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Verbesserungspotenzial für die Fahrradfahrer bietet zumindest aus Sicht der CDU die Schießgrabenstraße. Fotos: A./t&w
Verbesserungspotenzial für die Fahrradfahrer bietet zumindest aus Sicht der CDU die Schießgrabenstraße. Fotos: A./t&w

Radverkehrsituation Lüneburg: Viele gute Ansätze mit Luft nach oben

as Lüneburg. Platz 34 von insgesamt 100 Städten hat Lüneburg beim jüngsten ADFC-Fahrradklima-Test belegt (LZ berichtete). Ziel der Grünen ist es, die Radverkehrssituation weiter zu verbessern und damit auch bei der Platzierung weiter oben anzukommen, sagt Ulrich Blanck. Im Verkehrsausschuss hatte seine Fraktion die Verwaltung in einer Anfrage gebeten, die im Test bewerteten Stärken und Schwächen noch einmal zu beleuchten und Maßnahmen zur Verbesserung des Fahrradverkehrs zu erläutern. Blanck attestierte der Verwaltung nach deren Ausführungen, sie sei in wesentlichen Punkten dran. Seine Fraktionskollegin Claudia Schmidt begrüßte die Vorschläge „zutiefst“.

Bundesweit hatten im vergangenen Herbst rund 100000 Personen in 468 Kommunen an der ADFC-Umfrage teilgenommen. In Lüneburg waren es 196 (bei aktuell rund 74000 Einwohnern). Das spreche nicht unbedingt für ein repräsentatives Ergebnis, meinten Hubert Meißner (SPD) und Jens Kiesel (Rentner). Dennoch gebe es ein Stimmungsbild der aktiveren Radfahrer wider, meinen die Grünen, der Test besitze Aussagewert.

Michael Thöring, Radexperte der Stadt, verwies darauf, dass die Stadt mit der gleichen Note wie im Jahr zuvor abgeschnitten habe, doch die Ansprüche seien inzwischen gestiegen. Ein Drittel der Befragten sagen, dass Radfahren in Lüneburg Spaß mache. Als schlecht bewertet wurde die Breite der Radwege sowie deren Oberfläche, die Fahrradmitnahme in Bussen, dass die Ampelschaltungen nicht gut abgestimmt seien für Radler und die Stadt nicht genug für den Radverkehr werbe. Gute Noten gab es laut Thöring für die Radabstellanlagen (seit 2013 ergänzt zum Beispiel der kostenlose Radspeicher am Bahnhof das Angebot), das zügige Erreichen von Zielen in der Stadt, das Radfahren in beiden Richtungen in Einbahnstraßen sowie das Leihsystem Stadt-Rad. Was die Sicherheit beim Radeln angeht, gabs mittelmäßige Noten. Thöring machte deutlich, dass dabei die zahlreichen Baustellen in der Stadt ein Problem seien. Die Stadt werde an jene appellieren, die für die Einrichtung zuständig sind, dass diese die Sicherheit der Radfahrer berücksichtigen.

Verkehrsdezernent Markus Moßmann gab Beispiele dafür, was die Stadt in Sachen Radverkehr in den vergangenen zwei Jahren verbessert habe und wo sie weiter am Ball bleiben will. So soll unter anderem das Radverkehrskonzept fortgeschrieben werden. Lücken sollen geschlossen werden, dazu gehöre die Verbesserung der Situation Vor dem Neuen Tore. Gespräche mit den Verkehrsverbänden habe es dazu bereits gegeben. Auch mit diesen soll die Zusammenarbeit verstärkt werden. Die Stadt will ihre Pressearbeit in Sachen Radverkehr verbessern, sich außerdem 2016 an der bundesweiten Aktion des Klima-Bündnisses „Stadtradeln“ beteiligen.

Ulrich Mott vom ADFC, beratendes Mitglied im Ausschuss, nannte die Hinweise, die der Test gebe, hilfreich. „Wenn wir besser werden wollen, müssen wir noch einiges tun.“ Erstaunlich sei, dass sich die Bewertungen seit 2005 kaum verändert hätten, obwohl die Stadt eine Menge getan habe auch er sieht das als Hinweis auf gestiegene Ansprüche der Radfahrer. Er plädierte für ein großes, integriertes Konzept statt einzelner Maßnahmen.

Hubert Meißner glaubt: Bei solchen Umfragen meldeten sich immer eher die Meckerer. Die Stadt habe allein im vergangenen Jahr rund 800000 Euro in die Verbesserung der Radverkehrssituation investiert, und es gebe keine andere Stadt bundesweit, die mehr als 2000 Abstellmöglichkeiten am Bahnhof habe. „Wir sollten auf unserem Weg weitermachen.“ Auch Dr. Gerhard Scharf (CDU) findet, dass in den vergangenen Jahren viel getan wurde. Manche Kritik sei subjektiv. Aber es gebe auch Punkte, die angepackt werden müssten. Zum Beispiel die Radwege-Situation an der Schießgrabenstraße oder die auch von der Verwaltung zitierte Straße Vor dem Neuen Tore. Kritik übte er an dem Radfahrstreifen, der auf der Dahlenburger Landstraße in einem Teilabschnitt bereits errichtet wurde. Der gehört für Ulrich Blanck (Grüne) zu den positiven Punkten, „professionelle Radfahrer“ würden ihn gut annehmen.

Für Michèl Pauly (Linke) hätte der Radfahrstreifen auf die andere Seite der Dahlenburger Landstraße gehört, auf der man derzeit abwärts radelnd zwischen Laternen und Autotüren eingeklemmt sei. Lobenswert seien das Leihradsystem sowie die zahlreichen Abstellmöglichkeiten am Bahnhof. Mehr getan werden müsse dafür, dass Radler sich ernst genommen fühlen. Münster und Göttingen seien Lüneburg da voraus. Moßmann, selbst passionierter Radfahrer, gibt zu bedenken: In Münster sei die Kultur fürs Radeln bereits über Jahrzehnte gewachsen.

One comment

  1. Marco Hoffmann

    Am kommenden Freitag kann sich, wie jeden Monat, jede(r) Radfahrende selbst davon überzeugen, WO sie oder er in Lüneburg am zügigsten und vor allem am sichersten fährt – bei der Critical Mass ab 18:00 Uhr am Clamartpark. http://www.criticalmass-lueneburg.de