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Mit dieser Karte wirbt die Allianz für Fachkräfte in Nordostniedersachsen um Studienabbrecher, will ihnen dabei helfen, neue berufliche Wege einzuschlagen. Foto: nh
Mit dieser Karte wirbt die Allianz für Fachkräfte in Nordostniedersachsen um Studienabbrecher, will ihnen dabei helfen, neue berufliche Wege einzuschlagen. Foto: nh

Mut zum Absprung – „Allianz für Fachkräfte“ unterstützt Studienabbrecher dabei, neue berufliche Wege einzuschlagen

kre Lüneburg. Bill Gates hat keinen! Genauso wenig wie Anke Engelke, Günter Jauch oder Mark Zuckerberg: Sie alle eint, dass sie kein abgeschlossenes Studium vorweisen können. Trotzdem haben sie ihren Weg gemacht, sind erfolgreich und prominent. Und damit der Beweis dafür, dass es auch ein Leben nach der Uni gibt. Für Wiebke Krohn, Arbeitgeber-Beraterin für Personal- und Organisationsentwicklung, ist das keine Überraschung. Trotzdem beobachtet die Expertin des Arbeitgeberverbandes Lüneburg Nordostniedersachsen (AV) immer wieder, dass nicht wenige Studienabbrecher ihr „Scheitern“ als persönliche Krise empfinden. ,,Zu Unrecht“, sagt Krohn, ,,denn auch ohne akademischen Abschluss haben die Studienaussteiger Qualifikationen erworben, die in der Wirtschaft mehr denn je gefragt sind.“

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel zwingen die Unternehmen, bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal neue Wege zu gehen. Dazu gehöre auch, das bestehende Arbeitskräftepotenzial in der Region besser auszuschöpfen, als das in der Vergangenheit vielleicht der Fall war. Oder anders ausgedrückt: ,,Der Kampf um die besten Köpfe hat längst begonnen“, bringt es Krohn auf den Punkt.

Die Arbeitsmarkt-Expertin arbeitet mit in der ,,Allianz für Fachkräfte für Nordostniedersachsen“ — ein Zusammenschluss der IHK und der Handwerkskammer, des Arbeitgeberverbandes, der Agentur für Arbeit, der Leuphana-Universität, der Ostfalia-Hochschule des DGB sowie der Landkreise Lüneburg, Harburg, Lüchow-Dannenberg, Celle und Heidekreis.

Geballte Kompetenz also — die es sich mit ihrem jüngsten Projekt zum Ziel gesetzt hat, neue Ideen zur Fachkräftesicherung für die Region zu entwickeln.

1950 waren es nur fünf Prozent eines Jahrganges, die ein Studium aufgenommen hatten. Eine Zahl, die im Laufe der Jahrzehnte stetig gewachsen ist. 1970 waren es zwölf Prozent, 2010 bereits 45 Prozent und aktuell haben sich mehr 57 Prozent aller Schulabgänger zu einem Studium eingeschrieben. Allerdings hat die hohe Akademisierungsquote ihren Preis: „Je nach Fachbereich und Hochschultyp liegen die Studienabbrecherquoten in technischen Studiengängen zwischen 30 und 40 Prozent, in der Spitzen sogar bei mehr als 50 Prozent“, zitiert Heidrun von Wieding, Referentin für Aus- und Weiterbildung bei der IHK Lüneburg, entsprechende Studien. Mit individuellen und volkswirtschaftlichen Folgen. Auch deshalb will die „Allianz für Fachkräfte“ Studenten Mut machen, die für sie richtige Entscheidung zu treffen und das ungeliebte Studium notfalls an den Nagel zu hängen. Getreu der Devise: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. „Mut zum Absprung“ nennt die Allianz für Fachkräfte die Initiative.

Es soll kein freier Fall ins Ungewisse werden, sondern die Experten bieten den jungen Menschen Hilfe und Beratung an. Unter www.fachkraefteallianz-non.de sind beispielsweise Adressen und Ansprechpartner genannt, die den künftigen Ex-Studenten weiter helfen können. Auch Ralf Klatt von der Handwerkskammer macht jungen Menschen Mut, die richtige Entscheidung für sich zu treffen. Auch wenn dies oft schwer falle. Aber: „Mit der Aufgabe des Studiums verliert man nicht die erworbenen Kompetenzen. Und die sind in der Wirtschaft mehr denn je gefragt“.

Diesen Satz können auch die Allianzexperten Dana Gröper von der Servicestelle Offene Hochschule Niedersachsen gGmbH und Frank Erdmann von der Agentur für Arbeit nur unterschreiben.

Verkürzte Ausbildung
Die Experten der „Allianz für Fachkräfte“ informieren bei Bedarf Studienabbrecher zu Fragen der Berufsausbildung. So können beispielsweise im Studium erworbene Leistungen auf eine Ausbildungszeit angerechent werden. Ein Berufsabschluss ist dann je nach Ausbildungsberuf bereits in 18 Monaten erreichbar. Jeder Allianzpartner hält ein Beratungs- bzw.Vermittlungsangebot mit festem Ansprechpartner vor.