Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Künftig dürfen Windkraftanlagen zwar nicht mehr so dicht an die Bebauung gesetzt werden wie in Südergellersen, für Unruhe im Dorf sorgt das neue Vorranggebiet dennoch. Foto: uk
Künftig dürfen Windkraftanlagen zwar nicht mehr so dicht an die Bebauung gesetzt werden wie in Südergellersen, für Unruhe im Dorf sorgt das neue Vorranggebiet dennoch. Foto: uk

Gegenwind aus Südergellersen

uk Südergellersen. Für den Landkreis Lüneburg ist es ein Meilenstein in Sachen Energiewende: Mit großer Mehrheit stimmte der Kreistag vergangene Woche der Änderung des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) zu und legte damit insgesamt acht Vorranggebiete für Windenergie im Landkreis Lüneburg fest. Für Südergellersen eher ein schwarzer Tag. So empfinden es jedenfalls etliche Bürger, die ihren Unmut über die Windplanung bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates deutlich äußerten. Denn: Mit 107 Hektar Fläche zählt das Vorranggebiet Wetzen/Oerzen/Südergellersen mit zu den größten ausgewiesenen Standorten.

Bürger fürchten, dass statt der bisher sieben Windräder auf Gemeindegebiet demnächst Dutzende bis zu 200 Meter hohe Anlagen die Landschaft prägen werden. Rat und Verwaltung wollen der Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Gleich mehrere Punkte auf der Tagesordnung des Rats beschäftigten sich daher mit möglichen Strategien gegen die Windpläne des Kreises. Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU) machte deutlich, dass er sich mehr Solidarität mit Südergellersen aus der Politik gewünscht hätte: „Das Abstimmungsverhalten der Gellerser im Kreistag war enttäuschend.“

Da die Vorrangfläche sich über das Gebiet von drei Gemeinden, nämlich Oldendorf, Embsen und Südergellersen erstreckt, sind die Einflussmöglichkeiten der Südergellerser ohnehin sehr beschränkt. In die Planung eingreifen kann die Gemeinde einzig über den Bebauungsplan und dieses Instrument will sie nutzen: Einstimmig fasste der Rat den Aufstellungsbeschluss für die erste Änderung und Erweiterung des Bebauungsplans Drögennindorfer Weg, der das Gebiet der heutigen sieben Windkraftanlagen südlich des Dorfes umfasst. „Das Gebiet ist zwar durch Windräder schon vorgeprägt, aber es dient auch der Erholung“, sagte Bürgermeister Gärtner, „wir wollen, dass die Belange der Gemeinde berücksichtigt werden, bevor das RROP rechtskräftig wird.“

Die Südergellerser haben reichlich Erfahrung mit Windkraftanlagen. So beklagen Anwohner schon seit Jahren die Geräuschentwicklung der Rotoren, die in rund 400 Metern Entfernung vom Dorf Windstrom produzieren.

Mit dem erforderlichen Mindestabstand von nunmehr 1000 Metern zur Wohnbebauung können künftige Anlagen zwar nicht mehr so dicht wie bisher an den Dorfrand gesetzt werden, der Mehrheit des Rates reicht das jedoch nicht: Daniel Weber (FDP) brachte eine Resolution gegen den Windkrafterlass des Landes ein und forderte darin einen Mindestabstand vom zehnfachen der Gesamthöhe einer Anlage.

Bei einem heute üblichen 200-Meter-Windrad wären das zwei Kilometer. Die Grünen Angela Kopff-Fuhrberg und Malte Fuhrberg stimmten dagegen: „Dann dürfte im Landkreis kaum noch eine Anlage errichtet werden, und wir könnten die Atomkraftwerke gleich wieder anschalten“, sagte Malte Fuhrberg. Der mehrheitlich beschlossene Resolutionstext soll nun den hiesigen Landtagsabgeordneten zugehen.

Nicht weiter verfolgen will die Gemeinde die Option, ein Normenkontrollverfahren gegen das RROP anzustrengen. Rund 20000 Euro Prozesskosten allein für die erste Instanz vor dem Oberverwaltungsgericht kämen damit auf die Gemeinde zu, teilte Gärtner mit. Ob es gelänge, dem Kreis Abwägungsfehler bei der Südergellerser Fläche nachzuweisen, sei zudem unsicher. Angesichts von Kosten und Risiko sprach sich der Rat einstimmig gegen den Klageweg aus.

Eine gute und eine schlechte Nachricht hatte Gärtner schließlich zum Thema Straßenzustand: Die Schlaglöcher in der Kreisstraße 10 in Südergellersen sollen in den Sommermonaten geflickt werden. Vor Heiligenthal auf der K36 bleibt die Holperstrecke dagegen erhalten. Erneute Gespräche mit der Straßenbaubehörde wegen der laut Gärtner „desaströsen Sanierung“ hätten zu keinem Ergebnis geführt, teilte der Bürgermeister mit.