Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Deutsch Evern: 24-Stunden-Zählung soll Belastung an Bahngleisen dokumentieren
Ines Behrens wohnt in unmittelbarer Nähe der Bahnschienen, die durch Deutsch Evern führen. Mit Plakaten macht sie an der Kreisstraße 37 deutlich: Zwei Gleise sind genug! Foto: t&w
Ines Behrens wohnt in unmittelbarer Nähe der Bahnschienen, die durch Deutsch Evern führen. Mit Plakaten macht sie an der Kreisstraße 37 deutlich: Zwei Gleise sind genug! Foto: t&w

Deutsch Evern: 24-Stunden-Zählung soll Belastung an Bahngleisen dokumentieren

emi Deutsch Evern. Wenn ein Güterzug durch Deutsch Evern fährt, wackeln in Ines Behrens Wohnzimmer die Gläser in der Vitrine. Ihr Haus liegt nur rund 50 Meter hinter dem Wall, der ihre Wohnsiedlung vor den Bahngleisen abschirmt. „Wir können nicht bei offenem Fenster fernsehen“, sagt die 46-Jährige. „Wenn sich die Anzahl der Züge verdoppelt, werden wir kaum noch im Garten sitzen können.“ Schon heute sollen bis zu 350 Züge pro Tag über die Schienen im Ort rollen. Jetzt will die Bürgerinitiative (BI) „Deutsch Evern 21“ die genaue Zahl ermitteln. Bei einer 24-Stunden-Zählung machte sie derzeit darauf aufmerksam, wie groß die Belastung der Anwohner bereits ist.

Wie berichtet, will die Bahn ihr Schienennetz im Norden erweitern, um die steigenden Gütermengen aus den Häfen abfahren zu können. Aktuell ist unter anderem im Gespräch, die bereits bestehende Strecke Hamburg-Hannover auszubauen. Die Variante lässt andernorts Bürgerinitiativen jubeln, den Bürgern Deutsch Everns treibt sie die Sorgenfalten ins Gesicht: Führen derzeit noch zwei Gleise mitten durch ihren Ort, könnten es künftig bis zu vier sein. Der Widerstand in der knapp 4000-Einwohner-Gemeinde wächst.

Wie viele Züge schon jetzt durch Deutsch Evern rauschen, dokumentierten 26 Freiwillige in je Zwei-Stunden-Schichten zwischen Montag um 6 Uhr und Dienstag um 6 Uhr: Immer zwei BI-Mitglieder führten penibel darüber Strichliste, wie viele Güterzüge, Erz-Güterzüge, Metronomwagen und ICE unter der Brücke der Kreisstraße 37 hindurchfahren.

Nach sieben Stunden stehen insgesamt knapp 100 Züge auf Hugo Benz Liste. Nicht wenige, aber weniger als angenommen. Als Grund vermutet der 78-Jährige die Stellwerkstörung zwischen Bad Bevensen und Bienenbüttel, die in den Morgenstunden von 3 bis 8 Uhr den Fahrplan durcheinanderwirbelte. In der darauffolgenden Zählschicht von 8 bis 10 Uhr sei mit 31 Zügen auch prompt ein Anstieg registriert worden.

Für Michael Hansen ist schon jetzt eine Grenze erreicht: „Wir haben uns ausgesucht, an zwei Gleisen zu wohnen“, sagt der BI-Sprecher, „daran haben wir uns gewissermaßen gewöhnt.“ Aber die doppelte Dosis sei „unmenschlich“. Die Forderung seiner BI: „Wir wollen, dass die Lasten gleichmäßg verteilt werden, dass nicht da, wo ohnehin schon eine Belastung ist, noch mehr oben drauf gepackt wird.“

Auch Bürgermeister Hubert Ringe will verhindern, dass ein weiteres Gleis gebaut wird. Nicht nur wegen des Lärms und der Erschütterungen. Sondern auch, weil der Ausbau hauptsächlich nachts stattfinden müsste — und so weitere Belastungen mit sich bringen würde.

Die Deutsch Everner wollen weiter ihren Widerstand zeigen. Derzeit ist eine Unterschriftenliste im Umlauf, in die sich laut BI-Sprecher Hansen schon mehr als 200 Bürger eingetragen haben. Weitere Aktionen sind geplant. Der Protest der Bürger kam spät — er steht noch ganz am Anfang.