Aktuell
Home | Lokales | Jens Kiesel wechselt von der Rentnerpartei zur SPD
Stefan Minks (l.) und Heiko Dörbaum (r.) heißen Jens Kiesel als Neuzugang in den Reihen der SPD-Fraktion willkommen. Foto: t&w
Stefan Minks (l.) und Heiko Dörbaum (r.) heißen Jens Kiesel als Neuzugang in den Reihen der SPD-Fraktion willkommen. Foto: t&w

Jens Kiesel wechselt von der Rentnerpartei zur SPD

as Lüneburg. Überraschung auf dem politischen Parkett: Jens Kiesel (Rentnerpartei), der bisher mit Birte Schellmann (FDP) als Gruppe im Rat der Stadt saß, ist in die SPD eingetreten. Als Grund nennt er, dass die Rentnerpartei auf bundespolitischer Ebene inzwischen zwei Vorstände habe, zwischen denen ein Machtkampf ausgebrochen sei. Außerdem stimme er mit dem politischen Zielen nicht mehr überein.

„Ich wollte mich für die Belange der Rentner einsetzen“, nennt er seine Intention, politisch aktiv zu werden. Vor sieben Jahren trat er in die Rentnerinnen und Rentner Partei (RRP) ein. Parallel dazu gab es die Rentnerpartei. Als sich die RRP vor zwei Jahren entschloss, den Namen zu wechseln in Bündnis 21/RRP und sich auch die politischen Ziele veränderten, wechselte Kiesel in die Rentnerpartei. Auf kommualpolitischer Ebene war er 2011 in den Rat der Stadt eingezogen, bildete mit Birte Schellmann (FDP) eine Gruppe. Die „Hahnenkämpfe“ an der Spitze seiner Bundespartei führten schließlich dazu, dass Kiesel sein Parteibuch aus der Hand legte. Er informierte den Ratsvorsitzenden Eduard Kolle (SPD) über die Lage. „Ich bin dann konsequent ausgetreten.“ Vergangene Woche trat er in die SPD ein, auch mit dem Ansinnen, in die Fraktion aufgenommen zu werden.

„Meine politische Einstellung war schon immer sozialdemokratisch. Und die Belange der Rentner vertritt man heute besser in der SPD“, sagt der 71-Jährige zu seinem Wechsel. Diese Partei sei ihm am dichtesten, und es habe stets einen guten Austausch mit den Kollegen der SPD-Fraktion gegeben.

Heiko Dörbaum, SPD-Fraktionschef, und Stefan Minks, stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender und Ratsherr, freuen sich über den Neuzugang. „Herr Kiesel hat durch seine bisherige Arbeit und seine Ziele mit unserer Fraktion sehr große Schnittmengen.“ In den Bereichen Bildung, Stadtentwicklung mit dem Schwerpunkt bezahlbarer Wohnraum sowie bei der Entwicklung der Infrastruktur mit Blick auf die Bedürfnisse älterer Bürger verfolge man gleiche politische Ziele. Zurzeit würden Gespräche laufen, wie man Kiesel gemäß seiner Ambitionen in die Fraktionsarbeit eingliedern könne.

Die SPD ist nun mit 15 Mitgliedern im Rat vertreten. Mit den Grünen nimmt die Mehrheitsgruppe 27 der 42 Mandate ein.

Einzelkämpferin ist nun Birte Schellmann, für die der Eintritt von Kiesel in die SPD überraschend kam. „Wir hatten eine rein auf Zeit angelegte zweckorientierte Bindung, die es erlaubte, manchmal auch unterschiedliche Positionen zu vertreten und demgemäß abzustimmen.“ Grundsätzlich bestehe die Option einer Gruppenbildung immer, „die man als Einzelkämpfer in Betracht ziehen muss“. Die politische Arbeit lastet jetzt allein auf ihren Schultern. Ein gewaltiges Pensum in Anbetracht der vielen Ausschüsse und der Ratssitzungen. Als Einzelkämpferin kann sie allerdings nur mitberaten, ein Stimmrecht hat sie nur im Rat.

