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Seit sieben Tagen beginnt jeder Unterricht in der 8b mit dem gleichen Ritual: 15 Minuten lang lesen die Schüler leise  und zwar jeder das, was ihn interesssiert. Foto: t&w
Seit sieben Tagen beginnt jeder Unterricht in der 8b mit dem gleichen Ritual: 15 Minuten lang lesen die Schüler leise und zwar jeder das, was ihn interesssiert. Foto: t&w

Dürre, Terror, Gänsenachwuchs – Achtklässler der Johannes-Rabeler-Schule entdecken mit der LZ die Welt

off Lüneburg. Martin hat der Artikel über den Nachwuchs der Kanadagänse gefallen. Marcel brachte das Interview über die Dürre in Kalifornien zum Nachdenken. Und Mohammed, dessen Familie aus dem Libanon stammt, interessierte sich vor allem für den Bericht über den Einmarsch der Terrormiliz Islamischer Staat in die syrische Stadt Palmyra. Seit genau sieben Tagen steht die LZ auf dem Stundenplan der Klassen 8a und b an der Johannes-Rabeler-Schule in Lüneburg, beginnt jeder Morgen für die 20 Schülerinnen und Schüler mit Zeitunglesen. Ein besonderes Projekt, von dem sich Eva Juliane Bartel und Susanne Krause vor allem eins erhoffen: „Dass die Schüler weltoffener werden.“

Die beiden Lehrerinnen der Förderschule mit Schwerpunkt Lernen nehmen zum ersten Mal teil an der Aktion „Zeitungsleser — Weltentdecker“, für das Gemeinschaftsprojekt von Universität, LZ und Netzwerk Leseförderung Lüneburg ist es bereits der achte Durchlauf. Insgesamt 273 Jugendliche aus 16 Klassen sind in diesem Jahr dabei, außerdem zwei Dutzend Studierende, die den Unterricht in den Schulen begleiten.

In der 8a der Johannes-Rabeler-Schule leiten an diesem Tag Donwilliam Kerber und Steve Miloch die Stunde. Auch sie stellen den Schülern vor, welche Artikel sie besonders gefreut, geärgert oder bewegt haben. Donwilliam Kerber geht es wie Marcel: „Ich fand das Interview über die Situation in Kalifornien spannend.“ Projektpartner Steve Miloch stellt den Schülern den Bericht zum Stint-Brand vor, „der hat mich besonders interessiert“.

Dass das Lesen nicht allen der Achtklässler leicht fällt, ist für die Arbeit mit der Zeitung nebensächlich. Einen Lieblingsartikel findet fast jeder, oft reichen bereits Überschrift, Bildunterschrift und Foto, um zu erschließen, worum es in dem Bericht geht. „Die Zeitung gibt allen Schülern die Möglichkeit, die Welt zu entdecken“, sagt Eva Juliane Bartel. Egal wie gut sie lesen. Ein Unterrichtsmodell, das bei Janina (15) besonders gut ankommt. „Ich finde es toll, dass immer aktuelle Sachen in der Zeitung stehen“, erzählt sie, „außerdem ist Zeitunglesen gut für die Allgemeinbildung.“ Andere Schüler können nicht ganz so viel Begeisterung aufbringen, finden am Ende aber trotzdem irgendwas in der LZ, was sie interessiert — Fußballergebnisse, die Servicehinweise auf Seite 2, „Charlie Brown und seine Freunde“ auf der letzten Seite.

Um noch mehr über Zeitung zu erfahren, besuchen die beiden achten Klassen in dieser Woche die LZ-Redaktion. Erste Fragen gibt es bereits: Wie lange dauert es, bis eine Seite fertig ist? Welchen Abschluss braucht man, um Journalist zu werden? Was verdient ein Redakteur? Für die meisten Schüler ist es das erste Mal, dass sie über Zeitung nachdenken. „Zuhause haben nur wenige Kontakt mit einer Tageszeitung“, sagt Lehrerin Eva Juliane Bartel. Das wird auch das Projekt auf Dauer wohl nicht ändern. Doch eins ist bereits nach sieben Tagen geglückt: Schülerinnen und Schüler entdecken jeden Morgen ein Stückchen mehr von der Welt — sei es in Kalifornien, Syrien oder an den Vögelser Teichen.