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Zwei jungen Bäume, die im Wald bei Deutsch Evern gepflanzt wurden. Insgesamt kamen in diesem Jahr schon 21 000 Setzlinge in den Boden. Foto: be
Zwei jungen Bäume, die im Wald bei Deutsch Evern gepflanzt wurden. Insgesamt kamen in diesem Jahr schon 21 000 Setzlinge in den Boden. Foto: be

Stadtforst Lüneburg: Es wird gesägt und gepflanzt

rast Lüneburg. Mitte März wurde der letzte Baum fürs Frühjahr 2015 im Stadtforst Lüneburg gefällt, normalerweise bleiben in dem rund 1600 Hek­tar großen Waldareal die Motorsägen bis zum Ende der Brut- und Setzzeit Mitte Juli stumm. Doch in diesem Jahr sieht es anders aus: Die Mitarbeiter beginnen jetzt mit der sogenannten Sturmholzaufarbeitung, sie beseitigen die Schäden, die die schweren Stürme im Dezember, Januar und Februar angerichtet haben. Wie viele Bäume tatsächlich umgekippt sind, kann Michael Stall, Forstwirtschaftlicher Leiter der Stadt, nicht genau sagen: „Ich gehe aber von 2000 Festmetern Holz aus, das ist etwa ein Viertel des normalen jährlichen Holzeinschlags.“

Der Holzeinschlag, also die Fällung von Bäumen, ist das, was die Bevölkerung mitbekommt, weiß Stall: „Aber das ist nur ein ganz kleiner Teil unserer Arbeit.“ Seit 1977 betreibt Lüneburg nach strengen Vorgaben die naturgemäße Waldwirtschaft, wirkt auf der gesamten Fläche gleichermaßen für den Naturschutz und nach forstwirtschaftlichen Gesichtspunkten: „Wir betreiben quantitative Nachhaltigkeit, indem wir nur so viele Bäume fällen wie neu gewachsen sind. Und qualitative Nachhaltigkeit durch die Einschlagspause bis Mitte Juli in einer äußerst sensiblen Zeit für die Natur.“ Seit 1977 seien rund zwei Millionen Setzlinge gepflanzt worden: „Nach einer Ausschreibung für regionale Baumschulen wurden auch in diesem Jahr wieder rund 21000 Bäumchen gepflanzt, im Herbst folgen noch einmal etwa 13500.“

Seit zehn Jahren werden im Lüneburger Forst nur noch Laubbäume, keine Nadelbäume mehr gepflanzt. Der Förster: „In den Altbeständen haben wir 65 Prozent Nadelbäume, und die verjüngen sich selbst.“ Sie vermehren sich also quasi von selbst. In diese Nadelwald-Bereiche setzt das Forstamt die jungen Laubbäume, will so überall den Mischwald forcieren: „Wir tun das mit der Überzeugung, dass letztlich im Hinblick auf die Klimaveränderung mit allen Folgen der ökologisch am besten angepasste Wald zugleich auch ökonomisch erfolgreich sein wird.“

Bei Neupflanzungen legt der Stadtförster Wert auf heimische Gewächse: „Wir pflanzen zu 80 bis 85 Prozent Buchen.“ Zunächst werden andere Bäume gefällt, um Licht zu schaffen, dann das Reisig weggeräumt und mit einer Maschine der Mineralboden freigelegt. Danach werden Zäune um das Areal gezogen, Stall: „Damit das Wild die Setzlinge nicht auffrisst. Jeder Zaun bleibt fünf bis zehn Jahre stehen, dann können die Spitzen der Bäume nicht mehr angefressen werden.“ Die Bäume würden dann 100 bis 150 Jahre alt, bevor sie genutzt, sprich geerntet werden.

Während Baumfällungen und Neuanpflanzungen der Bevölkerung in den Wäldern kaum auffallen, gibt es in Wohngebieten häufig schnell Kritik, wenn nur ein einziger Baum gefällt wird, weiß Michael Stall: „So beispielsweise, als wir am Amselweg zehn alte Eschen fällen mussten. Anwohner dachten an einen Kahlschlag, der etwas mit dem neuen Wilschenbrucher Baugebiet zu tun haben könnte.“ Doch die Bäume waren krank, Verursacher für das sogenannte Eschentriebsterben war der Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus. Hier beruhigt der Stadtförster die Anwohner: „Wir haben dort inzwischen 50 Buchen und 50 Eichen gepflanzt.“