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Foto: A/t&w
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Ein Mangel an Tiefe – Ehemalige Studenten bewerten ihre Zeit an der Lüneburger Universität + + + Mit Grafik

mm Lüneburg. So richtig zufrieden sind sie nicht — die ehemaligen Studenten der Leuphana Universität Lüneburg. Das zeigt eine uni-interne Studie, die der LZ vorliegt.

Es gebe wenig Praxisbezug, einen Mangel an Tiefe in einzelnen Fächern und negative Effekte durch die Neuordnung, sind einige Kritikpunkte der Befragten, die ihren Abschluss zwischen dem Sommersemester 2009 und dem Wintersemester 2011/12 erhielten, teils also noch vor dem Zusammenschluss von Uni und FH an die Hochschule kamen. Eine besondere Situation: „Das Studium dieser Kohorte fiel mitten in den Fusions- und Transformationsprozess, der sowohl für Lehrende als auch Studenten aufgrund der schwierigen Rahmenbedingungen herausfordernd war“, sagt Professor Markus Reihlen, Vizepräsident an der Leuphana. Neben der Kritik gibt es aber auch Lob.

Die Befragung der Ehemaligen (Alumni) lag im Zeitraum von Juni bis Oktober 2014. Dafür wurden 4830 Anschreiben verschickt. Ex-Bachelor- und Masterstudenten sowie Absolventen mit Diplom und Magister antworteten, insgesamt 944. „Die Befragung ist eines von vielen Instrumenten, die eingesetzt werden, um die Qualität in Studium und Lehre zu verbessern“, erklärt Reihlen.

Die Uni muss nun Kritik aufnehmen, die zum Beispiel von Lehramtsstudenten vorgebracht wurde. Von ihnen hätten sich viele eine stärkere Vorbereitung auf den Schulalltag und Umgang mit schwierigen Situationen und Schülern gewünscht. Auch Studenten anderer Fakultäten fehlte der Praxisbezug im Studium. Kritisiert wird auch die Neuordnung nach Verschmelzung von Uni und FH zur Leuphana. Besonders von „alten“ Magister- und Diplomstudenten sowie Studenten auslaufender Studiengänge. Sie sahen sich benachteiligt durch „eingeschränkte Wahl- und Studienmöglichkeiten“. Manche Ehemalige beklagen auch eine „mangelnde Tiefe und wenig Fachkenntnisse am Ende des Studiums“, diese Faktoren kämen durch das Leuphana-Semester und das Komplementärstudium „zu kurz“. Professor Reihlen sagt: „Anhand der Informationen diskutieren wir mit den Studiengangsleitern, inwiefern die einzelnen Studienabschlüsse den Anforderungen des Arbeitsmarktes gerecht werden.“

Es wird auch gelobt: Wie der persönliche Kontakt zu Lehrenden, kleine Gruppengrößen und ein gutes Betreuungsverhältnis. Genauso heben die Befragten hohe Interdisziplinarität, das breite Veranstaltungsangebot und den grünen Campus hervor. Überzeugt haben sie auch die zahlreichen studien­unterstützenden und Freizeit-Angebote an der Universität, etwa die Bibliothek und der Hochschulsport.

Was trifft auf Ihre aktuelle Lebenssituation zu (Mehrfachantworten möglich)" lautete die Fragestellung. Von 1000 Befragten gaben in diesem Fall 904 Teilnehmer eine gültige Antwort ab.
Was trifft auf Ihre aktuelle Lebenssituation zu (Mehrfachantworten möglich)“ lautete die Fragestellung. Von 1000 Befragten gaben in diesem Fall 904 Teilnehmer eine gültige Antwort ab.

2 Kommentare

  1. Werner Schneider

    Der Senat spürt die fehlende Qualität: Der Vorsitzende des Stiftungsrates wurde mit nur einer Stimme wiedergewählt.

    • Helm Stöcking

      Ums „Spüren“ geht es nicht. Da handelt es sich um Tatsachen. Was sich nicht in Quantitäten ausdrücken und sich nicht mit Reklamelärm und dem Taschenspieleranschein von „Objektivität“ zum Anzapfen politischer und „wirtschaftsnaher“ Geldquellen nutzen lässt, hat keine Bedeutung. Kurz, „Qualität“ hat keine Bedeutung.

      Das hat ganz elementar mit dem CHE-Programm der Bertelsmann Stiftung zu tun, das nicht nur in Lüneburg, aber in Lüneburg mit besonderem Streberehrgeiz und mit viel Sinn für die finanziellen Prämien des Klassenbesten, so gut wie vollständig durchgesetzt wurde: ein Zehn-Punkte-Programm, das von der Modularisierung der Studiengänge über die leistungsbezogenen Bezahlungen der W- Professuren bis hin zur Digitalisierung der Lehre Vorschläge gemacht hat, die im Konsortium von Wissenschaftsrat, Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Kultusministerien umgesetzt wurden. Und zwar mit dem zentralen Ziel, auf allen möglichen Ebenen der Universität Wettbewerbskonstellationen zu forcieren.

      Das wiederum hat zum Kennzahlenwahn geführt, wie er die Leuphana besonders krass durchherrscht. Vielleicht kann man über effizienz- und quantitätsorientierte Kriterien Faulheit und Fleiß noch unterscheiden – nur zeigt sich sehr schnell, dass Fleiß und Qualität mitnichten identisch sind. Die Kennzahl ist aber zum Evaluierungsfetisch geworden, was nun seinerseits Hypertrophien erzeugt: Unmengen von drittmittelgeförderten Konferenzen und Publikationen, die die Welt nicht braucht, den riesigen Überschuss an Schmalspurdoktoranden und -postdoktoranden, für die nicht die mindeste Aussicht besteht, im Universitätsbetrieb oder an anderen ihrer Qualifikation entsprechenden Orten unterzukommen.

      Vieles Kranke, für das die Leuphana eines der grellsten Beispiele darstellt, ist sehr gut im folgenden LZ-Artikel (und den beiden Leserkommentaren darunter) beschrieben:

      http://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/238351-mehr-qualitaet-mehr-zeit-juergen-kaube-und-die-krise-des-bildungssystems