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Für brasilianische Klänge im Lüneburger Kurpark sorgt die Berliner Schülergruppe „Bateria Brincadeira“ mit ihrer Trommelmusik. Foto: t&w
Für brasilianische Klänge im Lüneburger Kurpark sorgt die Berliner Schülergruppe „Bateria Brincadeira“ mit ihrer Trommelmusik. Foto: t&w

„Schulen musizieren“: Kurpark wird zur Copacabana +++ mit Fotogalerie und LZplay-Video

us Lüneburg. Eigentlich sollten sie bereits um 15 Uhr spielen, doch da steht noch der Märkische Jugendchor des Karl-Friedrich-Schinkel-Gymnasiums aus Neuruppin auf der Bühne. „Kein Problem“, sagt Eric Luftmann, der seine schwere Bass-Trommel erstmal zur Seite stellt. Doch dann geht es los, schnell werden T-Shirts übergezogen, und wenige Minuten später haben er und die anderen Mitglieder der „Bateria Brincadeira“ den Platz an der Konzertmuschel im Kurpark mit rhythmischen Schlägen und Klängen an die Copacabana in Rio de Janeiro versetzt.

„Wir sind zwar schon in der Berliner Philharmonie aufgetreten und im Deutschen Bundesrat, aber dies ist unser erster größerer Auswärts-Auftritt“, erzählt Eric. Seit vier Jahren ist er bei der Bateria, einer Schülergruppe des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums, die sich auf brasilianische Trommelmusik spezialisiert hat. Donnerstagmittag kamen sie mit dem Bus in Lüneburg an, bereits am Abend trommelten sie vor großem Publikum auf dem Marktplatz. „Zuvor gab es Stellprobe und Sound-Check“, erzählt der Sechszehnjährige. Nach ihrem Auftritt ging es wenige Meter weiter in den Rathausgarten, wo das Service Plus Team der Gesundheitsholding im eigens errichten Gastronomiezelt mit dem Abendessen wartete.

„Wir versorgen in den vier Tagen während des Begegnungsfestes 300 Personen“, sagt Wolfgang Wiengarten, der als Leiter Speiseversorgung für den reibungslosen Ablauf im Servicezelt zuständig ist. Die anderen 300 der insgesamt 600 angereisten Schüler, die in diesen Tagen während des Begegnungsfestes „Schulen musizieren“ in Lüneburg zu Gast sind, werden in der Kantine des Behördenzentrums versorgt. „Für die Rückfahrt am Sonntag gibt es für alle Lunch-Pakete.“

Zurück zu den Berliner Trommlern: Eine gute halbe Stunde haben sie auf der Bühne ihr Bestes gegeben, für ihre mitreißenden Samba-Rhythmen gab es kräftigen Applaus und sogar einige mitwippende Füße und Hüften. Es geht zurück in die Stadt, am Abend dann ins Vamos. „Wir wollen uns natürlich auch die anderen Gruppen anschauen“, sagt Eric. Sein Interesse gilt den Bands, „ich steh‘ mehr auf Musik mit Instrumenten“. Auch an einem der Workshops will er teilnehmen, sofern er noch einen Platz bekommt.

Während viele Schüler-Ensembles privat in Familien untergebracht sind, haben Eric und seine 19 Mit-Trommler Quartier in der Jugendherberge bezogen. Auf das gemeinsame Üben müssen sie auch dort nicht verzichten, Eric verrät: „Wir machen das ohne Trommeln, wir üben mit Vokal-Percussion. Jeder macht die Schläge, die er sonst auf der Trommel macht, mit dem Mund.“

Auf dem Marktplatz zeigt unterdessen die Big Band des Koblenzer Görres-Gymnasiums ihr Können. Gleich nebenan steht Dorothee Pflugfelder in ihrem Info-Zelt und telefoniert. „Es gibt immer etwas zu organisieren“, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbands Musikunterricht, dem Ausrichter der Bundesbegegnungen, die alle zwei Jahre an wechselndem Ort stattfinden. Kurze Aufregung gab es am Anreisetag, ein Ensemble aus Bayern steckte im Stau fest, traf erst um 18.30 Uhr in Lüneburg ein.

Etwas gelassener gehen es derweil Sonja, Ylva und Felix an. Die drei Schüler aus der 8b der Wilhelm-Raabe-Schule gehören zum Helfer-Team, am Freitag hatten sie von 15 bis 18 Uhr an der Bühne im Kurpark Dienst. „Wir bringen die Schüler zu den Orten, passen auf die Instrumente auf oder holen auch mal Stühle, falls es nicht reicht“, sagt die 14-jährige Ylva, die selbst Klarinette spielt. Alle Drei hatten sich freiwillig für die Arbeit im Helferteam gemeldet, ein Einsatz, der sich auch finanziell lohnt, schließlich gibt es 8 Euro pro Stunde.

