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Ein Bild aus glücklichen Tagen: Lara und Joe. Die Papageien-Dame überlebte eine Pilzerkrankung, ihr Freund nicht. Foto: nh
Ein Bild aus glücklichen Tagen: Lara und Joe. Die Papageien-Dame überlebte eine Pilzerkrankung, ihr Freund nicht. Foto: nh

Laras Leiden: Prozess um kranken Papagei

rast Lüneburg. Lara war immer gut drauf und hat sich fein rausgeputzt, ihr blau-gelbes Kleidchen trug sie mit der Würde einer Prinzessin. Doch 2013 gings ihr plötzlich immer schlechter, war sie mit ihren zehn Jahren nicht mehr so gut drauf. Kein Alter für einen Ara, diese intelligente Papageienart kann bis zu 80 Jahre alt werden. Ihr Halter machte sich sofort auf zur Tierärztin, die eine schockierende Diagnose stellte: Lara leidet unter einer schweren Pilzerkrankung. Ihr Besitzer hatte schnell eine Vermutung für die Ursache: kontaminiertes Hygiene-Streu. Jetzt trafen sich der Besitzer und die Verkäuferin des Streus samt ihren Anwälten vor der 1. Zivilkammer am Landgericht Lüneburg.

Auf einen Zeugen allerdings verzichtete die Zivilkammer auf Gelbbrustara Lara. Der kann zwar sprechen, schnattert vieles nach und antwortet auf Fragen wie „Wo ist Papa?“ locker mit „arbeiten“ oder „kommt gleich wieder“. Ob er durch seine Aussage aber hätte helfen können, schien dem Gericht wohl zu ungewiss.

Laras Besitzer ist Hobbyzüchter, hat in seinen Volieren in Bad Bodenteich im Kreis Uelzen mehrere Aras, Papageien mit einem Marktwert von um die 10000 Euro, wie er selbst sagt. Zu Beginn der Verhandlung führte der Vorsitzende Richter Tobias Wolfer in die Geschichte ein: Bis Ende 2012 kaufte sich der Züchter das Hygiene-Streu Espiranol aus einer anderen Quelle, wechselte dann den Händler und besorgte sich bei einem Verkäufer in einem fünf Kilometer entfernten Ort, der diese Marke nicht führte, ein nach dessen Aussage „gleichwertiges Material“ zum Einstreuen. Längere Zeit danach stellte er fest, dass sein Ara plötzlich „kraftlos wirkte“, er suchte eine Tierärztin in Soltau auf, die sich mit der Behandlung von Papageien bestens auskennt.

Als die Medizinerin die Diagnose Pilz stellte, mutmaßte der Halter das Streu als Grund: „Papageien koten auf das Eingestreute, die Flüssigkeit erhöht das Pilz-Risiko. Deshalb streue ich die Volieren alle zwei Tage neu ein. Wenn das Material vorher aber schon draußen gelagert war, kann ich das bei mir zu Hause nicht prüfen. Das Streu muss frisch sein. Ich kann aber nichts machen, wenn ich schon pilzbefallenes Material gekauft habe.“ Für ihn ist klar: „Ich habe quasi Pilzballen gekauft, laut Labor sind sie hochgiftig.“ Von der Verkäuferin forderte er nun 1125,29 Euro für die Arztkosten und Medikamente, für die Fahrtkosten zur Veterinärin („pro Hintour etwa 85 Kilometer“) und Laborkosten.

Die Verkäuferin bestritt, dass ihr Streumaterial „mangelhaft“ gewesen sei und zur Erkrankung des Tieres geführt habe. Streumaterial, das damals im Freien gelagert und vom Kläger dort gesehen worden sei, sei zur Vernichtung, nicht zum Verkauf bestimmt gewesen. Der Halter selbst war zwei Tage vor der Verhandlung noch einmal in der Nähe des Ladens, hat Fotos gemacht, die sein Anwalt Dirk Offermann dem Gericht präsentierte und die laut Halter „bereits verschimmeltes Material“ zeigen. Ein Beweismittel ist das laut Gericht aber nicht, denn die Fotos sagen nichts darüber aus, wie es damals auf dem Platz aussah.

Richter Wolfer hatte sich in die tierische Thematik eingearbeitet. Es müsse allerdings unter anderem bewiesen werden, welche Verkaufsgespräche mit welchem Inhalt geführt wurden, ob das Material tatsächlich aus dem Laden stammt und wenn ja, wie es gelagert war. „Es gibt dabei viele rechtliche Probleme, die bei einer Beweisaufnahme zu erheblichen Kosten führen könnten.“ Er schlug daher einen Vergleich vor, bei dem sich keiner als Verlierer sehen müsse: Die Verkäuferin zahlt 375 Euro an den Hobbyzüchter. Beide Parteien stimmten zu, die Verkäuferin jedoch noch unter einem Widerrufsrecht. So ist erst nach einer Frist am 18. Juni klar, ob es dabei bleibt oder ob es zur Beweisaufnahme kommt.

Lara ist laut ihrem Besitzer wieder genesen, doch bestens gehts ihr nicht denn ihren fünf Jahre älteren Lebensgefährten Joe hats inzwischen dahingerafft. Der Besitzer sieht auch hier kontaminiertes Streugut als Ursache.