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Die Geschichte der Bardowicker Mühle stand im Mittelpunkt des zweiten Beitrags der Vortragsreihe zur Geschichte des Domfleckens organisiert vom Kulturraum und Windmühlenverein. Referent war der Betreiber selbst: Müllermeister Eckhard Meyer (r.). Foto: A/t&w
Die Geschichte der Bardowicker Mühle stand im Mittelpunkt des zweiten Beitrags der Vortragsreihe zur Geschichte des Domfleckens organisiert vom Kulturraum und Windmühlenverein. Referent war der Betreiber selbst: Müllermeister Eckhard Meyer (r.). Foto: A/t&w

Das Knarzen der Flügel – Müllermeister berichtet über die Geschichte der Bardowicker Mühle

sel Bardowick. Dank Napoleon konnte 1813 nach Jahrhunderten der Querelen mit der Stadt Lüneburg eine Windmühle in Bardowick errichtet werden. Ausgerechnet von einem Lüneburger. Der zwar Johann Friedrich Meyer hieß, mit der heutigen Betreiberfamilie Meyer aber nicht verwandt war. Aus Gnatz hatte sich Meyer, der Pächter der Lüneburger Rathsmühle war, nach Bardowick orientiert, denn der Rat der Stadt Lüneburg hatte ihm die Pacht nicht über Martini (11. November) 1812 hinaus verlängert, sondern einem Konkurrenten den Vorzug gegeben.

Meyer aber nutzte die Gunst der Stunde und die Gewerbefreiheit. Die hatte, ebenso wie den „code civil“, Napoleon Bonaparte in seinem Kaiserreich eingeführt — und dazu gehörten damals auch Bardowick und Lüneburg. Eckhard Meyer, heutiger Eigentümer und Betreiber der Bardowicker Mühle, informierte in einem launigen und kurzweiligen Vortrag über die bewegte Geschichte der Bardowicker Mühle, die seit 1907 von der ursprünglich aus Handorf stammenden Müllerfamilie Meyer betrieben wird.

„Schon als Junge war die Mühle deine große Leidenschaft. Oft bist du nach ganz oben geklettert und hast über die Bardowicker Felder geschaut“, stellte Anke Warnecke, Vorsitzende des Kulturraumes Bardowick einleitend fest. Gemeinsam mit dem Windmühlenverein und dessen Vorsitzenden Bernd Wald hat sie die Vortragsreihe ins Leben gerufen. Und die erweist sich als großer Erfolg, auch am vergangenen Freitagabend war das Gildehaus sehr gut besucht. Meyer berichtete von zahlreichen Versuchen, in Bardowick eine Mühle zu erbauen, der erste datiert nachweislich aus dem Jahr 1624. Immer konnten die Lüneburger das Ansinnen verhindern und ihre drei Mühlen — die Lüner, die Abts- und die Rathsmühle somit vor der vermeintlichen Konkurrenz aus dem Nachbarort schützen. Immer wieder beriefen sie sich dabei auf ihr Privilegium aus dem 14. Jahrhundert. Auch als Napoleon besiegt und seine Errungenschaften wie die Gewerbefreiheit wieder abgeschafft worden waren, beharrten sie auf den sofortigen Abriss der Bardowicker Mühle. Aber dieses Mal konnte sich der Ex-Lüneburger Meyer mit Unterstützung des Fleckens und pfiffiger Argumentation durchsetzen und erhielt im November 1814 die Konzession zum Mühlenbetrieb — allerdings musste er sich verpflichten, jährlich einen erheblichen Fruchtzins an das Stift Nikolai abzuführen. Drei Konkurse und acht Pächter später übernehmen Ella und Georg Meyer aus Handorf, die Urgroßeltern von Eckhard Meyer, die Holländermühle am Ortsrand Bardowicks. 1942 lösten Meyers Großeltern den Fruchtzins ab — gegen die Zahlung von 1200 Reichsmark. Dass Großvater Meyer mit den neuen Machthabern wenig am Hut hatte, tat er mutig und weithin sichtbar kund: Er malte die Flügel der Windrose in den Kaiserfarben schwarz-weiß-rot an. Aber gegen die Mühlen der Verwaltung konnte er Jahre später nichts ausrichten. Der Krieg und vor allem die „Polenzeit“ hatten die Mühle in einem „desolaten Zustand“ hinterlassen. Meyer bat die öffentliche Hand um finanzielle Unterstützung der bereits damals unter Denkmalschutz stehenden Windmühle — ohne Erfolg. Als Folge entfernte er 1952 den Windantrieb, betrieb sie fortan elektrisch.

Das sollte so bleiben, bis Eckhard Meyer einen Ausflug zu einer ostfriesischen Windmühle unternahm. „Beim Knattern und Knarzen der Flügel im Wind wurde mir ganz warm ums Herz“, erinnert er sich. Und diesmal gab es Zuschüsse, um das Schmuckstück wieder windgängig zu machen. Um die hohe Versicherungssumme aufbringen zu können, wurde 1994 eigens der Windmühlenverein gegründet, sodass sich die Bardowicker Mühlenflügel seit gut 20 Jahren wieder im Wind drehen. „Ich habe mir damit einen Traum erfüllt“, bekannte Meyer. Sicher auch vielen anderen Bardowickern und Mühlenfans.

Am Donnerstag, 17. September, wird die Vortragsreihe im Gildehaus fortgesetzt. Dr. Ulfert Tschirner wird über den Götzen von Bardowick und weiteren Berührungspunkten der Lüneburger und Bardowicker berichten. Los geht es um 19 Uhr; der Vortrag ist kostenlos.