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Ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord: Das Territorium des dort ansässigen Rudels reicht bis in die Samtgemeinde Amelinghausen, ein Tier ist bereits in der Ortslage Ehlbeck gesehen worden. Möglicherweise haben die Tiere die Scheu vor dem Menschen verloren. Deshalb hat das Umweltministerium in Hannover jetzt Schritte ergriffen, um die Munsteraner Wölfe besser beobachten zu können. Foto: nh/nabu/jürgen borris
Ein Wolf auf dem Truppenübungsplatz Munster Nord: Das Territorium des dort ansässigen Rudels reicht bis in die Samtgemeinde Amelinghausen, ein Tier ist bereits in der Ortslage Ehlbeck gesehen worden. Möglicherweise haben die Tiere die Scheu vor dem Menschen verloren. Deshalb hat das Umweltministerium in Hannover jetzt Schritte ergriffen, um die Munsteraner Wölfe besser beobachten zu können. Foto: nh/nabu/jürgen borris

Rudel drohen unruhige Zeiten + + + Mit Video

emi Amelinghausen. Der Druck auf die Verantwortlichen wächst: Gerade der jüngste Übergriff auf ein Islandpferdefohlen bei Bispingen hat neue Schärfe in die Diskussion um die Ausbreitung des Wolfes in der Region gebracht. Jetzt hat das niedersächsische Umweltministerium (MU) reagiert und unter anderem das Wolfsmonitoring im Gebiet des Munsteraner Rudels intensiviert. Details präsentierten Staatssekretärin Almut Kottwitz sowie Vertreter von Landesjägerschaft, NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) und Ministerium im Kultursaal Amelinghausen. Zwei Hauptmaßnahmen sind für die Zukunft geplant: Überwachung und Vergrämung. „Das ist allerhöchste Zeit“, sagte Amelinghausens Bürgermeister Norbert Thiemann.

Der Grund, warum zunächst das Munsteraner Rudel im Fokus steht: Die Wölfe hatten sich zuletzt besonders auffällig verhalten, waren auch im Raum Amelinghausen immer wieder durch Distanzlosigkeit aufgefallen. Bereits ab kommender Woche sollen Experten damit beginnen, die Wölfe zu betäuben und mit einem Sender auszustatten. Das aufgezeichnete Bewegungsprofil soll dazu führen, den Wolf gezielt abschrecken zu können, sogenannte Vergrämungsmaßnahmen einzuleiten.

Wie genau das funktionieren soll, erklärte Staatssekretärin Almut Kottwitz: „Der Mensch zeigt sich dem Wolf mit dem Gummigeschoss, das Tier hat einen unheimlichen Schmerz und weiß, mit dem Menschen ist nicht gut umzugehen, von ihm halte ich mich fern.“ Erst wenn das nicht greift, der Wolf zur „echten Gefahr“ wird, könne man über eine „finale Entnahme“ nachdenken.

Wann die Vergrämung beginnen kann, ist noch völlig unklar. Das Problem: „Die Wölfe kriegen jetzt ihre Jungen und werden sich zurückziehen, um sie zu pflegen. Sie sind momentan also nicht so leicht zu finden.“ Die Staatssekretärin hofft dennoch, die ersten beiden Tiere innerhalb der nächsten vier Wochen besendern zu können.

Für die Vergrämungsmaßnahmen selbst will sich das MU Unterstützung aus dem Ausland holen: Ein Experte aus Schweden soll einem Team von vier bis fünf Personen bei den Aktionen zur Seite stehen. Zusätzlich unterstützt die Lüneburgerin Laura Richter schon jetzt das Wolfsmonitoring rund um den Truppenübungsplatz Munster.

Die Bemühungen des Ministeriums richten sich aber nicht nur auf das dortige Rudel, landesweit sind vier weitere Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Wolfsmanagements geplant. Erstens: Anfang Juli geht das neue Wolfsbüro des NLWKN an den Start. Künftig kümmern sich dort drei Mitarbeiter um die Bearbeitung gemeldeter Nutztierrisse, Anträge auf Präventionsmaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung.

Zweitens: Die Verfahren und Abläufe zur Feststellung der Verursacher von Nutztierrissen sollen beschleunigt werden. Dafür soll geprüft werden, inwieweit Veterinäre der Landkreise die Rissbegutachtung übernehmen können. Auch die Beschleunigung von DNA-Analysen durch ein Institut des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) wird geprüft.

Drittens: In einer bundesweiten Dokumentations- und Beratungsstelle sollen alle Beobachtungen und Bewertungen zu Wolfssichtungen zusammengeführt und über einen bundeseinheitlichen Umgang mit auffälligen Wölfen beraten werden.

Viertens: Als zentrale Plattform für Informationen im Internet geht Anfang Juni ein neues Internetportal unter dem Titel „Der Wolf in Niedersachsen“ an den Start.

Die Anregung aus der Landesjägerschaft, eine zentrale Telefonnummer für Bürgermeldungen einzurichten, will Almut Kottwitz mit nach Hannover nehmen.

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2 Kommentare

  1. Was ist typisch Niedersachsen? Ist der Mensch gefährdet, macht das nichts (Jäger mußte sich schon mit Schuß in den Boden respekt vor Wölfen verschaffen). Sind Pferde in Gefahr, dann geht’s los. Dann kommen Experten, dann spielen Kosten keine Rolle.

    • Maike Lüders

      Na, zumindest ist es unwichtig, wenn nicht die Tochter und deren Rassepferd für 70.000€ von Professor Doktor XX und Politiker XY oder Unternehmer XZ davon betroffen ist! Seit wann spielt der Normalo eine Rolle in Deutschland. Mund halten – Steuern zahlen!