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Gemeinsam mit 20 Studenten machten Professor Thomas Schomerus (v.l.), Windpark-Geschäftsführer Jürgen Vogt und Genossenschaftsgründer Eckhard Winkelmann eine Ortsbegehung des geplanten Windkraft-Areals bei Ehlbeck. Die vorgesehenen Windkraft-Standorte bei Ehlbeck markierten sie mit Windrad-Symbolen. Foto: t&w
Gemeinsam mit 20 Studenten machten Professor Thomas Schomerus (v.l.), Windpark-Geschäftsführer Jürgen Vogt und Genossenschaftsgründer Eckhard Winkelmann eine Ortsbegehung des geplanten Windkraft-Areals bei Ehlbeck. Die vorgesehenen Windkraft-Standorte bei Ehlbeck markierten sie mit Windrad-Symbolen. Foto: t&w

Symbolische Windräder stehen schon

dth Ehlbeck/Amelinghausen. Fleißig waren die rund 20 Leuphana-Studenten des Bachelor-Kurses der Umweltwissenschaften. Gemeinsam mit Professor Thomas Schomerus markierten sie bei Ehlbeck die geplanten Standorte der sieben bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen. Begleitet wurden sie dabei von Jürgen Vogt vom Rehrhof, Geschäftsführer der Bürger-Windpark Ehlbeck GmbH&Co.KG, sowie von Eckhard Winkelmann, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Rehlingen und Initiator der Genossenschaft „Bürger-Windpark Amelinghausen eG“. Dieser nahm später auch an der Bürgerversammlung im Amelinghausener Rathaus zum Thema Windparks teil. Während bei ähnlichen Plänen andernorts Proteststürme toben, weht in Amelinghausen allenfalls ein laues Lüftchen.

Zum Uni-Seminar sagte indes Professor Schomerus: „Wir beschäftigen uns beim Windpark-Projekt mit Fragen der Planung, Finanzierung und Kommunikation. Wir sind objektiv, neutral und nicht der verlängerte Arm der Projektträger.“ Die Exkursion nach Ehlbeck diente auch dazu, die Wirkung der Standorte zu beurteilen. „Das kann man nicht, wenn man nur auf die Karte guckt.“ Zur Orientierung wurden an den sieben Ehlbecker Standorten 1,8 Meter hohe Windrad-Symbole platziert, die Winkelmann in Amelinghausen schmieden ließ.

Mehr Infos gab es später im Rathaus: Insgesamt 50 Zuhörer waren zur Bürgerversammlung gekommen. Sie markierte gleichzeitig den Beginn der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zur Änderung des Flächennutzungsplans der Samtgemeinde sowie der drei auf den Weg gebrachten vorhabenbezogenen Bebauungspläne der Gemeinden Rehlingen, Oldendorf/Luhe und Betzendorf. Der Plan für Etzen ist noch in Vorbereitung: Ziel ist die Konzen­tration von 21 bis zu 200 Meter hohen Windkraftanlagen, verstreut auf die Teilflächen Wetzen, Etzen, Ehlbeck, Tellmer und Diersbüttel (LZ berichtete). Über die Bürgerversammlung hinaus haben Einwohner im ersten Schritt die Gelegenheit, ihre Sorgen und Anregungen bei der Samtgemeinde oder den Mitgliedsgemeinden bis zum 5. Juni kundzutun. Laut Bauamtsleiter Michael Göbel folgt in etwa zwei Monaten die öffentliche Auslegung aller Unterlagen. Während einer Frist von erneut vier Wochen könnten dann Bürger, Verbände und Behörden erneut schriftliche Stellungnahmen abgeben.

Gemessen an der Versammlung ist das Interesse der Bürger derzeit eher mau. Denn unter den Zuhörern befanden sich auch viele Ratsmitglieder, Verwaltungsmitarbeiter, Flächeneigentümer und Projektverantwortliche. Nachdem die Planer Matthias Reinold und Dietrich Kraetzschmer rund eineinhalb Stunden die Grundzüge der Planung vorgestellt hatten, verließ in der anschließenden Pause rund die Hälfte der Zuhörer das Rathaus. Kritische Nachfragen gab es im offenen Teil der Sitzung dennoch.

Die Fragen drehten sich um die Höhenbeschränkung von maximal 200 Metern bis hin zur Auswahl der Flächen und den Mindestabständen zur Wohnbebauung. Zwar betreibe die Samtgemeinde eine eigene Planung, orientiere sich dabei aber an den Vorgaben des am 1. Juni im Kreistag zur Abstimmung stehenden Teilplans des Regionalen Raumordnungsprogramms zu den Windkraft-Vorrangflächen im Landkreis.

Auf die Frage, ob die Schall­ausbreitung der möglichen Bahnneubaustrecke Ashausen-Unterlüß als Alternative zur ebenso umstrittenen Y-Trasse bei den Windkraft-Plänen berücksichtigt werde, sagte Göbel: „Wir nehmen keine Rücksicht darauf. Sollte so eine Trasse kommen, muss die Bahn mit den Windparks umgehen.“ Zur Frage, an welche Behörde sich Bürger wenden sollten, wenn sie durch Infraschall der Windräder gesundheitliche Probleme hätten, sagte Göbel: „Wenn Sie gesundheitliche Beschwerden haben, sollten Sie zunächst zum Arzt gehen und nicht zu einer Behörde.“ Bislang gebe es keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse über gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge von Infraschall. Sollte sich das ändern, müsse reagiert werden.

Genauer untersucht werden müssten laut Kraetzschmer zudem Vorkommen geschützter, kollisionsgefährdeter Großvögel, etwa bei Tellmer, wo Rotmilane gesichtet worden seien. Noch stehe der Prozess aber am Anfang.

2 Kommentare

  1. Zur Frage, an welche Behörde sich Bürger wenden sollten, wenn sie durch Infraschall der Windräder gesundheitliche Probleme hätten,

    eine sehr gute frage. die politik hat jedenfalls bis heute keine antwort darauf, wo man sich effektiv gegen lärm wehren kann. traurig aber wahr.

  2. Wo ist „Bürger-Windpark Amelinghausen eG“ im Netz zu finden? Wo sind Informationen für die, die nicht auf jede Versammlung kommen können? Laues Lüftchen des Widerstands in Amelinghausen? Wenn man nichts weiß?

    Wer sich z.B. in Sachsen-Anhalt umsieht, merkt, was Windkraftanlagen in hoher Konzentration bewirken. Alles andere ist tot. So einfach ist das. Menschen u. Tiere meiden die Regionen. Windgeräusche, jagende Schlagschatten.
    Aber die Cent-Jagd der dreiarmigen Banditen ist wichtiger.

    Windkraftanlagen im LG-Kreis sind zum Teil wie Internetanbindung in Amelinghausen. Technisch geht es. Der Preis dafür ist allerdings hoch. Die Argumente im obigen Text belegen den Willen, auf jeden Fall es umsetzen zu wollen. Wer Probleme hat, kann ja wegziehen.