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Sie schauen nicht nur nach seltenen Pflanzen und Tieren wie hier am Düvelsbrooker Weg, auch urbane Strukturen werden von den Landschaftsplanern Tobias Jüngerink und Ute Johannes bei der Biotoptypenkartierung erfasst. Foto: us
Sie schauen nicht nur nach seltenen Pflanzen und Tieren wie hier am Düvelsbrooker Weg, auch urbane Strukturen werden von den Landschaftsplanern Tobias Jüngerink und Ute Johannes bei der Biotoptypenkartierung erfasst. Foto: us

Biotoptypenkartierung im Stadtgebiet: Drei Buchstaben für jedes Terrain

us Lüneburg. Tobias Jüngerink muss nicht lange überlegen, für ihn ist klar, dass nur das Kürzel OED für das Gebiet um die Wilhelm-Reinecke-Straße in Frage kommt. „Steht für verdichtetes Einzel- und Reihenhausgebiet“, erklärt der Landschaftsökologe. Schnell hat er die Buchstabengruppe in einen eigens dafür vorgesehenen Kasten auf dem Aufnahmebogen eingetragen und widmet sich der nächsten Fläche. „Das ist hier recht eindeutig, anders sieht es außerhalb der bebauten Flächen aus“, sagt er. Seit Anfang Mai ist Tobias Jüngerink, Mitarbeiter der in Lüneburg ansässigen EGL GmbH, gemeinsam mit drei weiteren Landschaftsplanern unterwegs, ihre Aufgabe: Bestimmung und Erfassung sämtlicher Geländetypen des Lüneburger Stadtgebiets. Das Ergebnis soll einfließen in die sogenannte Biotoptypenkartierung, die im vergangenen Jahr von der Stadt in Auftrag gegeben wurde.

„Wir nehmen den Ist-Zustand auf“, erklärt Peter Zurheide. Als Bereichsleiter Grünplanung bei der Stadt begleitet er die Kartierungs-Arbeiten, die mit der Erfassung des inneren Stadtgebietes im vergangenen Jahr begonnen haben und in diesem Jahr mit den äußeren Randgebieten zum Abschluss kommen sollen. Insgesamt 7600 Hektar umfasst das Stadtgebiet, davon entfallen rund 5200 Hektar auf den äußeren Bereich. Bis September haben die vier Landschaftsplaner für die Erfassung dieses Areals Zeit, dann ist die Vegetationsperiode, die im Mai beginnt, zu Ende. Sie müssen sich sputen, denn nur in diesem Zeitraum können die angesiedelten Pflanzen und Tiere verlässlich bestimmt werden.

„Alles wird persönlich in Augenschein genommen“, sagt Tobias Jüngerink. Während bebaute Viertel zügig per Fahrrad abgearbeitet werden, geht es durch Wald und Flur meist zu Fuß. Das Augenmerk der Landschaftsökologen richtet sich dabei vor allem auf Veränderungen, die im Vergleich zur letzten Biotoptypenkartierung vor 20 Jahren eingetreten sind. Erkennbar sind sie anhand von Infrarot-Luftaufnahmen, die besonders deutlich einzelne Vegetationsmuster aufzeigen. „Das können kleine Veränderungen wie Feuchtgebiete oder Wiesen sein, aber auch schon mal ein einzelner stattlicher Baum auf einem Grundstück“, erklärt Ute Johannes, die an diesem Tag gemeinsam mit Tobias Jüngerink unterwegs ist. Sorgen, dass die Kartierer jedes einzelne Grundstück unter die Lupe nehmen, seien aber unbegründet: „Wir schauen nur, wenn es dazu auch einen Anlass gibt“, sagt die Landschaftsplanerin.

Rund 300 verschiedene Biotoptypen können als Buchstabenkombination vergeben werden, so viele listet der speziell für Niedersachsen herausgegebene Kartierschlüssel auf. Neben Wald und Flur, Fauna und Flora werden auch sämtliche urbanen Formationen wie Siedlungen oder Gewerbegebiete aufgenommen, selbst einzelne Windräder oder Mobilfunkmasten gehören dazu. „Letztlich geht es darum, jedes Gebiet genau zu beschreiben und die einzelnen Geländetypen voneinander abzugrenzen.“ Dazu gehört auch das innere Stadtgebiet, das bereits im vergangenen Jahr erfasst wurde.

90000 Euro lässt sich die Stadt die Kartierung kosten. Geld, das zunächst einmal dazu eingesetzt wird, den aktuellen Bestand aufzunehmen, wie Peter Zurheide erklärt. „Wir erfassen nur, was dann daraus gemacht wird, entscheiden die politischen Gremien.“ Klar ist, dass die Ergebnisse der Biotoptypenkartierung mit in den neuen Landschaftsplan einfließen sollen. Er soll darüber Auskunft geben, wo und wie sich die Stadt entwickeln kann für eine wachsende Stadt wie Lüneburg eine wichtige Entscheidungsgrundlage, zumal die Stadt plant, Grüngürtel für ausreichende Frischluftzufuhr des Innenstadtbereichs anzulegen (LZ berichtete). Der aktuelle Landschaftsplan stammt aus dem Jahr 1996, noch ist offen, wann der nächste kommt.