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Viele Gastronomie-Beschäftigte müssen vor allem im Mai mit seinen Feiertagen reichlich Überstunden leisten. Foto: nh
Viele Gastronomie-Beschäftigte müssen vor allem im Mai mit seinen Feiertagen reichlich Überstunden leisten. Foto: nh

Gastronomie: Überstunden-Marathon im Mai

red/mm Lüneburg. Ob Koch oder Kellner: Die mehr als 2150 Teil- und Vollzeitkräfte in Hotels, Restaurants und Gaststätten im Landkreis Lüneburg schieben einen enormen „Überstunden-Berg“ vor sich her, mahnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Wer in der Küche arbeitet oder Gäste bedient, macht häufig am laufenden Band Mehrarbeit. Viel zu wenige bekommen dafür auch nur einen Euro extra oder zumindest einen Zeitausgleich“, sagt Silke Kettner. Die Geschäftsführerin der NGG Lüneburg beklagt, dass „Umsonst-Überstunden“ in Hotels und Gaststätten eher die Regel als die Ausnahme sind. „Selbst 14-Stunden-Schichten gibt es immer wieder. Unterm Strich leisten viele der Vollzeit-Beschäftigten in der Gastro-Branche im Landkreis Lüneburg 30 bis 40 Überstunden pro Monat ohne das in der Lohntüte oder auf dem Stundenkonto zu merken.“

Die ganze Branche über einen Kamm zu scheren, geht Martin Zackariat, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) im Kreisverband Lüneburg, zu weit. Er meint: „Es gibt schwarze Schafe, das sind aber Betriebe, die nicht bei uns organisiert sind.“ Doch Zackariat weiß auch, dass Betriebe im Dehoga-Verband nicht vor Überstunden gefeit sind: „Natürlich wird mal überzogen.“ Das sei zu Spitzenzeiten, wie im Monat Mai mit vielen Feiertagen, im Frühjahr und Sommer mit Konfirmationen oder Hochzeiten der Fall. Die Überstunden sollten aber durch freie Tage ausgeglichen werden. Und es gäbe auch die „Saure-Gurken-Zeit“ in den kälteren Wintermonaten, mit Ausnahme Dezember, in denen Überstunden abgebaut werden könnten.

Die Gewerkschaft kritisiert, dass die Arbeitssitutation besonders an Wochenenden und Feiertagen schlimm sei. Das bekämen auch die rund 1710 Mini-Jobber im Kreis Lüneburg zu spüren, die im Hotel- und Gaststättengewerbe arbeiteten. Auch sie klopften fleißig Überstunden. „Meistens unbezahlt. Das liegt daran, dass Arbeitgeber vom Hotel-Chef bis zum Gastwirt so tun, als wäre es völlig normal und selbstverständlich, ein paar Stunden für umsonst dranzuhängen“, sagt Silke Kettner. Auch auf Azubis würde kaum Rücksicht genommen.

Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz seien in der Branche gang und gäbe. Eigentlich hätten die Arbeitszeiten schon immer dokumentiert werden müssen. Doch jetzt werde es durch das Mindestlohngesetz richtig ernst: „Wer eine Küchenhilfe oder ein Serviceteam im Biergarten für sich arbeiten lässt, muss die geleisteten Stunden aufschreiben und damit auch jede Überstunde. Passiert das nicht, macht sich der Arbeitgeber strafbar. Jeder Gastwirt muss jetzt damit rechnen, dass die Dokumentation der Arbeitszeiten vom Zoll kon­trolliert wird. Das passt vielen Chefs natürlich nicht“, sagt Silke Kettner.

„Es gibt gesetzliche Bestimmungen, dass maximal zehn Stunden gearbeitet werden darf“, sagt Zackariat. Über Zeitkonten und Ausgleich würde diese Regelung eingehalten. Die Aufzeichnungspflicht stelle viele Betriebe aber vor Probleme. Manche Mitarbeiter wollten nur drei statt vier Stunden arbeiten, hätten „kein Interesse an einer Pause“. An Hochzeiten etwa sei es schwierig, „mit zehn Stunden hinzukommen“, dann müsste in mehreren Schichten gearbeitet werden.

Die NGG rät allen Gastro-Beschäftigten, ihre Überstunden aufzuschreiben, um diese gegenüber dem Chef nachweisen zu können. „Wer Schwierigkeiten hat, den Lohn für geleistete Mehrarbeit einzufordern, sollte sich an seine Gewerkschaft wenden“, sagt Kettner. Die NGG Lüneburg bietet Rat und Hilfe an unter Tel.: 42146.

One comment

  1. Solch eine Erläuterung im Namen der Dehoga, zeugt davon, dass in den lüneburger Betrieben, nicht vernünftig recherchiert wird. Ich glaube das solche Menschen noch nie in gastronomischen Betrieben gearbeitet haben und sich darauf verlassen, was ihnen Hoteldirektoren oder Restaurantbetreiber versuchen schön zu reden.