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Der Rosetten-Schmuck am Schloss Bleckede ist ein Thema der rund einstündigen Führung zum bundesweiten Fachwerktag. Viele Mitgliedsstädte feiern am Sonnabend den 25. Geburtstag der Deutschen Fachwerkstraße und den 40. der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte. Foto: cw
Der Rosetten-Schmuck am Schloss Bleckede ist ein Thema der rund einstündigen Führung zum bundesweiten Fachwerktag. Viele Mitgliedsstädte feiern am Sonnabend den 25. Geburtstag der Deutschen Fachwerkstraße und den 40. der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte. Foto: cw

Geschichte, Aufbau und Schmuck der Fachwerkhäuser

emi Bleckede. Eine rund einstündige, kostenlose Führung durch die historische Innenstadt findet am Sonnabend, 13. Juni, in Bleckede statt. Hintergrund ist der 25. Geburtstag der Deutschen Fachwerkstraße, der in vielen Mitgliedsstädten entlang der Strecke von der Elbe bis zum Bodensee gefeiert wird. Der Rundgang durch Bleckede beginnt am Sonnabend um 14.30 Uhr auf dem Schlosshof. Stadtführerin Thekla Haul wird dabei auf verschiedene Fachwerkbauten von Elbschloss bis Ackerbürgerhaus eingehen.

Die LZ hat vor dem bundesweiten Aktionstag mithilfe von Günther Reimers vom Museumsdorf Hösseringen einige Fakten über Geschichte, Aufbau, Schmuck der Fachwerkgebäude in und um Lüneburg zusammengetragen.

Anfänge
Vor allem in den Städten Mitteleuropas ist der Fachwerkbau im Mittelalter schon ausgereift. Um das 14. Jahrhundert herum ist überall noch der Bohlenbau üblich, das heißt, das Fachwerkgerüst wird mit zusammengefügten Brettern ausgefüllt. An einigen alten Speichern in der Lüneburger Heide ist diese Bauweise bis heute erhalten geblieben.

Als die Städte immer mehr und größer werden und der Schiffbau immer bedeutender wird, versucht man zunehmend, holzsparender zu bauen. Im 15. und 16. Jahrhundert ist der Bohlenbau in den Städten schon weitgehend verdrängt. Statt mit Holz werden die Ausfachungen zwischen den Holzbalken nun mit Lehm aufgefüllt. In den Städten benutzt man auf den sichtbaren Hausseiten auch Backstein oder Ziermauerwerk.

Aufbau
Früher muss ein neues Fachwerkhaus oft zügig — das heißt, innerhalb eines Jahres — errichtet werden, weil das alte verbraucht oder abgebrannt ist. In dem Winter vor Baubeginn wird in der Regel das Holz geschlagen und anschließend bearbeitet. Dann wird das Gebäude auf den Zimmereiplätzen in den Städten abgebunden, das heißt, die Wände werden im Liegen zusammengebaut und durchnummeriert. Schließlich wird die Holzkonstruktion zerlegt, transportiert und vor Ort anhand der Nummern wieder zusammengefügt. Anschließend folgt das Richten, das Haus-Aufstellen — je nach Hausgröße eine Aktion von zwei bis drei Tagen. Wenn das Dach fertig ist, kann das Ausfachen beginnen.

Holzkonstruktion
Eine wichtige Rolle spielen in der Fachwerkbauweise die Ständer, die senkrechten Holzbalken, die auf einer Schwelle stehen. In die Schwelle werden alle Ständer eingesetzt. Die einzelnen Ständer sind mit Riegeln verbunden — das sind waagerechte Holzbalken, die zwischen den senkrechten Hölzern sitzen.

Der obere, waagerechte Abschluss der Holzrahmenkonstruktion ist der Rähm, das Gegenstück zur Schwelle unten. Die Schwelle ist immer aus Eichenholz, der Rähm kann auch aus Weichholz sein. Damit das Gerüst nicht umfällt, sind schräg verlaufende Balken als Stützen zwischen Ständern und Riegeln angebracht. Diese Streben werden als Schmuck auch in Kreuzform ausgeführt. Man nennt das auch Andreaskreuz.

Schmuck
Am zur Straße gelegenen Schaugiebel zeigen die Bewohner, was sie sich leisten können. Manchmal werden Fratzen am Türsturz angebracht, sie dienen im 17. Jahrhundert auf dem Land als Bannzauber gegen Böses, Krankheit und Diebe. Köpfe, Masken und Fratzen sind in den Städten aber auch einfach nur schmückendes Detail, zum Teil integriert in Fächerrosetten. Deren Ursprung wird sowohl in klassischen Muschelformen vermutet, aber auch in Symbolen für die Sonne.

Ende der Fachwerkbauweise
Im 19. Jahrhundert dringt der massive Bau auch am Land vor, in der Stadt gibt es ihn schon früher. Die Außenwände werden nur noch mit Stein gebaut, das Holz verliert für Fassade und Außengestaltung an Bedeutung.