Auch wenn das große Begegnungsfest am Freitag noch nicht bei allen Lüneburgern angekommen war, Evelyn Beißel war schon voll des Lobes über die Atmosphäre in der Stadt: „Es gibt hier eine große Offenheit und viel Interesse an dem, was hier geboten wird. Man spürt, dass das Fest angenommen wird, und das ist keine Selbstverständlichkeit“, zeigte sich die BMU-Vizepräsidentin erfreut. „Die Stadt bietet dafür die perfekte Atmosphäre.“

Weitere öffentliche Konzerte gibt es unter anderem am Sonnabend, von 13 bis 17.30 Uhr im Kurpark, von 14.30 bis 17.30 Uhr im Krone-Biergarten und in der Ritterakademie, von 18 bis 19.30 Uhr in der Johanniskirche, außerdem am Sonntag, von 12.30 bis 14 Uhr im Vamos.

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„Schulen musizieren“: Klassik, Pop und Big-Band-Sound

us Lüneburg. „Nach dem Auftritt ist man erleichtert, aber auch selbstbewusster.“ Lindis Augen strahlen, das Erlebnis des Auftritts vor großem Publikum, den die Zwölfjährige gerade hinter sich gebracht hat, wirkt noch nach. Auch bei ihren Mitspielerinnen hat sich die Aufregung noch nicht ganz gelegt. „Wir hatten alle ziemliches Lampenfieber, es war toll und unser bislang größter Musical-Auftritt“, sagt Helene. Wie Lindis ist auch sie Mitglied des Schüler-Ensembles der 6. Klasse des Gymnasiums Bleckede, einer von insgesamt zehn Musikgruppen aus Lüneburg und Umgebung, die mit dem „Lüneburg-Tag“ den musikalischen Auftakt für die „18. Bundesbegegnung Schulen musizieren“ gaben. Bis Sonntag werden 18 aus dem gesamten Bundesgebiet angereiste Schüler-Ensembles in Lüneburg ihr musikalisches Können unter Beweis stellen.

Schlag auf Schlag ging es auf der Bühne am Markt zu, im Halbstundentakt gaben sich Bands, Chöre und Orchester für ihren jeweils rund 15-minütigen Auftritt Taktstock oder Mikro in die Hand. Den Auftakt gestaltete um 10.30 Uhr die Black School Rock Band von der Schule am Knieberg, die Rockpop-AG „R-PAG“ des Gymnasiums Oedeme setzte gegen 15.30 Uhr den vorläufigen Schluss-Akkord. Etwas Pech hatte das Schulorchester des Lessing-Gymnasiums aus Uelzen, gerade bei ihrem Auftritt setzte ein kräftiger Schauer ein, der auch ein paar Zuschauer vertrieb.

„Was kann es Besseres, was kann es Schöneres geben, als wenn junge Menschen Musik machen und sich treffen, um einander zuzuhören, Erfahrungen zu machen oder sich auszutauschen, kurz: sich zu begegnen“, sagte Bürgermeister Eduard Kolle, der um 18 Uhr die viertägige Veranstaltung offiziell eröffnete. „Jetzt bin ich stolz, dass die Bundesbegegnung nun endlich bei uns angekommen ist.“

Neben einer Schülerband aus Hildesheim, einer Berliner Trommler-Gruppe und einer Big-Band aus Elmshorn spielte am Abend auch die Rock- und Jazzcombo „Fungafop blue“ aus Vechta. Deren musikalische Leiterin Miriam Humphreys freute sich, wieder in Lüneburg zu sein. „Ich habe hier vor acht Jahren mein Referendariat an der Herderschule gemacht, es war eine sehr schöne Zeit“, sagt die Musiklehrerin. Ihre Combo tritt ebenso wie die Pop-Band des Gymnasiums Links der Weser aus Bremen übrigens auch in der Lüneburger Justizvollzugsanstalt auf im Gegensatz zu allen anderen aber ist diese aus naheliegenden Gründen eine geschlossene Veranstaltung.

Dass der Funke zwischen Publikum und den mehr als 600 angereisten Musikern schnell überspringen wird, davon ist Projekt-Leiterin Julia Wolf überzeugt: „Die Lebendigkeit wird uns in den nächsten Tagen anstecken.“