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Stiftungsrats-Vorsitzender Dr. Volker Meyer-Guckel. Foto: t&w
Stiftungsrats-Vorsitzender Dr. Volker Meyer-Guckel. Foto: t&w

Ganz knappe Abstimmung im Uni-Senat für Stiftungsratschef +++ Kritiker vermuten auch noch Verfahrensfehler

jj Lüneburg. Dr. Volker Meyer-Guckel ist der Vorsitzende des Stiftungsrates der Leuphana. Das höchste Gremium der Lüneburger Stiftungs-Uni. Alle Mitglieder dieses Rates müssen nach fünf Jahren erneut von der Wissenschaftsministerin bestellt werden. Vorher wird das Einvernehmen des Senats eingeholt. Jetzt war Meyer-Guckel an der Reihe, mit Präsident Sascha Spoun und Vize Holm Keller so etwas wie das Dreigestirn der Leuphana. Wer dachte, Meyer-Guckel sei ein Selbstgänger, sah sich schwer getäuscht. Der Stiftungsrats-Vorsitzende erreichte im Senat das denkbar knappste Ergebnis von 10:9 Stimmen. Eher ein Zähneknirschen als ein Einvernehmen. Und nun glauben Senatoren auch noch, sie hätten einen Webfehler beim Votum entdeckt. Es rumort auf dem Campus.

Ein Professor, der als Stellvertreter auf der Senatsliste steht, soll sich übergangen fühlen. Reger Mailverkehr ist die Folge. Auch Sascha Spoun erklärte sich gegenüber dem Betroffenen: Der Stellvertreter sei kurzfristig nicht erreichbar gewesen. Der kontert: Er sei auf dem Campus gewesen, hätte auch Zeit gehabt. Kritiker hegen nun den Verdacht: Dahinter stecke System. Auch das Wissenschaftsministerium ist involviert, das wartet ab, bis der Senat wieder tagt, ob womöglich eine Verfahrensrüge anstehe. Die nächste Sitzung ist am 17. Juni.

Die Campus-Rechercheure wollen herausgefunden haben, dass bereits am Montag nach einer Vertretung gesucht worden sei, die nächste mögliche Stellvertreterin schon Dienstagmorgen abgesagt habe: „Da wäre bis Mittwochnachmittag genügend Zeit, den Vertreter zu informieren.“  Ob es so war, wird sich zeigen. Unzufrieden mit dem ganzen Procedere setzen Kritiker auf ein Nachspiel.

Die Uni-Leitung bleibt kurz angebunden. ,,Zum Verlauf nicht-öffentlicher Sitzungen nehmen wir grundsätzlich keine Stellung“, sagt Sprecher Henning Zühlsdorff.  „Sagen ordentliche Senatsmitglieder ihre Teilnahme an einer Sitzung ab, tritt ein Nachrückverfahren in Kraft, das die geltende Geschäftsordnung des Gremiums regelt. Wie in allen vorangegangenen Fällen ist auch im vorliegenden Fall entsprechend dieser Regeln verfahren worden.“ Genau das wird angezweifelt, vielmehr der Verdacht geäußert, statt des regulären Vertreters sei womöglich ein williger gesucht worden. Am Ende hätte also die Abstimmung auch gegen den Kandidaten sprechen können.

Das Ergebnis aber zeigt auch, die Person Meyer-Guckel spaltet den Senat, während die einen voll des Lobes sind, seine hohe Qualifikation fürs Amt herausstreichen, werfen andere ihm autoritäres Auftreten vor, wünschen sich mehr kritische Haltung zum Libeskind-Bau und Kooperationbereitschaft mit anderen Gremien.

Das Einvernehmen des Senats für Meyer-Guckel sollte eigentlich schon viel früher im Jahr eingeholt werden. Erst wurde die Abstimmung verschoben, dann ein „Schnuppertreffen“ zwischen Senat und Stiftungsrats-Chef arrangiert. Laut Senatoren marschierte das komplette Präsidium sowie der komplette Stiftungsrat ein. „Aus der Befragung eines Kandidaten wurde für mich ein recht befremdliches Schauspiel“, erinnert sich einer.