11 Kommentare

  1. Los Oma, hak' ein

    Ein weiterer schöner Beleg dafür, wie viel Verlass auf die Lüneburger Politik-Gerontokraten ist.

    Die unter den Anliegern und Bewohnern der Milchbergsiedlung in Neu Neetze zu trauriger Berühmtheit gelangte Sozialdemokratin Brigitte Mertz hat ja erst neulich den Grundsatz formuliert, nach welchem solche Pirouetten in Szene gesetzt werden: “Demokratie heißt, dass ihr alle fünf Jahre wählen geht, den Rest überlasst ihr uns!“

    http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/239958-anwohner-der-milchbergsiedlung-in-neu-neetze-laden-spd-politiker-ein#comment-49693

    Der Refrain zu Vorgängen dieser Sorte stammt von Gottlieb Wendehals:

    Wir zieh´n jetzt los mit ganz großen Schritten,
    Und Jens faßt dem Heiko von hinten an die Schulter.
    Das hebt die Stimmung, ja, da kommt Freude auf.

    Ich wünsche Herrn Jens Kiesel viel Spaß im letzten Jahr seiner Ratsmitgliedschaft.

    Olaf Schuster

  2. För din Roparbeiden bi de Sozis büst du vun de Lüüd nich utsöken wörrn. Nich wunnerwarken, wenn männicheen nu in de Brass kamt, as dat schient.

    Dien öllerhaften Willem

  3. Helmut Müller

    „Meine politische Einstellung war schon immer sozialdemokratisch. Und die Belange der Rentner vertritt man heute besser in der SPD“.

    Das sollte man seinem Wähler vor einer Wahl sagen, nicht hinterher. Sie hätten die wenigen Monate, die Ihnen als Stadtrat noch bleiben, dafür nützen können, die Anliegen Ihrer Generationenklientel als Unabhängiger besonders deutlich zu machen. Und durch insistierendes Nachfragen hätten Sie die gravierenden konzeptionellen und inhaltlichen Defizite der Mehrheitsgruppe hinsichtlich ihrer Aktivitäten zur Absicherung existenzieller Risiken und zur Verbesserung der Lebenssituation sozial Schwacher, Gefährdeter oder Schutzbedürftiger in Lüneburg klar und pointiert zur Sprache bringen können. Aber so, da nach einer Wahl, immer vor einer Wahl ist, werden Sie wohl 2016 im Zuge des weiteren drastischen Zusammenschmelzens der sozialpolitisch profil- und gesichtslosen Lüneburger SPD mit anderen Genossen von der Bühne unseres kommunalen Kollegialorgans tropfen.

  4. Wat ik nich vasteh: Wieso „laufen“ erst jetzt Gespräche, „wie man Kiesel gemäß seiner Ambitionen in die Fraktionsarbeit eingliedern könne“? Handelt man sowas nicht aus, bevor man seinen Arbeitgeber wechselt?

  5. Neues aus dem Uwe-Inselmann-Haus

    Mit dem Aufstellen grundlegender WG-Regeln, Putzplan etc. hat unsere Wohngemeinschaft eindeutig einen großen Schritt nach vorne gemacht. Jetzt können wir uns endlich in Ruhe auf die problematischen charakterlichen Eigenschaften der Mitbewohner konzentrieren.

  6. Songart Schortmann-Seitenspeck

    Herr Kiesel setzt ein überaus positives Signal! Ich verbinde mit seinem konsequenten Partei-Übertritt große Hoffnungen und zolle ihm meinen ganzen Respekt auf dem politischen Parkett, nicht nur im Uwe-Inselmann-Haus. Denn es wird Zeit, dass in der Lokalpolitik endlich die Interessen von uns Rentern und Senioren Berücksichtigung finden, und das gilt natürlich nicht nur in puncto WG-Putzplan! Sondern vor allem bei der Planung der städtischen Infrastruktur, bildungspolitisch, jagdhistorisch und in anderer Hinsicht!

