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Loretta Gomell hat die große Auswahl: Die Zahl der Ferienwohnungen im Katalog der Lüneburg Marketing GmbH wird immer umfangreicher  auf Kosten regulärer Mietwohnungen. Foto: t&w
Loretta Gomell hat die große Auswahl: Die Zahl der Ferienwohnungen im Katalog der Lüneburg Marketing GmbH wird immer umfangreicher auf Kosten regulärer Mietwohnungen. Foto: t&w

Lüneburger Wohnungsmarkt: Lieber Touristen statt Dauer-Mieter

as Lüneburg. Hoch im Kurs steht Lüneburg bei Touristen. Und der Bedarf nach Übernachtungsmöglichkeiten steigt, ist Andreas Meihsies, Fraktions­chef der Grünen, sicher. Deutlich mache das die Planung von Investoren, die auf dem ehemaligen Lucia-Gelände ein Hotel mit 120 Betten planen. Gleichzeitig gebe es immer mehr Ferienwohnungen im historischen Stadtkern. Gehen die für die Vermieter womöglich lukrativeren Touristen-Quartiere nicht auf Kosten des Wohnraums auf dem eh schon angespannten Wohnungsmarkt in Lüneburg? Muss die Stadt nicht gegebenenfalls gegensteuern? Diese Fragen stellte Meihsies im Bauausschuss der Stadt. Denn in anderen Städten gibt es bereits entsprechende Verbote oder Beschränkungen.

Meihsies bat die Verwaltung, zu ermitteln, wie viele Wohnungen in den vergangenen Jahren in Ferienwohnungen umgewandelt wurden und ob es Anlass zum Handeln gebe, Wohnraum zu erhalten. Städte wie Hamburg, Berlin und München hätten inzwischen erkannt, dass man mit einer sogenannten Zweckentfremdungssatzung gegensteuern müsste, um Wohnraum für die Einwohner zu erhalten, erläuterte der Politiker. Die Verwaltung erklärte, dass sie sich in dieser Frage mit dem Städtetag in Verbindung setzen werde und dem Bauausschuss Zahlen und Daten zuleiten will.

Im vergangenen Jahr meldeten Beherbergungsbetriebe mit mehr als zehn Betten sowie Campinglätze mit mindestens zehn Stellplätzen rund 310250 Übernachtungen in Lüneburg, das waren rund 90000 mehr als im Jahr 2005. Das geht aus Daten des Statistischen Landesamtes hervor. „Wir haben in der Vermittlung rund 150 Ferienwohnungen in Stadt und Kreis. Wie viele insgesamt angeboten werden, können wir nicht sagen, da es verschiedene Vermarktungsplattformen gibt“, sagt Judith Peters, Leiterin der Tourist-Information. Es kämen immer wieder Ferienwohnungen dazu, aber es gäben auch Anbieter auf.

In Hamburg gibt es seit Jahrzehnten eine Zweckentfremdungssatzung. Die besagt: Wer originären Wohnraum in eine Ferienwohnung umwandeln will, braucht dazu eine Genehmigung. Dr. Magnus-Sebastian Kutz, Pressesprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, sagt: „Aufgrund der angespannten Lage am Wohnungsmarkt werden solche Zweckentfremdungen seit langem nicht mehr genehmigt.“ Gleichwohl gebe es immer noch illegale Nutzungen. Die Kontrolle obliege den Bezirksämtern. Eine Mammut-Aufgabe in der Millionenstadt, deshalb sei man auf Hinweise angewiesen. 2013 hat die Hansestadt Hamburg darüber hinaus ein verschärftes Wohnraumschutzgesetz eingeführt, das nicht nur den Wildwuchs von Ferienwohnungen regelt, sondern auch Leerstände in den Fokus nimmt. „Erlaubt ist lediglich, dass man seine Erstwohnung für weniger als sechs Monate als Ferienwohnung untervermietet oder ein Zimmer untervermietet zur zeitweisen Beherbergung von Gästen“, sagt Kutz. Verstöße gegen das Wohnraumschutzgesetz können teuer zu stehen kommen, Bußgelder bis zu 50000 Euro drohen. Selbst die Werbung für eine Wohnung kann ordnungswidrig sein, wenn derjenige keine Zweckentfremdungsgenehmigung hat.