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Feierliche Übergabe der neuen Schnellladesäule für E-Autos: Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Wirschaftsminister Olaf Lies und die Landtagsabgeordnete 
Andrea Schröder-Ehlers. Foto: sw
Feierliche Übergabe der neuen Schnellladesäule für E-Autos: Landrat Manfred Nahrstedt, Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Wirschaftsminister Olaf Lies und die Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers. Foto: sw

Lüneburg: 23.000 Besucher und 610 Probefahrten bei „Einfach elektrisch“

mm Lüneburg. Probefahrt: Der Motor springt an – lautes Brummen bleibt aus. Das Auto rollt leise schnurrend los. Es wird angetrieben durch Strom, kommt ohne Verbrennungsmotor aus. Die Fahrzeuge der Generation Elektrisch gleiten geräuscharm über die Straße. Wie am Sonnabend und Sonntag auf dem Platz Am Sande – als Ort der Sieben-Städte-Tour „Einfach elektrisch“.

Nach Hannover und Göttingen ist Lüneburg die dritte niedersächsische Stadt, in der Hersteller ihre Fahrzeuge mit Elektro- und Hybrid-Antrieb präsentieren, Besucher zu Probefahrten einladen. Am Sonnabend kommen laut Veranstaltern 9000 Besucher, an beiden Tagen insgesamt rund 23 000. „Die Zahlen könnten ein Ansporn für die weiteren Städte sein, auch wenn sie schwer zu toppen sind“, sagt Stefan Wittke, Sprecher und Mitorganisator aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Auch sein Chef, Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), ist angereist zur Einweihung der zweiten öffentlichen Schnellladestation für Elektroautos in Lüneburg. Er steht am Sonnabendmorgen im Parkhaus am Bahnhof. „Ich bin fest überzeugt: Der Elektromobilität gehört die Zukunft“, sagt der Minister. In der Hand hält er ein Stromkabel. Damit können jetzt im Parkhaus Elektroautos „aufgetankt“ werden – per Schnellladung.

„Für den Stadtverkehr gibt es im Elektro-Bereich sehr viele sinnvolle Alternativen, zumal für eine Stadt, die sich der Nachhaltigkeit verpflichtet fühlt“, findet Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Voraussetzung seien genügend Ladestationen. Zu jener am Theater ist nun die zweite öffentliche in Lüneburg hinzugekommen. Kostenpunkt: 40 000 Euro. 80 Prozent übernimmt das Land Niedersachsen, die restlichen Kosten tragen Sparkassenstiftung, der Förderfonds Nachhaltigkeit und der Strukturentwicklungsfonds für den Landkreis Lüneburg. Gegenleistungen der Stadt: ein überschaubarer finanzieller Beitrag, zudem praktische Leistungen wie Hausanschluss, Breitbandanschluss, Herrichten der Fläche und Weiterbetrieb durch LüneParken.

Zwar können E-Autos auch zu Hause an der Steckdose geladen werden, doch an den Stationen geht‘s deutlich schneller. Zwei Stunden dauert es an der neuen Ladesäule, zwei Fahrzeuge können parallel mit Energie aufgefüllt werden, zurzeit ist das Aufladen selbst noch kostenlos, eine Reservierung der Plätze über das Smartphone soll bald möglich sein.

Ganz kostenlos kommt der Autobesitzer jedoch nicht an die Stromladung. Gebühren fürs Parken sind nach einer halbe Stunde fällig. Das kritisiert Oliver Kraemer vom Vorstand des Grünen-Kreisverbandes. Er fordert: „Während der Ladezeit sollte das Parken frei sein.“ Er fahre selbst ein Elektroauto und sehe ein weiteres Problem, das auch Handy-Besitzer kennen: „Nutzer von E-Fahrzeugen können nicht jede Schnellladesaüle benutzen.“ Denn es gebe verschiedene Hersteller, deshalb unterscheiden sich die Zugänge an den Ladestationen.

Einen ersten Zugang zu Autos mit Elektromotor oder auch mit Hybrid-Plugin suchen Besucher auf dem Sand. Wie Johanna Schüssler. Sie hat gerade eine Probefahrt mit einem elektrisch angetriebenen Kleinwagen hinter sich – und ist ganz angetan: „Ein anderes Fahrgefühl, das Spaß macht“, sagt sie. Ob sie sich den Kleinwagen kaufen würde? „Ja, aber eher als Hybrid-Fahrzeug.“ Denn die Reichweite beim reinen E-Auto sei ihr zu gering, „für längere Touren ungeeignet“, urteilt die Testerin. Sie geht weiter zur E-Arena, wo eine Live-Band spielt und die Fahrzeuge der Reihe nach vorgeführt werden.

