Aktuell
Home | Lokales | Angler verlieren die Geduld – Landesverband tagt in Bardowick
Naturschützer und Politiker im Gespräch (v.l.): Helmut Damman-Tamke (Präsident der Landesjägerschaft),  MdL Andrea Schröder Ehlers (SPD), Landwirtschaftsminister Christian Meyer und Werner Klasing, Präsident des Sportfischerverbandes. Foto: t&w
Naturschützer und Politiker im Gespräch (v.l.): Helmut Damman-Tamke (Präsident der Landesjägerschaft), MdL Andrea Schröder Ehlers (SPD), Landwirtschaftsminister Christian Meyer und Werner Klasing, Präsident des Sportfischerverbandes. Foto: t&w

Angler verlieren die Geduld – Landesverband tagt in Bardowick

kre Bardowick. Angeln ist ein Sport für ruhige Zeitgenossen. Ungeduld, Hektik und Getöse sind für den Fangerfolg eher kontraproduktiv. Aber vielleicht ist gerade das zurückhaltende Naturell der Petri-Jünger der Grund dafür, dass ihre Interessen nach eigener Einschätzung in der Öffentlichkeit noch nicht so richtig wahrgenommen werden — und das, obwohl der Landessportfischerverband Niedersachsen mit rund 87000 Anglern in mehr als 330 Vereinen der größte Naturschutzverband in Niedersachsen ist. Doch die Angler wollen nicht mehr länger ruhig sein, sie wollen sich Gehör verschaffen. So wie am Sonntag bei der Landesdelegiertenversammlung im Bardowicker Schützenhaus. Mit Christian Meyer (Grüne) nahm erstmals auch ein amtierender Landwirtschaftsminister an der Tagung teil. Und die Delegierten nutzten die Chance und sagten dem Minister, was aus ihrer Sicht schiefläuft im niedersächsischen Gewässerschutz, bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie.

Ob freundlich formulierte Worte oder ernst gemeint — am Rednerpult outete sich der grüne Landwirtschaftsminister erst einmal ,,als großer Freund des Angelsports“: „In meiner Jugend war ich kurz davor, selbst einen Angelschein zu machen.“ Die Probleme der Petri-Jünger sieht Christian Meyer aber durchaus: Ein Nachtangel-Verbot, wie in Baden-Württemberg erlassen, ,,wird es mit mir nicht geben“, betonte der Minister in seinem Grußwort, im Gegenteil: Die Reinhaltung der Gewässer sei auch sein Anliegen, ,,Natur erleben, Natur nutzen und schützen“ seine Maxime. So, wie der Landessportfischerverband das praktiziere.

Und trotzdem fühlen sich die Angler bei dieser Aufgabe von der Politik immer mehr eingeengt: ,,Die Sichtweise des Naturschutzes wird von einseitigen ideologischen Ansichten bestimmt“, kritisierte Werner Klasing, der Präsident des Landessportfischerverbandes: ,,Man will uns Angler rausschmeißen, uns aussperren und übergehen. Einfach so“, machte Klasing seinem Ärger Luft. Denn was die Angler mit Sorge beobachten, sind die Musterverordnungen, ,,die an uns vorbei auf den Weg gebracht werden und die das Angeln selbst massiv einschränken oder gar generell verbieten sollen“, befürchtet Klasing. So habe zum Beispiel der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) sogenannte Arbeitshilfen zur Sicherung von Natura-2000-Gebieten, also besonderen Schutzgebieten, geschaffen. Danach sollten künftig der Besatz der Gewässer nur noch mit Zustimmung der Naturschutzbehörden, ein Anfütterverbot und selbst das kritisierte Nachtangelverbot eingeführt werden. Die Angler kündigen deshalb schon Widerstand an: „Diese Arbeitshilfen widersprechen dem Niedersächsischen Fischereigesetz“, warnte Klasing, der befürchtet: „Offensichtlich sollen die Angelei und die Jagd sukzessive durch die Hintertür von Behördenseite unterbunden werden. Genauso, wie die nachhaltige Nutzung der Natur und die bestehenden Eigentumsrechte.“ Das aber werde man sich nicht bieten lassen.

Vertreter des Landessportfischerverbandes, des Landesfischereiverbandes Weser Ems, der Landesjägerschaft und des Zentralverbandes der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen haben sich deshalb mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und weiteren Vertretern der Landesregierung getroffen, um ihre Positionen deutlich zu machen. Gemeinsam vertreten diese vier Verbände nahezu 500000 Mitglieder.

Und zu besprechen gab es vieles: Mehr als 200 landwirtschaftliche Unfälle mit Folgen für Gewässer hatten die Angler alleine in den vergangenen Jahren registriert. Auch die Einleitungen des Kali-Herstellers „K+S“ in die Weser ist für die Angler nicht länger tolerierbar. Eine weitere Forderung des Landessportfischerverbandes: Die Überprüfung sämtlicher Fischwanderhilfen auf ihre Funktionstüchtigkeit. ,,Es ist offensichtlich, dass Bund und Länder, die Ministerien und die angeschlossenen Behörden mit der Umsetzung der Qualitätsziele der Wasserrahmenrichtlinie vor gewaltigen Aufgaben stehen“, ist Klasing überzeugt.

Sorge um Ilmenau
Die Ilmenau gilt als einer der wertvollsten und artenreichsten Niederungsflüsse in Niedersachsen. Flussab von Bienenbüttel beherbergt sie das größte bekannte Vorkommen der Flussperl-Muschel in ganz Europa. Und doch entwickelt sich das Gewässer zum Sorgenkind:
Wie berichtet, will sich der Bund, zuständig für Bundeswasserstraßen wie die Ilmenau, aus der Unterhaltung der teilweise historischen Wehre im Verlauf des Flusses zurückziehen. Folgen dieser Entscheidung sind jetzt schon an Gebäuden, in der Natur und in der Landwirtschaft sichtbar: Seit Jahren sinkt der Wasserstand der Ilmenau, was ebenfalls eines der Themen während der Delegiertentagung des Landessportfischerverbandes war. „Der Grundwasserspiegel wird sinken, Feuchtwiesen, Tümpel und Altarme trockenfallen“, warnen daher schon jetzt die Experten. kre