Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Weite Blicke in die Landschaft bis nach Lüneburg und Dahlenburg bietet die Südergellerser Aussichtsplattform. Foto: uk
Weite Blicke in die Landschaft bis nach Lüneburg und Dahlenburg bietet die Südergellerser Aussichtsplattform. Foto: uk

Südergellersen: Logenplatz in der Natur

uk Südergellersen. 961 Holzteile, 84 Stufen und ein bisschen Muskelkraft braucht es — und schon sieht die Welt ganz anders aus. „Ich habe zwar schon zwei Bypässe, aber da hoch zu klettern, das wollte ich mir nicht nehmen lassen“, sagt Willi Müller. Der 79-Jährige gehörte wie viele seiner Nachbarn am Freitag zu den ersten Besuchern des nagelneuen Aussichtsturms im Naherholungsgebiet Hambörn in Südergellersen. Die zahlreichen großen und kleinen Gäste staunten über die ganz neuen Perspektiven, die die 17 Meter hohe Aussichtsplattform eröffnet: Er habe nicht nur seinen Hof in der Dorfmitte von oben gesehen, sondern auch Lüneburg mit dem Kalkberg und der Johanniskirche, freute sich Müller: „Der Aufstieg lohnt sich.“

Politik und Verwaltung hatten den freudigen Anlass genutzt, um für die Südergellerser und Besucher aus den Nachbargemeinden ein zünftiges Grillfest am Fuße des Turms auszurichten. In seiner Eröffnungsrede erinnerte Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU) an den steinigen Genehmigungs-Weg zum Turmbau und konnte sich auch eine, wie er fand, „ketzerische Bemerkung“ nicht verkneifen: „Es scheint einfacher zu sein, Windräder zu errichten als einen Aussichtsturm.“ Wer von der hölzernen Plattform den Blick in die Weite schweifen lasse, der stelle fest, dass das Landschaftsbild sich verändere: „Man sieht Windkraftanlagen und Maisfelder während Gehölze und Hecken nach und nach verschwinden.“

Bereits 2012 hatte die Gemeinde den Bau als Bestandteil im Programm „Naturblicke“ des Naturparks Lüneburger Heide beantragt. Doch wegen der Streichung von Fördermitteln lag das Projekt lange auf Eis. Er sei erst wenige Wochen im Amt gewesen, als Anfang 2015 dann endlich der Auftrag vergeben werden konnte, sagte Gärtner, dessen Dank seinem Vorgänger Andreas Bahlburg und Stellvertreter Lutz Tetau galt: „Die beiden haben den Bärenanteil an Arbeit für dieses Projekt geleistet.“

Der Standort am Bürgerwald ist nicht nur deshalb optimal, weil der erhöhte Punkt ungehindert weite Blicke erlaubt, sondern auch weil das Naherholungsgebiet der Gemeinde um eine weitere Attraktion bereichert wird. Neben dem Bürgerwald ermöglicht die Urwaldzelle den barrierefreien Zugang und Einblick in den dichten Laubwald, Schafstall und Köhlerhütte locken als beliebte Ausflugsziele, die kleine Heidefläche bietet Naturidylle pur. „Toll, dass hier so viel passiert“, freute sich auch Naturpark-Geschäftsführerin Hilke Feddersen mit den Südergellersern. Die Liste der Projekte, die die Gemeinde seit ihrem Naturparkbeitritt 2008 angeschoben habe, sei nun abgearbeitet , sagte sie schmunzelnd und fügte an: „Haben Sie weiter so gute Ideen.“ Als Vertreter der Samtgemeinde Gellersen gratulierte Dr. Hinrich Bonin (SPD) den Südergellersern: „Dieser Turm dient nur zur Freude. Das ist ein herrlicher Zweck.“

Planung und Bau des Aussichtsturms wurden zu 80 Prozent aus Landes- und EU-Mitteln über das Förderprogramm „Natur erleben“ finanziert, die Gemeinde trägt einen Eigenanteil von 20000 Euro. Infotafeln werden demnächst den Besuchern die Orientierung erleichtern und Erläuterungen zu den Sehenswürdigkeiten nah und fern liefern: Bei gutem Wetter — und das herrschte passend zur Eröffnung — sind nicht nur die Hochhäuser von Kaltenmoor, die Lüneburger Stadtkirchen und der Libeskind-Bau der Universität deutlich auszumachen, sondern auch die Windkraftanlagen im mehr als 30 Kilometer entfernten Dahlenburg.