Da sind nicht nur Kleinwagen für Otto-Normal-Verbraucher, auch Flaggschiffe der Branche sind zu sehen. Wie das Modell eines US-amerikanischen Autobauers. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern, allerdings zum stolzen Preis von 80 000 Euro aufwärts. Umso mehr freuten sich Besucher, die gestern mit dem 367 PS-starken Fahrzeug Gas geben konnten – wenn auch nur zur Probe.

Nächster Termin der Sieben-Städte-Tour ist am 27./28. Juni Osnabrück, es folgen im Wochenrhythmus Wolfsburg, Oldenburg und das Finale in Braunschweig.

 

 

 

 

One comment

  1. Das war natürlich eine Medienträchtige PR-Aktion bei der sich „unsere“ Politiker wieder mal präsentieren konnten. Sogar unsere MdB Frau Lotze ist dazu aus Berlin angereist.

    Doch warum diese (zugegeben etwas aggressive) Einleitung. Es geht um die Bedeutung von reinen E-Autos auf unseren Straßen. Dazu ein paar Zahlen aus der Statistik des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) aus dem Jahr 2014.

    Im Jahr 2014 wurden 3,04 Mill. PKW neu zugelassen. 8522 davon waren reine Elektrofahrzeuge. Das sind nicht einmal 0,3% aller Neuzulassungen. Ein großer Teil davon zudem Firmenfahrzeuge für den Einsatz auf kurzen Strecken.

    Ja! Ich finde es toll dass mein Postbote seit längerer Zeit mit einem Elektroauto kommt. Ich höre ihn zwar nicht mehr, aber er verursacht auch keine schädlichen Abgase mehr bei laufendem Motor im Stand wie früher. Hier muss man die Post für diese Entscheidung schlicht loben.
    Doch grundsätzlich haben reine Elektroautos noch eine lange Entwicklungsstrecke vor sich. Die Probleme sind bekannt. Die Reichweite ist aufgrund geringer Akkuleistung gering. Für viele Pendler oder Vielfahrer unbrauchbar. Zudem sind sie teuer und die Ladezeiten an einem Hausanschluss zu lang (und nicht kostenlos!). Und in einem Auto verliebten Land wie Deutschland sind die angebotenen Modelle einfach unattraktiv.

    Auch ein Manko: Es gibt zu viele unterschiedliche Ladeanschlüsse. Ein „normales“ Auto kann an jeder Tankstelle betankt werden. Hier sollte man sich auch bei E-Autos schnell um eine weltweit einheitliche Norm bemühen. Und es gibt auch eine nicht zu unterschätzende Gefährdung durch E-Autos wie ich in einem Rundfunkbeitrag erfahren habe. Lebensgefahr für Feuerwehrleute bei Unfällen mit E-Autos. Die Spannung der Akkus in E-Autos ist extrem hoch. Deshalb ist bei jedem Noteinsatz die sofortige Abschaltung des Akkus erforderlich. Dafür gibt es auch einen Notschalter. Aber auch hier gibt es keine Norm. Bei jedem Modell ist er an einer anderen Stelle (oft schwer) zu finden. Inzwischen werden für solche Notfälle Sonderlehrgänge bei Rettungskräften durchgeführt. Diese Lehrgänge machen jedoch nur Sinn, wenn möglichst viele Elektrofahrzeuge bei einer Übung vorhanden sind.

    Fazit: Die Entwicklung, Normierung und Serien-/Massenproduktion von reinen Elektrofahrzeugen steckt noch sehr in den Kinderschuhen. Besonders bei Nutzfahrzeugen. Erst wenn diese noch vorhandenen Unzulänglichkeiten der heutigen E-Fahrzeuge überwunden sind, eine Kosten mindernde Massenproduktion beginnen kann die zu erschwinglichen Preisen führen wird – erst dann wird auch das Kaufinteresse und die Kaufbereitschaft bei den Autofahrern steigen und somit auch die Zulassungszahlen. Deshalb war die „feierliche“ Eröffnung dieser Ladestation im Parkhaus am Bahnhof nichts weiter als eine PR-Aktion über die man nur schmunzeln kann. Insbesondere auch wegen der Parkgebühren ab 30 Minuten Ladezeit.

    Dennoch. Wenn es ein reines Elektroauto auf dem Markt gibt, dass meinen Ansprüchen entspricht, vom Preis her erschwinglich ist und mich visuell anspricht, würde ich ernsthaft über eine solche Anschaffung nachdenken.