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Durch den aktuellen Streik bei der Post könnte sich der chronische Mangel an Blutkonserven dramatisch verschärfen, denn viele Stammkunden werden nicht über die Spendetermine informiert. Foto: A/t&w
Durch den aktuellen Streik bei der Post könnte sich der chronische Mangel an Blutkonserven dramatisch verschärfen, denn viele Stammkunden werden nicht über die Spendetermine informiert. Foto: A/t&w

Das Blut wird knapp

as Lüneburg/Springe. Der Streik bei der Post hat auch Auswirkungen auf das Blutspendewesen. Verschickte Einladungen zu den Spendeterminen kommen nicht rechtzeitig an, zu den Terminen kommen deshalb weniger Menschen. Mit Blick auf die bevorstehende Sommer- und Ferienzeit könnte das dramatische Folgen für die Versorgung mit Blutkonserven haben. Darauf weist der DRK-Blutspendedienst NSTOB hin, der für die Bundesländer Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig ist.

Markus Baulke ist dort Hauptabteilungsleiter Blutspenderwerbung, er erläutert: „Zu jedem Termin werden Spender, die schon mal an unseren Terminen teilgenommen haben, per Karte eingeladen — mit einem Vorlauf von zehn Tagen.“ Die Karten für Termine am gestrigen Freitag sowie am Sonntag, dem Weltblutspendetag, seien noch angekommen. Doch danach sehe es aufgrund des Poststreiks schlecht aus.

Der DRK-Blutspendedienst mit Sitz in Springe verschickt pro Tag 14000 bis 15000 Karten. Allein in seiner Versorgungsregion werden für Patienten in den medizinischen Einrichtungen täglich rund 3000 Blutspenden benötigt. „Wenn durch den Poststreik nur zehn Prozent der sonst üblichen Blutspender den Terminen fernbleiben, sind die Lagerbestände innerhalb kürzester Zeit aufgebraucht. Gerade in der Sommer- und Ferienzeit ist beim Blutspendeaufkommen erfahrungsgemäß sowieso immer ein Rückgang zu verzeichnen“, sagt Baulke.

Sabine Reckermann, Geschäftsführerin des DRK-Ortsvereins Lüneburg-Stadt, berichtet, dass beim jüngsten Aderlass im Glockenhaus mehrere Blutspender bemängelt hätten, dass sie keine Karten erhalten hatten. Sie hatten von dem Termin aber aus der Zeitung erfahren. „Sonst kommen immer regelmäßig 80 Spender, jetzt waren es nur 62.“ Sabine Reckermann weist darauf hin, dass man sich auch telefonisch beim Ortsverein über die nächsten Termine informieren könne.

Die Lagerbestände an Blutkonserven seien jetzt schon knapp, weil es durch die vielen Feiertage im Mai einen Rückgang an Blutspenden gegeben hat, sagt Markus Baulke. „Zudem sind nicht alle Bestandteile des Blutes gleich lang haltbar. Blut wird den Patienten nicht so zur Verfügung gestellt, wie es gespendet wird. Für die verschiedenen Einsatzbereiche ist es notwendig, zu fraktionieren und Blut in seine Hauptbestandteile, Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Thrombozyten (Blutplättchen) und Plasma, aufzuteilen. Die aus Spenderblut gewonnenen Blutpräparate haben teilweise nur eine sehr kurze Haltbarkeit und können daher nur in begrenztem Umfang bevorratet werden. Deshalb ist es wichtig, dass immer kontinuierlich und in ausreichender Menge Blut gespendet wird. Darum appelliere ich an alle Bürger, die angebotenen Blutspendetermine wahrzunehmen und sich insbesondere während des Poststreikes über die Tageszeitungen oder das Internet (www.blutspende-nstob.de) über die Möglichkeit zur Blutspende zu informieren.“

Lebensretter
Mit einer Blutspende kann bis zu drei Schwerkranken oder Verletzten geholfen werden. Neben Unfallopfern und Organtransplantations-Patienten sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. Auch bei ungeborenen Kindern im Mutterleib konnten Ärzte dank Blutspenden Leben erhalten und schwerste Schädigungen vermeiden. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr etwa 4,6 Millionen Vollblutspenden entnommen. Davon stellen die sechs regional tätigen DRK-Blutspendedienste 3,7 Millionen für die flächendeckende, umfassende Patientenversorgung zur Verfügung.
Grundsätzlich kann jeder gesunde Erwachsene ab 18 Jahren Blut spenden. Mehrfachspender können nach individueller Entscheidung der Ärzte des DRK-Blutspendedienst bis zum 73. Geburtstag spenden. Frauen können vier Mal, Männer sogar sechs Mal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Zwischen zwei Blutspenden müssen mindestens acht Wochen liegen. Erstspender müssen einen amtlichen Ausweis zum Spendetermin mitbringen.
Auswirkungen
Der Streik bei der Post hat spürbare Auswirkungen. Während sich manch einer freut, weil er endlich mal keine Rechnung im Briefkasten hat, müssen Unternehmen und Behörden umplanen oder sich in Geduld üben. Merklich weniger Posteingänge hat zum Beispiel die Stadtverwaltung. „Regulär bekommen wir pro Tag vier große Kisten mit Post. Inzwischen ist es nur noch eine halbvoll gefüllte Kiste“, sagt Pressesprecherin Sarah Cramer von Clausbruch.
Das Unternehmen Deerberg, Versandhandel für Naturmode mit Hauptsitz in Velgen, ist auf die Post angewiesen. Pressesprecherin Jessica Bote sagt: „Wir haben mehrere Hunderttausend Kataloge noch vor dem Poststreik rausgeschickt. Dafür braucht die Post drei bis vier Arbeitstage, insofern sind wir auch vom Poststreik betroffen. Wir haben aber auch einen Teil der Kataloge über einen anderen Dienstleister verschicken lassen.“ Bisher liege die Zustellquote für Deutschland bei 59 Prozent. Gut zu tun hat, wie berichtet der Lünebote. Dort freut man sich über neue Kunden.
Rechtslage
Was passiert, wenn ein Empfänger aufgrund des Poststreiks verspätet eine Rechnung erhält? Der Lüneburger Rechtsanwalt Matthias Fuchs sagt dazu: „In der Regel wird eine Rechnung erst fällig nach Eingang beim Empfänger. Angegeben ist dann ein Zahlungsziel, viele Rechnungen werden nicht innerhalb einer Woche fällig. Sollte ein Brief so verspätet angekommen sein, dass die Frist abgelaufen ist, macht das nichts, da der Zeitpunkt der Zustellung ausschlaggebend ist.“