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26 Einfamilienhäuser sollen im Auekamp entstehen, im Juli können die Häuslebauer loslegen. Investor Uwe Gerner und Architektin Ina Bardowiecks vom Lüneburger Ingenieurbüro Beußel haben den ersten Planabschnitt für die Erschließung des Geländes abgeschlossen. Foto: t&w
26 Einfamilienhäuser sollen im Auekamp entstehen, im Juli können die Häuslebauer loslegen. Investor Uwe Gerner und Architektin Ina Bardowiecks vom Lüneburger Ingenieurbüro Beußel haben den ersten Planabschnitt für die Erschließung des Geländes abgeschlossen. Foto: t&w

Neue Villen für Wilschenbruch

us Lüneburg. Auf der großen freien Fläche zwischen Reiherstieg und Ilmenauwiesen, wo einst Lüneburger Fußballgeschichte geschrieben wurde, ragen frisch gesetzte Holzpfähle aus der Erde, die Grundstücke markieren, daneben ein paar Asphaltwege. Auf den ersten Blick gibt es noch nicht viel zu entdecken. Wer hier bald baut, zahlt auch den Preis für die Logenplätze an der Ilmenau.

„Alles ist bereit, ab Juli beginnt der Hochbau“, sagt Uwe Gerner. Eigentlich wollte der Chef der in Geesthacht ansässigen Gerner Immobilien GmbH schon viel früher mit den Bauarbeiten in Wilschenbruch begonnen haben, doch der LSK brauchte etwas länger, um die vom Abriss verschonten Gegenstände von seiner traditionsreichen Wirkungsstätte zu entfernen. Erst im Mai vergangenen Jahres konnte mit der Erschließung des Auekamps begonnen werden, so der offizielle Titel des Neubaugebiets. „Jetzt sind wir wieder im Plan“, sagt Gerner. 2013 hatte er das Gelände erworben, bis Mitte 2017 sollen die 26 Baugrundstücke auf dem 50000 Qua­dratmeter großen Areal verkauft und mit Einfamilienhäusern bebaut sein.

„16 der 26 Grundstücke sind verkauft, vier reserviert“, sagt Uwe Gerner. Um den Rest mache er sich keine Gedanken, „die verkaufen sich von allein“. Und das, obwohl das Areal für potenzielle Häuslebauer keine Schnäppchen bereithält. Die Quadratmeterpreise der 1000 bis 2100 Quadratmeter großen Grundstücke liegen zwischen 280 und 340 Euro. Das teuerste Grundstück für 450000 Euro hat bereits einen Abnehmer gefunden, ebenso das preiswerteste für 279000 Euro. Als „sehr gemischt“ bezeichnet Gerner die künftigen Bewohner hinsichtlich ihrer Altersstruktur, „hier werden Ältere und auch junge Familien mit Kindern wohnen“. Reihen- oder Doppelhäuser seien allerdings nicht vorgesehen, ausschließlich Einfamilienhäuser sollen entstehen. „Wegen des Umfeldes haben wir bewusst auf Villenbebauung abgestellt.“

Weil Mitte 2017 mit dem Endausbau der Infrastruktur begonnen werden soll, sehen die Kaufverträge eine Bauverpflichtung vor, danach muss das jeweilige Gebäude innerhalb von zwei Jahren errichtet sein. Dann sollen auch die Asphaltdecken der jetzt noch als Baustraßen vorgesehenen Wege wieder entfernt und durch Kopfsteinbelag ersetzt werden.

Als „echte Herausforderung“ bezeichnete Gerner die per Bebauungsplan geforderte offene Entwässerung und den Schutz des Geländes vor möglicher Überschwemmung bei Hochwasserständen der Ilmenau. Hierzu wurde das ursprünglich tiefer gelegene westliche Teilgebiet um einen Meter angehoben und an das Niveau des ­übrigen Geländes angepasst, auch wurde ein vernetztes System aus Überflutungsmulden am Rande des Geländes angelegt. „Wir mussten der Ilmenau die gleiche Fläche als Rückzugsraum zurückgeben, die wir ihr mit der Anhebung des Geländes genommmen haben“, sagt Gerner. 800 Kubikmeter seien dafür ausgehoben worden, „mehr, als eigentlich notwendig gewesen wären“.

