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Carlos strahlt, als ihn seine überglückliche Mutter jetzt am Flughafen von Luanda abholte. Das Foto brachten die Mitarbeiter des Friedensdorfes International mit ins Klinikum Lüneburg. Foto: nh
Carlos strahlt, als ihn seine überglückliche Mutter jetzt am Flughafen von Luanda abholte. Das Foto brachten die Mitarbeiter des Friedensdorfes International mit ins Klinikum Lüneburg. Foto: nh

Klinikum Lüneburg: Hilfe für kranke Kinder aus Krisengebieten

as Lüneburg. In seinem Heimatland Angola hätte der nierenkranke Carlos keine Chancen auf Heilung gehabt. Doch dank mehrerer Operationen im Lüneburger Klinikum unter Federführung von Dr. Roberto Olianas hat der heute Sechsjährige „nun neue Perspektiven auf ein Leben“, sagt Maria Tinnefeld. Sie ist Mitarbeiterin des Friedensdorfes International, das den Jungen ans Klinikum vermittelt hat, wo er kostenlos operiert wurde. Mit ihrer Kollegin Nazira Kasenova kam sie nach Lüneburg, um Klinikmitarbeiter über die Organisation zu informieren und um weitere Unterstützung zu bitten.

Ein Foto erfreute Dr. Olianas und Dorothea und Peter Blume gleichermaßen. Aufgenommen wurde es vorvergangenen Freitag auf dem Flughafen von Luanda, der Hauptstadt Angolas. Es zeigt den strahlenden Carlos, der von seiner glücklichen Mutter in den Arm genommen wird. Zweieinhalb Jahre zuvor hatte der Steppke zum ersten Mal sein Heimatland Richtung Deutschland verlassen. Er litt an Hydronephrose, zu deutsch Wassersackniere. Irgendwann hätte das zu Nierenversagen geführt. Die rechte Niere war zudem fast funktionslos. Der Junge, der in ärmlichen Verhältnissen mit mehreren Geschwistern auf dem Land lebt, wurde vom Friedensdorf International nach Deutschland geholt. Olianas, Spezialist für urologische Behandlungen, operierte ihn Carlos Gesundheitszustand verbesserte sich schnell. Liebevoll ehrenamtlich betreut wurde er vom Ehepaar Blume. Als Carlos damals die Klinik verließ, berichtete die LZ über den kleinen Wirbelwind, der sich mit seinen großen Kulleraugen ins Herz der Klinikmitarbeiter gespielt hatte.

Im Mai 2014 musste erneut ein Eingriff vorgenommen werden. Dr. Roberto Olianas: „Es wurde ein künstlicher Ausgang gelegt, da sich die Blase nicht entleeren konnte. So kann die Nierenfunktion erhalten bleiben. Wenn sich die Niere erholt, kann das normale Wasserlassen irgendwann wieder rekonstruiert werden.“ Nach einer weiteren Erholung im Friedensdorf ging es jetzt nach Hause. Notwendige Medikamente, die zum Teil in Angola nicht erhältlich sind, bekommt Carlos über Partnerorganisationen vor Ort in Angola.

Die Hilfsorganisation Friedensdorf International wurde 1967 in Oberhausen gegründet anlässlich des Sechs-Tage-Krieges zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn. Die ersten Gebäude entstehen Ende 1967, erste Kinder aus Vietnam kommen im selben Jahr und werden zur medizinischen Behandlung in deutsche Kliniken vermittelt. „Wir haben Partnerorganisationen in Krisenregionen wie Afghanistan, Irak und Afrika. Dort werden Kinder vorgestellt, denen in ihren Heimatländern nicht geholfen werden kann und die aus ärmlichen Verhältnissen kommen“, erläutert Maria Tinnefeld. Gemeinsam mit deutschen Teams werde geprüft, welche Kinder zur Behandlung nach Deutschland kommen. Rund 300 Kinder seien ständig hier, die Hälfte davon lebe im Friedensdorf während der Behandlungspausen oder zur Rehabilitation. Dort lernen die Kinder zum Beispiel den Umgang mit Medikamenten, die sie später selbst einnehmen müssen. Gesunde Ernährung, aber auch das ungezwungene Miteinander im Spiel sorgen dafür, dass die kleinen Patienten im Alter von einem bis zwölf Jahre wieder Kraft und Lebensfreude schöpfen.

Mittlerweile gibt es zirka 200 Kliniken in Deutschland, die auf Vermittlung der Hilfsorganisation Kinder kostenlos operieren.

Im Lüneburger Klinikum wurden inzwischen sechs Kinder behandelt. Der Dank gehe nicht nur an die Ärzte und Krankenschwestern und -pfleger, sondern auch an die Ehrenamtlichen, die sich fürs Friedensdorf engagieren, sagt Tinnefeld: „Die Blumes sind Diamanten.“ Mit der Rückkehr der Kinder in ihre Heimatländer hört die Versorgung durch die Organisation nicht auf. Wenn ihr medizinisches Problem es notwendig macht, werden sie lebenslang mit Medikamenten und Hilfsmitteln versorgt. Alle sechs Monate starte ein Charterflugzeug mit entsprechenden Dingen, die die Eltern dann abholen könnten.

Friedensdorf International finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, ist auf die Kooperation mit Kliniken angewiesen. Sechs Millionen Euro sind jährlich notwendig, um das Dorf am Laufen zu halten. Deshalb sind die beiden Mitarbeiterinnen derzeit in Norddeutschland unterwegs, um für die Hilfe für Kinder zu werben. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.friedensdorf.de.

Carlos wird immer ein bisschen bei seinem Doktor Olianas sein. „Kurz bevor er die Klinik verlassen hat, habe ich gesagt: Ich möchte gerne ein Bild von Deiner Mutter sehen. Er hat daraufhin ein Bild gemalt. Das hebe ich nun in einer Mappe auf, in der Sachen liegen, die mir besonders am Herzen liegen“, verrät der Lüneburger Mediziner.