Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Kita-Streik: Geduld der Eltern fast aufgebraucht +++ Mädge im Deutschlandfunkinterview
Ein verhandlungsfähiges Angebot seitens der Arbeitgeber war die Hauptforderung der streikenden Erzieherinnen gestern am Rathaus. Foto: us
Ein verhandlungsfähiges Angebot seitens der Arbeitgeber war die Hauptforderung der streikenden Erzieherinnen gestern am Rathaus. Foto: us

Kita-Streik: Geduld der Eltern fast aufgebraucht +++ Mädge im Deutschlandfunkinterview

us Lüneburg. Mit einer Mahnwache rund um das Lüneburger Rathaus machten gestern die Erzieherinnen der städtischen Kita-Einrichtungen erneut auf ihre Forderungen im laufenden Tarifkonflikt mit den kommunalen Arbeitgebern aufmerksam. Rund 250 Streikende waren gekommen, um den Druck auf die Arbeitgeberseite zu erhöhen. Diese wurde gestern erneut aufgefordert, den Kita-Beschäftigten zügig ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen.

„Die Woche spitzt sich zu, wir erwarten von dem Treffen der Arbeitgeber endlich ein verhandlungsfähiges Angebot“, sagte Matthias Hoffmann, ver.di-Bezirksgeschäftsführer für die Lüneburger Heide, mit Blick auf die am Donnerstag dieser Woche tagende Mitgliederversammlung der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände in Frankfurt am Main. „Ich habe bis heute nicht verstanden, warum dieses Treffen nicht schon viel früher stattgefunden hat. Das hätte den Streik vielleicht deutlich verkürzen können“, sagte Hoffmann.

Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der als Verhandlungsführer der Kommunen die Arbeitgeberseite vertritt, will das nicht gelten lassen, er macht deutlich: „Wir haben bereits in der Woche vor dem Streik zu Verhandlungen eingeladen, das wurde von ver.di aber abgelehnt.“

Zwar sei die Streikbereitschaft der Erzieherinnen nach wie vor ungebrochen, wie Hoffmann versichert, er weiß aber auch, dass der Streik insbesondere die Eltern trifft: „Eltern haben immer mehr Druck, je länger das läuft.“ Eine der Betroffenen ist Kristin Syring, Elternsprecherin der Emmi-Senking-Kita in Adendorf. „Unsere Möglichkeiten, als Eltern einzuspringen, sind zunehmend eingeschränkt, je länger der Streik dauert“, sagt die Adendorferin. Hinzu komme, dass dadurch auch der Notbetreuungsbedarf wachse. „Ich hoffe daher, dass sich endlich mal etwas bewegt, und zwar auf beiden Seiten.“

Mit einem schnellen Streik-Ende rechnet Matthias Hoffmann nicht, er kündigte an, auf jeden Fall bis Ende dieser Woche weiterstreiken zu wollen, „wenn nötig, auch länger“.

Bereits heute, Mittwoch, wird es eine weitere Eltern-Aktion zur Unterstützung der Streikenden geben. Unter dem Motto „Tausend Küsse für unsere Erzieherinnen“ wird es von 15 Uhr an eine halbstündige Schokokuss-Aktion vor der IHK am Sand geben. Am Donnerstag, 28. Mai, werden die Erzieherinnen dann zu der Großdemonstration für den norddeutschen Raum mit dem Metronom nach Hamburg fahren.

>>> Ulrich Mädge im Telefoninterview mit Tobias Armbrüster/ Deutschlandfunk, 27. Mai 2015

4 Kommentare

  1. Wilfried Bergmann

    Ich kann diesem „Streik“ absolut keine positive Seite abgewinnen. Falls die Erzieherinnen wirklich in der Zeit von 2009 bis 2014 über 30% Gehaltserhöhung bekommen haben, der normale Arbeitnehmer aber nur 15,2 %, dann frage ich mich, was sollen all die anderen Arbeitnehmer denken? Sind alle außer den Erzieherinnen nicht leistungsfähig oder -willig, gibt es nur diese eine Gruppe, die wirklich Leistung zeigt und bringt? Die Entsolidarisierung, die Verdi mit diesem Gehabe betreibt, ist unverzeihlich. Was sollen Krankenschwestern, Altenpfleger und alle anderen Angestellten im Öffentlichen Dienst denken? Es gibt nur die Erzieherinnen? Mir fehlt für den ganzen Arbeitskampf und die weit überhöhten Forderungen jegliches Verständnis!

  2. Jürgen HArms

    Nein, das muss man anders betrachten. Kann man von dem Einkommen als Erzieher eine Familie ernähren? Wohl kaum. Und dann ist es doch so, dass die Erzieher ungehemmt streiken können, da die Arbeitgeber ein Problem mit Repressalien haben, da der Arbeitsmarkt für Erzieher leer gefegt ist. In dieser Branche trauen sich die Arbeitnehmer aufzustehen. Die Marktwirtschaft lässt da grüßen. Wenn wir öffentliche Tätigkeiten wie in diesen Einrichtungen oder auch bei der Bahn immer weiter ebenfalls in die Marktwirtschaft überführen, müssen wir uns nicht wundern, wenn das Pendel zurückschlägt. Es wäre schön, wenn man mal seine eigene Einstellung zu dem Thema sozialen Marktwirtschaft und was davon noch übrig geblieben ist, hinterfragt.

  3. die erzieherin, die streikt , hat natürlich völlig recht. leider ist es in unserer gesellschaft so angelegt, wer am besten erpressen kann, bekommt seine vorteile. was würde passieren, wenn eine kauffrau im einzelhandel streiken würde? nichts!