Meyer-Guckel bleibt da ganz Diplomat: „Da ich bei der Sitzung nicht dabei gewesen bin und auch nichts über die Teilnahme einzelner Senatsmitglieder weiß, bitte ich um Verständnis dafür, dass ich mich dazu nicht äußern kann.“

Das Wissenschaftsministerium hat die Uni nach der LZ-Anfrage um Stellungnahme gebeten, sagt Sprecherin Dr. Margit Kautenburger: „Ein Verfahrensfehler wurde verneint. Aus Sicht des Ministeriums bleibt in Wahrung des Selbstverwaltungsrechts der Hochschule zunächst abzuwarten, ob sich der Senat in seiner nächsten Sitzung mit einer formellen Verfahrensrüge zu befassen hat und mit welchem Ergebnis dies geschieht.“

Mittwoch tagt der Senat wieder, da könnte dann zumindest in diesem Punkt Klarheit herrschen.

Das ist Dr. Volker Meyer-Guckel

  • Studium Anglistik, Philosophie und Chemie
  • Von 1997 bis 1999 Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog
  • Von 1999 bis 2005 Leiter Programme des Stifterverbandes in den Bereichen „Hochschulentwicklung“ und „Strukturinnovation in der Wissenschaft“
  • Seit 2005 stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbandes
  • Seit 2010 Vorsitzender Stiftungsrat Leuphana
  • Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Bildung und Gesellschaft
  • Mitglied im Vorstand der Hermann und Lilly Schilling-Stiftung für medizinische Forschung

10 Kommentare

  1. so wie diese wirtschafts-uni aufgestellt ist, wundert mich diese art von ergebnis nicht. haie im haifischbecken bekommen futterneid.

  2. Christa Sörensen

    Ist ja nicht das erste Mal, dass das Leuphana-Triumvirat [abgeleitet von lat. Ausdruck tres viri („drei Männer“), eigentlich vom partitiven Genitiv, z. B. Meyer-Guckel est trium vir(or)um (daher triumvir), der ein Herrschaftsbündnis von drei Personen bezeichnet, die gemeinsame Interessen verbinden] im zweckdesignten Verfahrensgestrüpp der Hochschulverwaltung eine Personalentscheidung durchdrückt, die das stiftungsnetzwerk- und „wirtschaftsnahe“ Weiterwursteln gegenüber eventuell unerfreulichen Konsequenzen zunehmender Transparenz und wachsender Rücksichten auf Bildungs-, Lehr- und Studierendenrücksichten durch das Hinzutreten einer echten akademischen Aufsichts-, Steuerungs- und Kontrollinstanz präferiert.

    Man denke nur an die sagenhaften Vorgänge um die Holm-Keller-„Wiederwahl“ von vor vier Jahren. (http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article108011170/Kritik-am-Fuehrungsstil-Debakel-fuer-Holm-Keller.html)

  3. Immerhin scheint nach Jahren der Lethargie heuer ja so etwas wie ein ganz, ganz zartes Pflänzchen des Selbst-, Verantwortungs-, Rechts- und Pflichtbewusstseins entsprechend § 41 und § 1 Abs. 3 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes im Senat zu keimen. Wer hätte damit noch gerechnet?

  4. Wo bleibt der AStA

    Den scheint das alles ja gar nichts anzugehen.

    „In dieser Institution kümmern sich Studierende um die politischen, kulturellen, ökologischen sowie sozialen Interessen der Studierenden“?

    Gehört die Meinungsbildung zum generellen Kurs der Hochschule und ihre Artikulation – besonders in diesem Fall – nicht zu den „Interessen“ der Studierenden?

    • Tja, wo bleibt der AStA, eine gute Frage…

      ich vermute mal dreierlei Gründe:
      1) Evt. hat der AStA sich ja dazu geäußert, es bekommt nur niemand mit. Da die AStA-Homepage „gerade“ überarbeitet wird, werden keine aktuellen Meldungen dort eingestellt. Vielleicht findet sich ja auf dem facebook-profil des AStA ja was dazu. Das habe ich nicht überprüft, da ich aus diversen Gründen facebook grundsäctzlich als ziemlich ungeeignet für die politische Arbeit empfinde.
      2) Vieleicht will der AStA sich ja auch nicht äußern, damit er nicht wieder von dem Teil der Studierenden angegriffen und verleumdet wird, die Kritik an politischen Entscheidungen und Tatsachen als schweren Angriff auf ihre persönlichen Berufschancen sehen.
      3) Es kann auch sein, dass der AStA (als Organ der studentischen Selbstverwaltung) die politische Arbeit im Senat (als Organ der akademischen Selbstverwaltung) den studentischen SenatorInnen überlässt, die ja in eigenständigen Hochschulgruppen aktiv sind und dann auch Stellungnahmen zu Senatsdingen veröffentlichen (Stichwort „Demokratisches Bündnis“).

