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Fast 70 Jahre galt die Menora als verloren, jetzt wurde sie von Margaret A. McQuillan (Mitte) im Beisein von (v.l.) Karl Hellmann von der Geschichtswerkstatt, Ernst Bögershausen und Brigitte Ness an Museumsleiterin Dr. Heike Düselder übergeben. Foto: t&w
Fast 70 Jahre galt die Menora als verloren, jetzt wurde sie von Margaret A. McQuillan (Mitte) im Beisein von (v.l.) Karl Hellmann von der Geschichtswerkstatt, Ernst Bögershausen und Brigitte Ness an Museumsleiterin Dr. Heike Düselder übergeben. Foto: t&w

Die Menora ist zurückgekehrt

us Lüneburg. Februar 1941. Für die in Hitler-Deutschland lebenden Juden war es die wohl letzte Möglichkeit, das Land noch verlassen zu können, um der Vernichtung in den Konzentrationslagern zu entgehen. Wer ging, musste Hab und Gut zurücklassen, sofern es überhaupt noch etwas gab, was ihm nicht bereits zuvor vom Staat genommen war. Als Leopold und Anna Less in diesen Tagen Lüneburg verließen, um Schutz und eine neue Heimat in den USA zu finden, blieb auch ihre Menora zurück. Viele Jahre galt der siebenarmige Leuchter, eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums, als unwiederbringlich verloren. Nur durch Zufall fand er jetzt seinen Weg zurück nach Lüneburg. Am Donnerstag wurde er als Dauerleihgabe dem Lüneburger Museum übergeben.

„Ich bin überglücklich, dass die Menora wieder den Weg zurück in die Familie gefunden hat. Aber ihr Platz ist hier in Lüneburg, hier gehört sie hin“, sagte Margaret A. McQuillan, die Enkelin von Leopold und Anna Less, bei der feierlichen Übergabe im Museum. Dass es überhaupt dazu gekommen ist, bezeichnete sie als „ein kleines, unfassbares Wunder“.

Das und viele kleine Zufälle waren es denn auch, die dazu geführt haben, dass die Menora überhaupt wieder ihrer Familie übergeben werden konnte. So war es Zufall, dass 2006 die Lüneburgerin Brigitte Ness mit ihrer früheren Schulfreundin Elke Rohde im Café Rauno in der Bäckerstraße saß und ihre Freundin an dem Haus gegenüber einen Judenstern erblickte. „Das war der entscheidende Punkt“, erinnert sich Brigitte Ness. Ihre Freundin hatte von ihrer in Lüneburg lebenden Tante eine Menora geerbt, die sie in der Zeit um 1941 im Zuge ihrer Aussteuer-Einkäufe günstig erworben hatte. Elke Rohde wollte den Leuchter wieder an ihre früheren Besitzer zurückgeben, doch es fehlte jeder Anhaltspunkt. „Als sie starb, übergab sie mir die Menora und bat mich, es weiter zu verfolgen“, erzählt Brigitte Ness, die sich daraufhin mit der Geschichtswerkstatt in Lüneburg in Verbindung setzte. Die recherchierte, fand heraus, dass der Besitzer die Familie Less sein könnte und fragte schriftlich in den USA nach. Doch eine Antwort blieb aus.

Zufall war es, dass sich in dieser Zeit — unabhängig von den Bemühungen von Brigitte Ness — auch Margaret McQuillan an die Geschichtswerkstatt gewandt hatte. Die Enkelin und frühere Schulleiterin wollte ein Buch veröffentlichen, in dem sie die Zeit des Holocaust anhand der Geschichte ihrer Großeltern erzählt. Die Geschichtswerkstatt erkannte den familiären Zusammenhang, eine Nachfahrin der früheren Besitzer war gefunden. 2008 schickte Brigitte Ness die Menora per Schiff nach Connecticut, wo die Enkelin lebt.

„Viele Menschen haben dazu beigetragen, meine Familie — die Familie Less — wieder nach Hause zu bringen: die Geschichtswerkstatt, die Museumsleitung und Brigitte und Joachim Ness, die ihrer Freundin Elke Rohde geholfen haben, die Menora der Familie Less zurückzugeben“, sagte Margaret McQuillan bei der bewegenden Übergabe-Feier im Museum. Den Dank der Stadt und der Geschichtswerkstatt richtete Ernst Bögershausen aus, Museumsleiterin Dr. Heike Düselder erklärte, dass die Menora einen würdigen Platz in der neuen Ausstellung über die NS-Zeit erhalten werde. Einen festlichen Rahmen schenkte der Übergabe die Lüneburgerin Imke McMurtrie. Sie trug mit „A Dudele“ ein Lied vor, das traditionell an jüdischen Festen gesungen wird.

Symbolische Rückgaben wird es auch vom 10. bis 13. Juli im Museum geben. Dann werden Nachfahren der Lüneburger Familie Heinemann erwartet.