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Ulrich Mädge. Foto: t&w
Ulrich Mädge. Foto: t&w

LZ-Inteview: „Buhmann woher wissen Sie das?“

Lüneburg. Woche drei im Kita-Streik. Ungeachtet dessen, ob sie auf der Seite der Erzieherinnen sind oder ob sie deren Forderungen für überzogen halten, der Unmut der Eltern, die immer wieder eine Betreuung für ihren Nachwuchs organisieren müssen, nimmt bundesweit zu. Die Position der Kommunen als Arbeitgeber vertritt in der Verhandlungskommission Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, zugleich Präsident des Niedersächsischen Städtetags und Mitglied bei der Gewerkschaft ver.di, die in diesem Fall auf der anderen Seite des Tisches sitzt. Über den Kita-Streik mit Ulrich Mädge sprach LZ-Redakteur Ulf Stüwe.

61 Prozent der Bundesbürger äußern laut einer aktuellen Umfrage Verständnis für den Kita-Streik. Warum stoßen die Erzieherinnen bei Ihnen auf taube Ohren?
Mädge: Die stoßen ja nicht auf taube Ohren. Wir haben mit Datum vom 21. April und heute noch einmal einen Vorschlag unterbreitet, wie wir die Probleme, die es in bestimmten Bereichen gibt, auch finanziell aufwerten wollen. Das macht in der Spitze bis zu 430 Euro für 30 Prozent der Mitarbeiter hier in Lüneburg. Es betrifft vor allem diejenigen, die sich weiterqualifizieren wollen, unter anderem in Sprache und musischer Bildung, aber auch die Leitungen. Insofern haben wir das aufgenommen, was ich von den Leitungen höre. Außerdem haben wir zum dritten Mal einen Termin für Gespräche vorgeschlagen, und zwar den 2. Juni in Frankfurt.

Welche Reaktionen kommen bei Ihnen persönlich an und wie?
Mädge: Vor allem von Eltern kommen, das zeigen Gespräche, auch zustimmende Reaktionen, in denen sie sagen: Ja, Ihr müsst verhandeln, wir sehen Eure Argumente, aber das darf man nicht durch Streik auf dem Rücken unserer Kinder und unserer Arbeitszeit austragen. Das ist doch die Situation: Wir haben seit acht Wochen in fünf Verhandlungsrunden gesessen, und dann kommt der Streik und Gesprächstermine werden nicht angenommen. Wir bieten heute noch einmal ein Gespräch an, um diese Probleme zu lösen. Darauf bekomme ich viele positive E-Mails natürlich auch negative, auch Verständnis für die Forderungen und Verständnis für die Gleichbehandlung mit anderen Diensten in dem Bereich, aber bitte ohne Streik. Redet miteinander, das ist das Entscheidende. Deshalb verstehe ich bis heute nicht, warum gestreikt wird, wenn wir auch miteinander reden können.
Die Eltern wollen, dass wir uns einigen. Sie sehen aber, dass die Gleichbehandlung, wie von ver.di gefordert, erstens nicht gerechtfertigt ist und zweitens andere Berufsgruppen wie Krankenschwestern und Altenpfleger benachteiligt. Uns geht es um die Sache, sonst hätten wir in den letzten Jahren auch nicht so viel in Kitas und in Personal investiert. Deshalb sagen wir: Jetzt kommt an den Tisch!

Wie fühlt es sich an, für viele Eltern in ganz Deutschland der Buhmann zu sein?
Mädge: Woher wissen Sie das? Meine E-Mails zeigen mir das nicht, sondern es gibt sehr viele Eltern, die über die Argumente nachdenken, die sachlich von uns vorgetragen werden.

Bekommen Sie auch Zustimmung für Ihre harte Haltung?
Mädge: Das ist keine harte Haltung, sondern das ist wie in einer Familie: Wenn Sie nur ein Budget haben, dann müssen Sie damit auskommen. Die Eltern, mit denen ich spreche, wollen nicht, dass wir mit Krediten die Lücke schließen in Lüneburg müssten wir das aber. Natürlich wollen wir auch Qualität, aber wir wollen dabei auch bewertet haben, dass die Erzieherinnen, die sich weiterbilden und mehr für Sprache und unsere Kinder tun, auch anders bezahlt werden als die, die sich nicht weiterbilden. Das ist wie im wirklichen Leben, und genau das ist unser Angebot. Dafür bekomme ich auch dort, wo mir nicht mit Trillerpfeifen in die Ohren geblasen wird, die Zustimmung vor allem auch der Eltern. Das zeigen im Übrigen auch die Stellungnahmen der Eltern-Demos heute in Hannover und Hamburg. Auch von unserem Kita-Stadtelternrat in Lüneburg fühle ich mich voll unterstützt.

Wie lange soll der Zustand noch so weitergehen?
Mädge: Wir sind der Meinung, dass man reden muss, zum Reden gehört nicht Streik. Darum ist unsere Forderung an ver.di: Hört auf mit dem Streik, wir sind bereit, diese Verbesserungen ab 1. Juni zu zahlen.

Welche Auswirkungen hat Ihr Angebot für die Stadt?
Mädge: Es bedeutet für uns eine Haushaltsbelastung von 200000 Euro und betrifft 30 Prozent meiner Mitarbeiter.

Infos zur Notbetreuung der Stadt Lüneburg unter: www.hansestadtlueneburg.de/kita-streik

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