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Wer mit dem Metalldetektor auf Schatzsuche gehen will, kommt am Bezirksarchäologen Dr. Mario Pahlow nicht vorbei: Er weist Interessenten ein Suchgebiet zu - aber nur, wenn sie einen Sondengängerkursus absolviert haben. Foto: t&w
Wer mit dem Metalldetektor auf Schatzsuche gehen will, kommt am Bezirksarchäologen Dr. Mario Pahlow nicht vorbei: Er weist Interessenten ein Suchgebiet zu - aber nur, wenn sie einen Sondengängerkursus absolviert haben. Foto: t&w

Jäger der verlorenen Schätze – Wer mit Metalldetektor auf die Suche geht, muss einige Regeln beachten

kre Lüneburg. Diese Schatzsuche wird dem Mann wohl nachhaltig in Erinnerung bleiben: Ausgerüstet mit einem Metalldetektor hatte er sich aufgemacht, um heimlich nach Überbleibseln aus der Göhrdeschlacht vor gut 200 Jahren zu suchen. Zwischen Lübeln und Eichdorf in der Gemeinde Nahrendorf forschte der Mann nach Musketenkugeln, Tabakdosen oder Uniformknöpfen gefallener Soldaten. Gefunden hat er nichts, sich dafür aber jede Menge Ärger eingehandelt: mit Polizei und Behörden. Denn der Schatzsucher war illegal mit seinem Suchgerät unterwegs. Dass er deshalb mit dem Gesetz in Konflikt geraten könnte, davor hat ihn sein Metalldetekor nicht gewarnt.

Dumm gelaufen: Denn grundsätzlich verboten ist die Suche mit Metalldetektoren nicht. ,,Man muss sich aber an einige Spielregeln halten“, sagt der Lüneburger Bezirksarchäologe Dr. Mario Pahlow. Zum Schutz archäologischer Stätten und Bodendenkmäler. Um eine Störung der Totenruhe zu vermeiden und zum Schutz der Schatzjäger vor sich selbst. Denn nicht selten stoßen die Freizeit-Archäologen mit ihren Metalldetektoren auch auf Weltkriegs-Munition, Minen und Granaten. Und die sind auch 70 Jahre nach Kriegsende noch hochexplosiv.

Die Zahl der Sondengänger in Deutschland lässt sich nur schätzen. Gut 10000 sollen es sein, die regelmäßig mit ihren Metalldetektoren losziehen und Wald, Feld und Flur nach alten Münzen, Werkzeugen, Schmuck oder Waffen absuchen. Und von Monat zu Monat werden es wohl mehr denn günstige Metalldetektoren gibt es schon für um die 100 Euro im Internet zu kaufen.

Dabei ist die rechtliche Situation eindeutig, „geregelt im Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz“, sagt Dr. Mario Pahlow. Darin steht: Wer sich auf Schatzsuche begibt und dazu technische Hilfsmittel einsetzt, braucht eine Genehmigung.

Die stellt zum Beispiel die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landkreis Lüneburg aus. Allerdings muss zuvor ein sogenannter Sondengängerkursus an einem Wochenende in Hannover bei der Landesdenkmalpflege besucht werden. „Da werden auch die rechtlichen Aspekte erläutert“, sagt Dr. Pahlow. Angefangen von den Betretungsrechten fremder Grundstücke bis hin zu der Frage, wie man archäologische Artefakte richtig sichert und die Fundstelle wissenschaftlich exakt kartiert. Natürlich punktgenau mit GPS-Einmessung. Zu den Referenten des Seminars gehören neben Archäologen und Juristen immer auch ein Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes, der auf die Gefahren und Probleme militärischer Hinterlassenschaften hinweist.

Nach dieser zweitägigen Unterweisung folgt dann noch einmal ein halbtägiger Praxiskursus mit der Sonde. Ist auch diese Hürde gemeistert, gibts endlich den ersehnten Sonden-Schein. Doch selbst der berechtigt nicht, nun überall und zu jeder Zeit mit der Sonde nach Wertvollem oder Historischem im Boden zu fahnden. „Das Gebiet wird von der Unteren Denkmalschutzbehörde oder von mir als Bezirksarchäologe ganz genau vorgegeben“, sagt Dr. Pahlow. Und diese Bescheinigung gelte auch nicht unbegrenzt, sondern in der Regel nur für ein bis zwei Jahre.

Die intensive Einweisung macht Sinn: Denn wenn ein ungeschulter Sondengänger auf scheinbar archäologisch „harmlosen“ Plätzen nach Fundstücken gräbt und diese dem Boden entnimmt, besteht immer die Gefahr, dass archäologisch wichtige Befunde, Hinweise, Zusammenhänge und Bestimmungshilfen irreversibel zerstört werden. Zudem ist die Geschlossenheit der Funde dann nicht mehr gegeben und dadurch der wissenschaftliche Wert erheblich gemindert.

Umgekehrt können ausgebildete Sondengänger den Archäologen bei ihrer Arbeit durchaus helfen. Etwa, wenn durch große Bauvorhaben die Zeit drängt. Dr. Pahlow nennt Beispiele: „Etwa beim Pipeline-Bau oder beim Bau der Autobahn 39 haben wir gezielt Sondengänger eingesetzt, um das Areal abzusuchen.“

Im Übrigen braucht kein „legaler“ Sondengänger die Sorge zu haben, dass er das, was er findet, dem Staat übergeben muss. „In Niedersachsen gilt die Hadrianische Teilung“, erklärt Dr. Pahlow. Das heißt: „Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist, entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, teilen sich Entdecker und Grundeigentümer den Schatz je zur Hälfte.“