die im Sommer 2012 die Baugenehmigung erteilt hatte. Zelle sah das historische Ensemble, das stimmige Bild am Sand durch den geplanten Brunnen empfindlich gestört. Dem folgte das Verwaltungsgericht im Frühjahr 2014 allerdings nicht. Es konnte keinen erheblichen Eingriff in die Rechte Zelles erkennen, wies die Klage ab und ließ gegen den Spruch keine Revision zu.

Neue Ideen für die 35000 Euro

Gegen diese Nichtzulassung der Revision reichten nach Angaben Audes die Anwälte Zelles beziehungsweise dessen Erben Klage beim Oberverwaltungsgericht ein. Zeitpunkt der Entscheidung und Ausgang offen. „Da haben wir die Reißleine gezogen“, sagte Aude der Versammlung. „Ein Geschenk durchzusetzen auf einem endlos lang erscheinenden Rechtsweg das wollten wir nicht.“

Laut Satzung ist das Vermögen des Brunnenvereins durch dessen Auflösung der Stadt Lüneburg zugefallen. Die überlässt indes der Kaufmannschaft das Vorschlagsrecht, was mit dem Geld, die Rede ist von rund 35000 Euro, nun geschehen könnte. Es handelt sich um den Rest bereits eingegangener Brunnenspenden von Kaufleuten. Die ein weiteres Mal von Lüneburg enttäuschte Künstlerin wurde für die Vollendung der ersten beiden von drei Arbeitsschritten am Brunnen-Kunstwerk bereits entlohnt. Die zeitaufwändige Arbeit des Lüneburger Architekten Heinz Meyer für die bauliche Umsetzung blieb indessen unentgeltlich und doch völlig umsonst, wie der Präsident bedauernd hervorhob.

Als erste Alternativvorschläge liegen nun entweder die Gestaltung eines Fensters für die Kaufmannskirche St. Johannis auf dem Tisch oder die Gestaltung eines entsprechenden Abschnitts im neuen Museum, der von der Geschichte der Lüneburger Kaufmannschaft künden soll. Alle Mitglieder des Vereins sind aufgefordert, dem Vorstand weitere Vorschläge zu übermitteln.

Auf die von außen gemachte Anregung, nunmehr ein fröhliches Wasserfest für die Bürger und besonders die Kinder auf dem Sand zu veranstalten, damit dort bei Plastikpool-Partys oder Wasserpistolen-Schlachten wenigstens für einen Tag kaufmännisch gesponsertes Nass fließen und man Brunnengegner auf die Humorvolle ein bisschen nass machen könnte, reagierte der Vorstand freilich zurückhaltend. Damit würden die Restmittel zu wenig zweckgebunden eingesetzt.

Jetzt mehr als 400 Mitglieder

Dank des Beitritts der Gebrüder Moritz und Niklas Willke vom gleichnamigen Handorfer Gleisbaubetrieb hat der Verein Lüneburger Kaufleute die 400er-Marke geknackt und freut sich über jetzt 401 Mitglieder (387 im Vorjahr).

Diese Zahl gehörte zu den Erfolgsmeldungen, die Vereinspräsident Martin Aude auf der Jahreshauptversammlung verkündete. Auch finanziell steht der Verein stabil da und kann daher im neunten Jahr in Folge die Beiträge unverändert lassen. Ende 2014 befanden sich auf dem Vereinskonto rund 85 000 Euro Guthaben, obwohl erst kurz zuvor eine Sondereinlage von 8500 Euro an die kriselnde Lüneburg Marketing GmbH gegangen war. Von den rund 80 000 Euro an Einnahmen, die der Verein im abgelaufenen Jahr vorwiegend aus Mitgliedsbeiträgen verbuchte, gingen zuvor weitere 10 000 an die Lüneburg Marketing – für die Sülfmeistertage und die vorweihnachtliche Beleuchtung.

Die später von der Versammlung einstimmig in ihren Ämtern bestätigten Kassenprüfer Peter Luths und Friedrich Nesemann attestierten der Buchführung von Schatzmeister Ernst Hildebrandt allererste Qualität, so dass ihm und dem gesamten Vorstand ohne Gegenstimme Entlastung erteilt wurde. Einstimmig ging es auch bei den Beiratswahlen zu: Neben Frank Dalock und Max Manzke gibt es mit Hans-Peter Reers von der örtlichen Barmer GEK ein neues Mitglied, weil Ralf Wegener nach neun Jahren im Beiratsamt nicht wieder angetreten war und mit viel Beifall verabschiedet wurde.

Dass der Verein bis dato über kein eigenes Logo verfügte, fand der Präsident „unprofessionell“. Nun hat die Werbeagentur Borowiak & Ziehe eines entwickelt, das „Haken“-Lesern in der LZ nicht ganz unbekannt sein dürfte: Das Logo zeigt den alten Kran, und das magentafarbene Dach soll den Bezug zur Lüneburger Heide herstellen. So gerüstet kann es hineingehen in das neue Vereinsjahr, das mit dem Sommerausflug zur Elbphilharmonie und folgender Alsterfahrt am 1. Juli einen ersten Höhepunkt findet. Für das traditionelle Herrenessen am 30. Oktober im Hotel Seminaris hat der Verein General a. D. Harald Kujat als Festredner zum Thema Sicherheitspolitik gewonnen.  cst

One comment

  1. Welch ein Trauerspiel. Die Beweggründe für Adolf Zelle bleiben leider im Dunkeln. Wollen er und seine Nachfahren Lüneburg als Museumsstübchen erhalten,in dem kein Leben möglich,nur regelmäßiges Abstauben mit einem Federquast statthaft ist? Das stilistische Durcheinander am Sande als „stimmiges Bild“ zu verkaufen, hat zum Glück das Verwaltungsgericht verworfen. Auch die jetzige Generation hat das Recht, im Puppenstüblein Lüneburg Spuren zu hinterlassen. Man sollte Architekt Heinz Meyer zu einem Essen mit gutem Wein einladen und dann in Ruhe überlegen, wie man das restliche Geld sinnvoll einsetzt, ohne sich eine blutige Nase zu holen. Das ist sicher schon eine ambitionierte Fragestellung in Lüneburg !