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Der Elbe-Seitenkanal profitiert auch vom Niedrigwasser der Elbe. Hier warten Binnenschiffe im Oberhafen des Schiffshebewerks Scharnebeck auf die Weiterfahrt. Foto: phs
Der Elbe-Seitenkanal profitiert auch vom Niedrigwasser der Elbe. Hier warten Binnenschiffe im Oberhafen des Schiffshebewerks Scharnebeck auf die Weiterfahrt. Foto: phs

Ebbe in der Elbe sorgt für einen vollen Kanal

dth Lüneburg/Uelzen. Die Elbe führt aktuell sogar für diese Jahreszeit ungewöhnlich wenig Wasser. Auf dem Strom ist damit die ohnehin geringe Frachtschifffahrt zum Erliegen gekommen. Noch mehr Binnenschiffe nehmen die Route über Elbe-Seiten- und Mittellandkanal. Die künstlichen Wasserstraßen verzeichneten bei der transportierten Gütermenge bereits im Mai neue Rekordwerte. Die Tonnage dürfte dieser Tage im Vergleich zu den Höchstständen im Vorjahresmonat noch weiter steigen. Fahrgastschiffe und Fähren hingegen haben mit den niedrigen Pegelständen entlang der Elbe weniger Schwierigkeiten. Auch dank der Schwimmbagger des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) Lauenburg.

Ohnehin biegen in der Regel rund neun von zehn Binnenschiffen, die über die Elbe aus Hamburg kommen in Höhe Artlenburg in den Elbe-Seitenkanal, auch „Heide-Suez“ genannt, ab. „Jetzt sind es zehn von zehn“, sagt Kai Römer vom WSA Uelzen. Dabei registriert das WSA bereits seit Jahresbeginn insgesamt eine Verkehrszunahme auf den Kanälen. Allein im Mai steigerte sich die transportierte Gütermenge auf dem ESK um zwei Prozent im Vergleich zum Mai 2014. „Somit passierten allein im vergangenen Monat insgesamt rund eine Million Ladungstonnen das Schiffshebewerk bei Scharnebeck“, sagt Römer. Mehr als eine Million Tonnen Güter wurden im gleichen Zeitraum über den Mittellandkanal transportiert. Dort entsprach das für den Monat Mai einer Zunahme von sechs Prozent. Das Niedrigwasser der Elbe dürfte den Trend weiter verstärken. Die Zahlen dazu liegen laut Römer aber erst im Juli vor.

Im Gegensatz zu Frachtschiffen ist die hiesige Ausflugsschifffahrt bei Niedrigwasser etwas fexlibler. Am Donnerstag war beispielsweise das Fahrgastschiff „Lüneburger Heide“ erneut auf dem Weg über Artlenburg nach Hitzacker. „Wir sind nicht nur manövrierfähiger als ein Frachtschiff, uns reicht auch eine Fahrrinnentiefe von rund einem Meter aus“, sagt Birgit Wilcke. Trotz der prognostizierten weiter sinkenden Pegelstände bleibt sie optimistisch, „dass wir auch in den kommenden Tagen und Wochen unsere Fahrten durchführen können.“

„Noch ist alles im grünen Bereich“, sagt auch Matthias Baalk von der Fähre Tanja, die zwischen Darchau und Neu Darchau verkehrt. Bei einem Tiefgang von zirka 70 Zentimetern hat die „Tanja“ mindestens noch eine Handbreit Wasser unterm Kiel. Zumal das Wasser- und Schifffahrtsamt Lauenburg auch am Donnerstag in dem Bereich die Fahrrinne mit dem Schwimmbagger „Barby“ freigelegt hat. Hingegen hatte die kleine Elbefähre zwischen Pevestorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg und dem brandenburgischen Lenzen bereits am Dienstag den Betrieb einstellen müssen, weil mittlerweile der Anleger zu hoch gelegen sei.

Zu den Baggerarbeiten bei Neu Darchau sagt Silke Schreier, Mitarbeiterin des WSA Lauenburg: „Die Elbe hat nicht wie ein Kanal ein durchgehendes Bett.“ Durch Sedimentablagerungen entstehen Schwellen beziehungsweise Sandbänke im Flussbett und die wandern. Schreier: „Die Sandbänke bestimmen die schlechteste Stelle der Fahrrinnentiefe. Im Rahmen fortlaufender Unterhaltungsmaßnahmen werden beispielsweise mit Schwimmbaggern diese Stellen angeglichen.“ Aber irgendwann wäre bei einem Extrem-Niedrigwasser auch die Grenze des Machbaren erreicht, da auch Schwimmbagger eine gewisse Tiefe zum Arbeiten benötigen.

Trotz des Angleichens der Sandbänke kann die Fahrrinnentiefe streckenweise nur bei unter einem Meter gehalten werden.

Pegel 6,5 Meter niedriger als 2013
Vor zwei Jahren registrierte die Lüneburger Betriebsstelle des NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) am Pegel Neu Darchau einen Wasserstand von 788 Zentimetern. Das Rekordhochwasser der Elbe hielt über Wochen Tausende Einsatzkräfte auch in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg in Atem. Ein gegensätzliches Bild zeigt sich dieser Tage: Am Donnerstag lag der Pegel Neu Darchau bei 127 Zentimetern und damit rund sechseinhalb Meter niedriger. Das NLWKN bezeichnet das sogar als „außergewöhnliche Niedrigwasserphase“. Normal wäre im Juni ein mittlerer Wasserstand von 230 Zentimetern zu verzeichnen und auch das mittlere Niedrigwasser wäre immer noch rund einen halben Meter höher als derzeit.
NLWKN-Sprecherin Herma Heyken sagt: „Das sind jetzt ähnliche Zustände wie zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr.“ Doch während im vergangenen Jahr der Wasserspiegel durch Regenfälle wieder angestiegen ist, „wird sich die fallende Tendenz an der niedersächsischen Elbe in diesem Jahr in den folgenden Tagen voraussichtlich fortsetzen“. Das legten Angaben der Wasserstands-Vorhersagezentrale des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Magdeburg nahe.
Zwar hatte es in den vergangenen Tagen in Tschechien am Oberlauf der Elbe geregnet, durch Verdunstung und andere Einflüsse „kommt am Ende aber so wenig bei uns an, dass es hier kaum eine Rolle spielen wird“, sagt Heyken. Am Mittwoch hatten die Regenfälle beispielweise beim Pegel Dresden die Elbe in einem Satz von 71 auf 131 Zentimeter steigen lassen am Donnerstag sind sie wieder gefallen. Für den Bereich der Mittelelbe geht auch das NLWKN weiterhin von sinkenden Pegelständen aus. Am Donnerstag lautete die Prognose für den Pegelstand in Neu Darchau 114 Zentimeter am 15. Juni.
Der niedrigste bekannte Wasserstand wurde im Oktober 1947 gemessen. Damals lag der Wert bei nur noch 67 Zentimetern. Der niedrige Wasserstand hat auch Auswirkungen auf die Gewässergüte der Elbe. Bei Extremwerten wird ein spezielles Messprogramm in Gang gesetzt. Beim aktuellen Niedrigwasser sei der Salzgehalt zwar relativ hoch, aber „kritische Auswirkungen auf die Wasserqualität sind dadurch nicht gegeben“. Das hätten Proben im Rahmen des regulären Monitorings am 1. Juni bestätigt. Die nächste Probenahme ist am 17. Juni geplant. dth