    Ich sehe potenziell große, mögliche Schnittmengen mit Herrn Kiesel, ob es nun um Themenfelder wie etwa TTIP, Vorratsdatenspeicherung oder Fracking geht, oder ganz einfach nur darum, dem kapitalistischen Herrschaftssystem in bester sozialdemokratischer Tradition Paroli zu bieten. Hier lastet zwar eine große Last auf unseren Schultern, aber gerade in solchen Situationen haben wir Sozialdemokraten uns ja schon oft bewährt und stets als „Anwalt des kleinen Mannes “ Verantwortung übernommen. Auch die Wohnraumsituation ist für mich ein heisses Eisen. Es ist zu begrüßen, dass ein ambitiuonierter Kopf wie Herr Kiesel hier Expertise und Sachverstand in die tägliche Parteiarbeit einbrinen kann. Kurzum: Gehen Sie es an, Herr Kiesel! Das klare Votum in puncto „Hahnenkämpfe“ ist sehr zu begrüßen. Auch ein ambitioniertes „Nein!“ zur A39 wäre, wie ich finde, sehr angebracht, aber das müssen Sie vorher noch mit den zuständigen Gremien (auf Landesebene!) abstimmen und ggf. mit Frau Schellmann an der Salatbar bei Tschorn am Sande diskutieren! Vielleicht sind Ihre Kompetenzen hier auch schon überschritten? Macht nichts; man wächst mits einen Aufgaben, Herr Kiesel! Toi,toi,toi! Und lassen Sie sich nicht ins Boxhorn jagen!!

    • @Songart Schortmann-Seitenspeck

      Spitzen Satire ! Autor? Ich tippe auf Klaus Bruns oder Karlheinz Fahrenwaldt. Soviel literarisches Talent, mit einem Federstrich sieben Ironiefliegen zum Leben zu erwecken, ist nur einem unserer beiden Kommentatoren-Großmeister zuzutrauen.

      Mein Beitrag zur Sache ist eine vergleichsweise müde Adaption:

      Bei einem chinesischen Henkerwettstreit – so wird erzählt – geriet der zweite Finalist in die Verlegenheit, eine schier unüberbietbar präzise Enthauptung durch seinen Konkurrenten, der vor ihm dran war, überbieten zu müssen. Es herrschte Spannung. Mit scharfer Klinge führte er seinen Streich. Jedoch der Kopf des zu Enthauptenden fiel nicht, und der also scheinbar nicht enthauptete Delinquent blickte den Henker erstaunt und fragend an. Darauf dieser zu ihm: Nicken Sie mal.

      Mich interessiert, was dieser Kopf denkt, bevor er nickt; denn das müsste doch Ähnlichkeit haben mit Gedanken der Sozialdemokratie über sich selber.

      • Jens Kiesel hat zumindest das richtige Alter, um der SPD noch von den alten Zeiten zu berichten, wo die SPD noch eine SPD war. Diese Blutauffrischung wird dem Weg zu den alten Ufern der Sozialdemokratie bestimmt behilflich sein. Es wird zwar nur ein Jahr andauern, aber immerhin, die Rentner bekommen dadurch wieder Hoffnung erhört zu werden.

