Aktuell
Home | Lokales | Lok hat guten Zug am Leib + + + Mit LZplay-Video
Durstig nach langer Fahrt kam gestern die Schnellzugdampflok 03 1010 in Lüneburg an. Heute geht es mit vollem Tank nach Fehmarn. Foto: phs
Durstig nach langer Fahrt kam gestern die Schnellzugdampflok 03 1010 in Lüneburg an. Heute geht es mit vollem Tank nach Fehmarn. Foto: phs

Lok hat guten Zug am Leib + + + Mit LZplay-Video

us Lüneburg. Mit kräftigem Fauchen gleitet sie heran. Aus ihrem niedrigen Schornstein zieht eine leichte Rußfahne, die für sie so typischen seitlichen Windbleche glänzen in der Abendsonne. Sechs Stunden schon ist die Schnellzugdampflok 03 1010 unterwegs, am späten Nachmittag endlich trifft sie auf Gleis vier des Lüneburger Bahnhofs ein — majestätisch schön, Respekt einflößend und ein wenig erschöpft von ihrer langen Fahrt. Sofort beherrscht sie die Szenerie, zieht alle Blicke auf sich. Sie weiß um die Wirkung ihrer kraftvollen, eleganten Erscheinung. Nach kurzem Aufenthalt zieht sie zurück, nimmt kurz Fahrt auf, es geht auf ein Nebengleis des Lüneburger Güterbahnhofs. Wenige Minuten später bekommt sie, wonach sie sich immer sehnt und für ihre große Fahrt am heutigen Sonnabend braucht: 40000 Liter Wasser.

„Wir sind um 10.30 Uhr in Halle an der Saale gestartet“, sagt Lokführer Jörg Lode und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Eigentlich wollte man schon früher in Lüneburg eingetroffen sein, doch unterwegs habe es einen unvorhergesehenen Halt in Gommern bei Mageburg gegeben, in Stendal mussten sie zudem noch einen Personenzug passieren lassen.

In Lüneburg wurde die 03 1010 schon von der Lüneburger Feuerwehr erwartet. Zweihundert Meter Schlauch waren ausgelegt, um das benötigte Wasser an das Gleis zu bringen. Zuerst gab es leichte Verwirrung, niemand wusste genau, auf welchem Gleis sie eintreffen wird. „Es hieß Gleis 148, aber wo ist das?“, fragt Daniel Roemer und schaut sich um. Zusammen mit zwei weiteren Kameraden der Lüneburger Feuerwehr ist er an der Aktion beteiligt, für ihn eine willkommene Abwechslung: „Wir nehmen das mit als Übungsdienst Wasserförderung über lange Wegstrecke“, sagt er schmunzelnd. Auch Rüdiger Bösche ist dabei, der Purena-Mitarbeiter sorgt für den reibungslosen Anschluss ans Trinkwassernetz der Stadt. Auch er wollte er sich diesen Augenblick nicht entgehen lassen: „Das bekommt man ja nicht alle Tage geboten.“

Rund eineinhalb Stunden braucht es, bis der Wassertank der Lok und ein zusätzlicher Tankwagen gefüllt sind. „Es ist nicht immer einfach, an Wasser zu kommen. Viele Bahnhöfe sind darauf nicht mehr ausgerichtet“, sagt Christian Eilers. Seit zwanzig Jahren macht der Hamburger auf der Dampflok als Heizer Dienst, immer in seiner Freizeit, so wie alle in dem Förderverein, der den Namen der Schnellzugdampflok trägt. Die Nacht verbrachte die Lok auf dem Betriebsgelände der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), deren Mitglied Andreas Schütte die 165 Tonnen schwere Schönheit aufs richtige Gleis lotste.

1940 wurde die Lok bei der Deutschen Reichsbahn in Dienst gestellt, gebaut wurde sie in den Borsig-Werken in Hennigsdorf bei Berlin. Bis 1980 verkehrte sie auf der Strecke Berlin-Stralsund, zwei Jahre später wurde sie von der Deutschen Bahn als Museumslok übernommen. 2008 erlosch die Betriebserlaubnis, doch schon 2011 durfte sie nach erfolgter Hauptuntersuchung erneut auf die Reise gehen. Mehr als 2,3 Millionen Kilometer hat sie im Verlauf ihres Lokomotivlebens zurückgelegt. „Heute ist sie die einzige betriebsfähige Dampflok der DB und mit 140 km/h schnellste kohlegefeuerte Dampflok Deutschlands“, sagt Jörg Lode nicht ohne Stolz.

One comment