Zu den Vorgaben des Bebauungsplans, der bereits 2005 erstellt wurde, gehörte auch die Begrünung im südlichen Bereich. Selbst Baumlücken in der angrenzenden Lindenallee sind wieder geschlossen worden. Im Herbst soll mit weiteren Ausgleichsarbeiten begonnen werden, dazu sollen in der Ilmenau-Aue Gehölzstreifen angelegt und der Waldrand östlich des Geländes „naturnah mit Wildbirne und Holzapfel gestaltet werden“, wie Peter Mix erläutert. Der Barnstedter Landschaftplaner begleitet sämtliche Ausgleichs- und Entwässerungsarbeiten, auch dies eine Vorgabe der Stadt, die dem Investor auferlegt wurde. „Die Zusammenarbeit klappt hervorragend“, sagt Gerner, ebenso mit den Naturschutzverbänden BUND und Nabu, „sie werden in alle Prozesse eingebunden“.

Ursprüngliche Befürchtungen der Anwohner, die Großbaustelle könnte zu viel Lärm und Schmutz erzeugen, hätten nach intensiven Gesprächen ausgeräumt werden können. Zwar habe es vereinzelt kleinere Probleme gegeben, darauf sei man aber stets eingegangen. Auch für die anstehende Phase des Hochbaus sei sichergestellt, dass die Baufirmen sich an die bestehenden Vorgaben zu halten haben, „das ist in den Kaufverträgen festgelegt“. Dies betreffe vor allem die Zufahrtswege zum Baugelände.

Neben dem früheren LSK-Gelände hat Gerner auch das gegenüberliegende Grundstück Reiherstieg 15 erworben, das zuletzt von der Therapeutischen Gemeinschaft genutzt worden war (LZ berichtete). Die seit einem Jahr leerstehenden Gebäude will Gerner nicht weiter nutzen, „eine Nachfolgenutzung auf Basis dieses Bestands ist unwirtschaftlich“. Seine Pläne für das 9000 Quadratmeter große Gelände: Straßenseitig sollen zwei Wohneinheiten für altersgerechtes Wohnen entstehen, im hinteren Bereich Einfamilienhäuser. „Wilschenbruch ist im Umbruch“, sagt Gerner, „ich möchte älteren Wilschenbruchern, die ihre Häuser mit den oft großen Gärten nicht mehr halten können, eine Möglichkeit geben, hier wohnen zu bleiben.“ Dass dazu der Bebauungsplan geändert werden müsste, weiß auch Gerner: „Ich habe meine Pläne der Stadt jetzt vorgestellt.“

One comment

  1. magnusausonius

    Ach, Herr Gerner, was sind Sie doch für ein Philantrop… . Zitat: „Ich möchte älteren Wilschenbruchern, die ihre Häuser mit den oft großen Gärten nicht mehr halten können, eine Möglichkeit geben, hier wohnen zu bleiben.“ Wie überaus großzügig. Als Bonbon für diese wundersame Geldmaschine sollen demnach „altersgerechte“ Wohneinheiten gebaut werden, während schon jetzt drumherum bis zu 450.000 Euro (sic!) für jedes der 26 Grundstücke vereinnahmt werden, wohlgemerkt, ohne dass ein Stein darauf steht. Und die Käufer sind natürlich „Ältere“ und „Familien mit Kindern“… Aha. Ich packe gleich meine Geige aus…
    Glückwunsch Lüneburg, solche Investoren braucht die Stadt. Was leider auf der Strecke bleibt, ist – neben einem der ältesten Lüneburger Sportvereine – die Hoffnung auf bezahlbaren Wohnraum. Denn bei solchen „Menschenfreunden“ können in Lüneburg in Zukunft nur noch die Hamburger Familien Neureich und Söhne Eigentum erwerben. Alle normalverdienenden Interessenten sind, ebenso wie die vorhandene Altbebauung, aus der Sicht dieses und dann bald auch aller zukünftigen Investoren „unwirtschaftlich“.