        • Ich glaube nicht, dass Jens Kiesel mit dem „überaus positiven Signal seines konsequenten Partei-Übertritts“ seine von ihm schmählich düpierten Wähler noch rechtzeitig überzeugen kann, ihm 2016 ins sozialdemokratische Lager nachzustaksen. Warum auch? Juvenile SPD-Ratstalente wie er müssen sich in Lüneburg mindestens zwanzig Jahre Erfahrung als Opern- und Operetten-Dramaturg am Stadttheater erarbeitet haben, bevor sie sich bei einer öffentlichen Sitzung das erste Mal zu Wort melden dürfen. Wenn´s 2035 in der Ratsfraktion dann vielleicht endlich soweit ist, dass Jens vom Generationenwechsel profitieren und unter den drei verbliebenen Sozis einen Stuhl weiter nach vorne rücken könnte, werden die meisten seiner Anhänger schon scharf auf die Fünfzig zugehen und beginnen, sich für E-Bikes und Senioren-Reisen zu interessieren, mit lokaler Supermarktpolitik nur noch wenig im Sinn haben und lieber Rote Rosen schauen, als ihm zu Gefallen die Beschwernisse eines Urnengangs zu erwägen.

      • Der Stoff, aus dem die Träume sind

        Richtig, richtig… Um meine Karriere zum gefeierten Literaten weiter voranzutreiben, habe ich mich zu einem radialen… pardon… radikalen Weg entschlossen. Denn wieschon… wiesch… wie schon die Werke von Hemingway, Bukowski und Fallala… hoppla, hihihi… Fallada zeigen: Die besten Geschichten schreibt immer noch der Leser die Leber selbst.

        Karlheinz (1,4 ‰)

  7. Lieber Dr. Songart Schortmann-Seitenspeck

    Herrn Kiesel halte ich für einen durch und durch aufrechten Kämpen, der sich auch von den Sozis nicht verbiegen lassen wird.

    Was das „ambitionierte SPD-‚Nein!‘ zur A39“ betrifft, darauf würde ich mein letztes Hemd nicht voreilig verwetten, sondern vor allem auf die dreistimmigen Triller der MäDöMei-Pfeife achten.

    Vollkommen konsterniert vernehme ich dagegen den Jubelruf, man wolle „dem kapitalistischen Herrschaftssystem in bester sozialdemokratischer Tradition Paroli bieten.“ Ist ein solches Maß an Realitätsverlust denn wirklich möglich?

    Haben Sie denn gestern nicht in der Zeitung gelesen, auf welche Weise Herr Gabriel und Herr Maas dafür gesorgt haben, dass die Lüneburger SPD bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr nun ganz sicher nicht mehr über die zehn Prozent hinauskommen wird?

    Hier können Sie noch einmal drüberfliegen:
    http://www.landeszeitung.de/blog/newsticker/243818-spd-chef-gabriel-setzt-sich-bei-vorratsdatenspeicherung-durch

    Und hier, bevor er verloren geht, können Sie den heutigen Kommentar von Herrn Kolbe studieren, der resümiert, was auch in Lüneburg und besonders für die SPD gewaltige Folgen haben wird:

    „Glaubwürdigkeit und Rechte geopfert

    Von Werner Kolbe

    Mit einer Mischung aus Appellen und schröderscher Basta-Politik hat SPD-Chef Sigmar Gabriel seine Partei zum knappen Ja zur Vorratsdatenspeicherung gedrängt. Und seinen Kabinettskollegen Heiko Maas zum Umfallen.

    Obwohl der Justizminister die Vorratsdatenspeicherung noch vor sechs Monaten entschieden ablehnte und als Verstoß gegen das Grundgesetz geißelte, ordnete er sich nun der vermeintlichen Parteiräson unter. Und warb auch noch für das umstrittene Instrument von Ermittlern. Die Zustimmung beim Wahlvolk dürfte die Größenordnung einer homöopathischen Dosis haben. Denn die Speicherung von Telekommunikationsdaten ohne Anlass ist nichts anderes als ein Verstoß gegen Bürgerrechte. Rechte, die nun vorsichtshalber geopfert werden sollen, damit sich Politiker immer darauf berufen können, wirklich alles gegen einen möglichen Terroranschlag getan zu haben. Tatsächlich aber ist mit diesen auf Vorrat gespeicherten Daten weltweit noch kein einziger Terroranschlag verhindert worden.“