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Idyllische Lage im Grünen: Die Wassermühle Heiligenthal ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler. Foto: uk
Idyllische Lage im Grünen: Die Wassermühle Heiligenthal ist ein beliebtes Ziel für Ausflügler. Foto: uk

Wassermühle Heiligenthal: Junges Gebäude, lange Geschichte

uk Heiligenthal. Ihre Anfänge reichen bis ins 14. Jahrhundert zurück. Allerdings ist das heutige Gebäude der Wassermühle Heiligenthal deutlich jünger, als auf den ersten Blick ersichtlich. „Mein Vater hat die Mühle 1950 von Grund auf neu aufgebaut“, sagt Martin Zackariat und schmunzelt: „Das hat er sehr geschickt gemacht. Die meisten Gäste halten das Gebäude für deutlich älter.“ Im letzten großen Mühlenneubau, den es im Landkreis Lüneburg gegeben hat, führte Zackariat am Pfingstmontag anlässlich des Deutschen Mühlentags Interessierte durch die Räume seiner alten und zugleich jungen Mühle. Trotz widrigen Wetters stand bei vielen Ausflüglern der Besuch per Rad oder Auto im idyllischen Heiligenthal auf dem Programm. Die Plätze auf der Terrasse am Mühlenteich blieben zwar weitgehend leer, dafür lockte der Duft vom rustikalen Buffet in den Mühlensaal.

Wo heute an gedeckten Tischen gespeist wird, befand sich noch bis Ende der 1970er-Jahre der Lager- und Auslieferungsraum der Mühle. „Ich habe hier als Kind an der Schütte gespielt“, sagt Zackariat. Der Standort am Bach war bereits im 14. Jahrhundert für eine Mühle genutzt worden damals von den Mönchen des Prämonstratenserklosters, die 1382 nach Lüneburg umsiedelten. Fortan gehörte die Mühle zum Adelsgut derer von Möller, bis sie 1929 an den Müller Paul Zackariat verkauft wurde. Der betrieb sein Handwerk so erfolgreich, dass er sich 1950 zum Mühlenneubau entschloss. Schon damals gab es kein traditionelles Mühlrad am Bachlauf mehr, sondern eine Turbine, mit deren Hilfe die Wasserkraft in Strom umgesetzt und das Mahlwerk betrieben wurde. Über dem aus mächtigen Felsquadern errichteten Turbinenkeller wurden drei Stockwerke aus Fachwerk und Backstein errichtet. „Im obersten Stockwerk wurde das Getreide gereinigt, darunter lag der Mehlboden mit den schweren Walzenstühlen, darunter der Absackboden“, erklärt Zackariat. Bis Ende der 60er-Jahre florierte der Betrieb, zu Erntezeiten gab es regelmäßig einen Treckerstau im Dorf, erinnert sich der Heiligenthaler. „Dann wurde die Preispolitik gelockert, Billigimporte aus den USA drängten auf den Markt.“ Allein vom Futterschrot, den die Müllerfamilie an Kleinlandwirte auslieferte, ließ sich die moderne Mühle nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Man besann sich auf das alte Schankrecht, das die Mühle bereits 1749 erhalten hatte. Zackariat investierte erneut viel Geld, diesmal in den alten Stall, in dem er 1973 ein Restaurant eröffnete. „Das hat schnell eingeschlagen“, erinnert sich der Mühlenchef, die Küche mit regionalen Speisen habe Gäste aus Lüneburg wie Hamburg angelockt. Das gilt im Prinzip bis heute, wenn auch weitere Standbeine hinzugekommen sind: ein Hotel mit 24 Zimmern, Ferienwohnungen, Konferenz- und Festräume.

„Uns gibt es nur noch, weil wir immer investiert haben“, ist Zackariat überzeugt. Zuletzt in die Sanierung von sieben Gästezimmern, die barrierefrei umgebaut wurden. Dabei fungierte Seniorchefin Elfie Zackariat (86) als wichtige Ratgeberin, berichtet Zackariat: „Sie ist mit dem Rollator rumgefahren und hat die Badezimmer getestet.“