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Wer eine Eigentumswohnung beispielsweise im Karree Weißer Turm/Hinter der Saline kauft, sollte darauf achten, welche Folgenkosten für Sanierungen auf ihn zukommen könnten. Darauf weist der Mieterverein hin. Foto: A/t&w
Wer eine Eigentumswohnung beispielsweise im Karree Weißer Turm/Hinter der Saline kauft, sollte darauf achten, welche Folgenkosten für Sanierungen auf ihn zukommen könnten. Darauf weist der Mieterverein hin. Foto: A/t&w

Immobilien: Lukratives Angebot mit Haken

ca Lüneburg. Die Wohnung gefällt, jetzt könnte der Mieter sie kaufen. Beispielsweise Hinter der Saline, wo die Immobiliengesellschaft dii sich aktuell von vier, nach eigenen Angaben möglicherweise gar von fünf Mehrfamilienhäusern trennen will. Auf den ersten Blick für Lüneburger Verhältnisse zu attraktiven Preisen, wie Philipp Aderhold einräumt. Doch der Jurist des Mietervereins rät zu einem zweiten Blick: Denn wer kauft, ist auch für die Reparaturen zuständig. Da die Gebäude Jahrzehnte alt sind, müssten Käufer mit Instandhaltungsmaßnahmen rechnen: Dächer reparieren, Fassadenarbeiten, Fahrstühle modernisieren. Zudem gelte die Heizungsanlage als veraltet, eine Modernisierung des Systems würde mit hohen Investitionen zu Buche schlagen.

Vor solchen Ausgaben kann sich der neue Eigentümer einer Wohnung kaum schützen, besonders, wenn keine Rücklage für Instandhaltungen vorhanden sind. Denn wenn die Gemeinschaft der Eigener ein solches Vorgehen mit Mehrheit beschließt, muss sich jeder anteilig an den Kosten beteiligen. „Der Verkäufer oder auch die Bank machen einen Interessenten nicht unbedingt auf diese möglichen Ausgaben aufmerksam“, sagt Aderhold. Das könne nicht nur für Mieter als Käufer ein Wagnis bedeuten, sondern auch für Interessenten, die eine Wohnung als Kapitalanlage fürs Alter sehen, aus der sie Einnahmen erzielen. Denn ein großer Teil der Ausgaben ist im Zweifel nicht auf den Mieter umzulegen, da es sich um Instandhaltung handle.
In den Häuser der dii macht sich mancher Sorgen um seine Wohnung. Anwohner haben sich bei der LZ gemeldet, die sich Gedanken machen, wegen Eigenbedarfs oder steigender Mieten ihre Wohnungen zu verlieren. Die dii hat kürzlich auf Schutzklauseln in den Kaufverträgen verwiesen. Tenor: Niemand müsse sich fürchten.

Rechtsanwalt Aderhold hebt das Ganze auf eine höhere Ebene. Stadt und Land hätten die Möglichkeit, aufgrund der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt quasi eine Vorgabe gegen Spekulationen zu erlassen. Die würde es einem Großinvestor wie der dii, die in dem Komplex rund 270 Wohnungen erworben hat, starke Schranken setzen. Die Folge: Mieter wären nicht drei, sondern maximal zehn Jahre lang vor Kündigungen weitgehend geschützt. Ein Investor müsste sich langfristig engagieren. Aderhold: „Damit würde die Stadt ein Zeichen setzen.“

Aderhold sagt, er habe den Oberbürgermeister darauf aufmerksam gemacht, der habe aber keinen Handlungsbedarf gesehen. Der Jurist hält solche Vorgaben auf einem Wohnungsmarkt wie Lüneburg aber für angeraten, denn auch in anderen Ecken der Stadt habe es in den vergangenen Jahren Eigentümerwechsel gegeben. Nicht immer zum Vorteil der Mieter. Vom Bockelsberg und aus Neu Hagen, wo der Bund über seine Immobiliengesellschaft vor allem Reihenhäuser vermietet, weiß der Mieterverein von Problemen.

OB Ulrich Mädge widerspricht Aderhold: Wenn es eine Möglichkeit gebe, werde die Stadt sie prüfen, um den Mietern zu helfen. Juristen der Stadt werden die Rechtslage wälzen. Er nehme den Hinweise auf, sasgt Mädge und werde auch mit dem zuständigen Sozialministerium sprechen sowie sich beim niedersächsischen Städtetag dafür einsetzen. Doch laut Stadtpressesprecher Daniel Gritz hat das Land noch keine derartige Verordnung erlassen.

Auch in Kaltenmoor vertritt der Verein Mitglieder, die über Mängel wie etwa Schimmel in ihren Wohnungen klagen. Hier würde sich Aderhold ebenfalls mehr Einsatz der Stadt wünschen. Wenn sich Probleme häuften und gesundheitliche Gefahren zu befürchten sind, wäre es sinnvoll, wenn die Bauverwaltung an Eigentümer heranträte und zur Abhilfe auforderte: „Doch die Praxis sieht anders aus. Nach unserer Einschätzung weicht die Verwaltung Klageverfahren aus.“

Verein will kräftig wachsen
Der Mieterverin zählt in Lüneburg rund 1700 Mitglieder. „Tendenz steigend“, sagt Jurist Philipp Aderhold. „Aber für eine Stadt wie Lüneburg ist das zu wenig.“ Mit einem verbesserten Internetauftritt und verstärkter Öffentlichkeitsarbeit hofft der Verein mehr Interessenten zu ziehen: „Unser Ziel sind 3000 Mitglieder.“
Die Mitgliedschaft bringt aus Sicht Aderholds verschiedene Vorteile: Denn wer neben dem Beitrag von rund 53 Euro pro Jahr einer „Gruppenrechtsschutzversicherung“ für 23,40 Euro in Sachen Mietrecht beitritt, könne bei Auseinandersetzungen einen umfassenden juristischen Beistand erwarten.