      Aber ja, das würde mich auch interessieren, was der AStA dazu sagt, vielleicht kommt da jetzt, nach der grad absolvierten Bildungsdemo, nun eine Stellungnahme.

      p.s. Eine Möglichkeit kann ich aber – so gut sind meine Quellen dann doch noch- ausschliessen: dass der AStA das alles gar nicht mitbekommen hat…

  5. Tobias Günther

    „Der Stiftungsrat ist das Gremium, das die Universitätsleitung berät und über wichtige Angelegenheiten entscheidet. (…) Der Stiftungsrat ist das höchste Gremium der Stiftung“, welche die Leuphana Universität Lüneburg „trägt“. Er ist nach § 5, Abs. 2 der Verordnung über die „Stiftung Universität Lüneburg“ (StiftVO-ULG) vom 17. Dezember 2002 sogar „Dienstvorgesetzter der Mitglieder des Präsidiums“.

    Also übt der (bzw. die, an der Leuphana aber anscheinend immer der) Stiftungsratsvorsitzende „die Rechtsaufsicht über die Universität aus“, nämlich insofern „Maßnahmen der Rechtsaufsicht vom Stiftungsrat vorbereitet und gegenüber der Universität durchgeführt“ werden müssen.

    Dass „die Person Meyer-Guckel den Senat spaltet“, ist allein schon im Hinblick auf das ungezügelt galoppiernde Chaos der „Finanzierungsplanung“ und der exorbitanten Kostenentwicklung des Zentralgebäudebaus am Bockelsberg nicht verwunderlich.
    (http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/240618-libeskind-bau-kostenspruenge-als-konstante)

    Nicht nur das eine oder andere Senatsmitglied in Lüneburg, sondern auch der (oder die) eine oder andere Ministerialbeamte in Hannover dürfte sich fragen, ob Herr Meyer-Guckel seinen Aufsichtspflichten hier in dem von ihm zu erwartenden Maße zu jeder Zeit vollumfänglich nachgekommen ist — und falls nicht, warum nicht.

  6. Jasmin Pötzel

    Am Ende dieses immer noch und auch in diesem Zusammenhang lesenswerten Artikels aus dem vergangenen Jahr (http://www.zeit.de/2014/31/leuphana-universitaet-lueneburg-libeskind/komplettansicht) rätselt die Autorin : „Warum verschlägt es einen wie Keller, der in der Wirtschaft viel Geld verdient hat, ausgerechnet nach Lüneburg? Auch im Umfeld von Keller hat niemand eine Antwort darauf.“

    Mit dem gleichen Recht könnte man fragen, was Dr. Volker Meyer-Guckel unter so demütigenden Bedingungen, wie sie dieser Tage sichtbar wurden, am Posten des Stiftungsratsvorsitzenden in Lüneburg fesselt.

    Vielleicht kennt in Gütersloh jemand die Antworten?

  7. Effizienzgeguckel

    „Die Universität ist die Stätte, an der Gesellschaft und Staat das hellste Bewußtsein des Zeitalters sich entfalten lassen. Dort dürfen als Lehrer und Schüler Menschen zusammenkommen, die hier nur den Beruf haben, Wahrheit zu ergreifen. Denn daß irgendwo bedingungslose Wahrheitsforschung stattfinde, ist ein Anspruch des Menschen als Menschen.
    (…)
    Seit Bacon und Descartes hat man den Sinn der Wissenschaft durch ihre Nützlichkeit zu rechtfertigen versucht. Die technische Anwendbarkeit des Wissens zur Erleichterung der Arbeit, zur besseren Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse, zur Steigerung der Gesundheit, zur Einrichtung staatlicher und gesellschaftlicher Verhältnisse, schließlich gar zur Erfindung der richtigen Moral galten für Descartes als entscheidende Antriebe zur Wissenschaft. Jedoch zeigt sich bei näherer Vergegenwärtigung erstens, daß alle technische Anwendbarkeit Grenzen hat; die Technisierbarkeit ist nur ein Feld innerhalb des viel umfassenderen Bereiches der menschlichen Möglichkeiten überhaupt. Zweitens zeigt sich, daß die unmittelbare Nützlichkeit der Wissenschaft keineswegs der Antrieb bei den großen, begründenden Entdeckungen gewesen ist; sie wurden fern dem Gedanken der Anwendbarkeit aus unvoraussehbaren Quellen des forschenden Geistes gewonnen.

