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Speaker Professor Dr. Timo Meynhardt fragte in seinem Talk, wie Unternehmen sich künftig stärker an dem Gemeinwohlgedanken orientieren können. Foto: t&w
Speaker Professor Dr. Timo Meynhardt fragte in seinem Talk, wie Unternehmen sich künftig stärker an dem Gemeinwohlgedanken orientieren können. Foto: t&w

Acht „Speaker“ präsentieren ihre Themen beim ersten TEDx-Event in Lüneburg

us Lüneburg. Der Raum ist abgedunkelt, Scheinwerfer leuchten auf eine etwa zweieinhalb Meter breite, kreisrunde, rote Fläche auf einer kleinen Bühne. Daneben stehen mehrere übereinander gestapelte alte Gemüsekisten, in denen bunte Tischlampen mit einer Lichterkette um die Wette leuchten, umrahmt von zwei Stehlampen. Auf der anderen Seite der Bühne sind unter einer Videoleinwand drei etwa einen Meter hohe rote Buchstaben — T, E und D — platziert, ergänzt durch ein kleines „x“. Es ist die Szenerie für den ersten TEDx-Event der Lüneburger Universität. In den Reihen des Hörsaals 4 sitzen genau einhundert Teilnehmer, mehr sind nicht erlaubt, auch das gehört zu den strengen Vorgaben für diese Veranstaltung, deren Ursprünge in den USA liegen und die ein Forum für Ideen, Konzepte, Gedanken und Performances bietet.

„Was ist diese Uhr wert?“, fragt Timo Meynhardt und hält seine Armbanduhr hoch. Er ist einer der acht „Speaker“, die an diesem Abend, dem Reglement folgend, mit Mikrophon ausgestattet im roten Kreis stehen und nacheinander ihr Thema vortragen. Das Anliegen von Meynhardt, Professor an der Leuphana, kreist um die Frage, wie sich der Gemeinwohlgedanke stärker im Management von Unternehmen durchsetzen kann, weg vom zu engen Blick auf den Mehrwert für das Unternehmen, hin zum Wohle der Gesellschaft insgesamt. „Letztlich geht es darum, was schon Aristoteles fragte: Was hält die Gesellschaft zusammen?“

Seine Gedankenspiele kommen gut an, es gibt Applaus, dann startet ein Video. Auch das gehört zum TEDx-Event, dessen großer Bruder TED — die Buchstaben stehen für Technology, Entertainment und Design — in den 90er-Jahren in Kalifornien als alljährliche Innovations-Konferenz geboren wurde. Weil die Idee einschlug, durfte TED auch an anderen Orten stattfinden unter der Bedingung, dass alle Vorgaben, die den gewünschten „TED-Spirit“ auslösen, strikt eingehalten werden.

Das eingespielte Video zeigt eine Speakerin, die seit ihrer Geburt an Cerebralparese, einer Bewegungsstörung, leidet. Was sie sagt, ist nicht nur interessant, es ist auch witzig, zum Teil komisch, vor allem aber eines nicht: ein Vorwurf oder eine Anklage. Es sind 15 Minuten, die zeigen, dass Mut und der Glaube an die eigenen Ziele Erfolg haben können. Wieder gibt es anhaltenden Applaus.

Keinen Talk, sondern eine Performance hat Clara Julia Reich fürs Publikum mitgebracht. „Vakuumverpackt“ hat die Leuphana-Studentin sie genannt, der einzige Poetry-Slam-Beitrag an diesem Abend. Es geht um die vermeintlich heile Welt der von äußeren Einflüssen ungestörten Gefühle und Wahrnehmungen. Fast zehn Minuten steht sie im roten Kreis, trägt vor und gewinnt das Publikum.

Das Publikum als Teil der Performance — das war der Auftritt von Franziska Pohlmann, frühere Leuphana-Studentin und auch bekannt als Produzentin von „Die Krone von Arkus“. Die Lüneburgerin lehrt das Publikum, dass jeder singen kann, wenn er sich nur traut. Am Ende summte, sang und schnippte der ganze Hörsaal zum Text „Alles ist möglich dem, der sieht“. Es geht also.

Wieder ein Video, wieder ein Talk. Mal geht es um berufliche Selbstfindung, mal um die Frage, wie Gründer geboren werden. „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, der Talk von Benedikt Fischer, macht deutlich, wie schwer und zugleich wie einfach es ist, Zeit nicht als Prozess dauernder Selbstoptimierung zu verstehen. Auch hier: Es braucht Mut, sich von den selbst auferlegten Zwängen zu befreien.

„Es geht um den Aha-Effekt und darum, mit Themen und Ideen mal anders umzugehen. Wer sich mit Innovationen beschäftigt, schaut da hin“, erklärt Antonieta Alcortad de Bronstein. Die Mitarbeiterin beim Innovationsinkubator hat die Veranstaltung mit organisiert und hofft auf eine Neuauflage im kommenden Jahr.