    Die fruchtbare Anwendung in zahllosen besonderen Erfindungen ist daher zweckhaft erst möglich auf Grund der schon vorhandenen Wissenschaft. Forschungsgeist und zweckhafter Erfindungsgeist [der ‚anwenden‘ und ‚verkaufen‘ will] sind wesensverschieden. Es wäre zwar absurd, den Nutzen der Wissenschaft und das Recht des Betriebes der Wissenschaft im Dienst der Lebenszwecke bestreiten zu wollen; auch dieser Sinn kommt der Wissenschaft, wenigstens einigen Teilen der Wissenschaft, zu. Aber er kann nicht der ganze und nicht der einzige Sinn der Wissenschaft sein; denn er allein hat die Wissenschaft nicht hervorgebracht (die großen Entdecker waren durchweg keine Erfinder) und allein würde er außerstande sein, die wissenschaftliche Forschung auf die Dauer am Leben zu erhalten.“

    (Karl Jaspers, 1946 Universität – Stätte bedingungsloser Wahrheitsforschung, S. 9 und 19)

    Das Projekt Stiftungsuniversität und unsere wirtschaftsnahe Modell-Idee neuen Typs muss gerettet werden, wie ein Schiff, das in Seenot geraten ist, hören wir es hysterisch aus dem Senat gellen.

    Aber es ist nicht nur der Stiftungsrat, der kieloben treibt, sondern die Leuphana, eine kleinkarierte bürokratische Vision von einem engen zweckdienlichen, allein auf Erträge fixiertem Hochschulbetrieb, die den Praxistest nicht bestanden hat. Dafür lebt in ihr der Geist der DDR weiter: „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“

  8. Athen an der Ilmenau

    Es gibt einen Irrglauben zur Audimax-Krise, der in Lüneburg parteiübergreifend verbreitet, aber nicht allein dort beheimatet ist. Es ist die Ansicht, für die Leuphana gebe es eine Rückkehr zum Status quo ante von 2010, also zum letzten Jahr vor dem offenen Ausbruch der Finanzierungskrise um den Libeskind-Bau. Doch für die Hochschule führt auf absehbare Zeit kein Weg zurück in dieses Jahr, denn das Ausstattungsniveau, das die Leuphana seit damals anstrebte, ist wohl auf Pump finanziert.

    Es ist nicht möglich, dass die Leuphana ihren Wohlstand von 2010 wieder erreicht – auch wenn am Bockelsberg die Ansicht vorherrscht, es gebe ein Recht darauf. Es wäre für die Studierenden, ihre Lehrer und ihre Verwaltung an der Zeit, einzusehen: Das erste Jahrfünft nach der Modellwende von 2006 war eine Ausnahme, die mit der ungerechtfertigten Aufnahme der Uni in einen Club begann, dem es nie hätte beitreten dürfen. Dass die Leuphana sich zwischen 2006 und 2011 anschickte, durch Deko-Maßnahmen und teures Facelifting zu den erstklassigen Universitäten des Landes aufzuschließen, war eine Fehlentwicklung.

    Was sich ab 2015 am Bockelsberg vollziehen wird, ist daher ein schmerzhafter Prozess des Gesundschrumpfens. Die Leistungen, die die Hochschule in Anspruch nehmen kann, werden auf das Maß reduziert, das das Land Niedersachsen finanzieren kann. In welchem Buch steht geschrieben, dass dieses Maß über dem von Vechta, Oldenburg oder Osnabrück liegen muss?

    Der bisherige Erfolg des Regierungspräsidiums liegt auch darin begründet, dass deren Heroen ihren Mitarbeitern und Studierenden und den politischen Kräften von Stadt, Kreis und Land erfolgreich eingeredet haben, es gebe so etwas wie ein leuphanatisches Geburtsrecht darauf, in der oberen Hälfte der niedersächsischen Einkommensskala mitzuspielen. Wenn diese Einbildung zerplatzt, wird es interessant sein zu sehen, wie sich das auf die Popularitätswerte von Herrn Spoun und die Seinen auswirken wird.