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Drei Ponys auf einer Weide bei Radenbeck: Gepachtet hat die Fläche ein Mann, den Tierfreunde verdächtigen, gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Der Dahlenburger streitet die Vorwürfe ab, der Kreis ermittelt. Foto: phs
Drei Ponys auf einer Weide bei Radenbeck: Gepachtet hat die Fläche ein Mann, den Tierfreunde verdächtigen, gegen das Tierschutzgesetz zu verstoßen. Der Dahlenburger streitet die Vorwürfe ab, der Kreis ermittelt. Foto: phs

„Vernachlässigt und gequält“ — Weitere Vorwürfe gegen Tierhalter aus Dahlenburg

kre Radenbeck. Wolfram Kallweit kennt die Vorwürfe engagierter Tierschützer, seine Kollegen aus dem Kreisveterinäramt und er hören sie in diesen Tagen und Wochen häufig: Schlecht versorgt seien die Tiere, vernachlässigt und gequält. Und: Der Landkreis unternehme so gut wie nichts dagegen.

Der Fall beschäftigt Behörden, Tierfreunde und die LZ schon länger. Es geht um einen Dahlenburger, dessen Methode der Tierhaltung für Aufregung sorgt: Unter der Überschrift ,,Kadaver in der Tonne“ hatte die LZ bereits im April und anschließend noch einmal im Mai über den Fall berichtet. Mehr als 100 Tierfreunde und -halter setzten sich damals in einem Schreiben an Landrat Manfred Nahrstedt dafür ein, dass gegen den gelernten Schlachter ein generelles Tierhaltungsverbot erlassen wird. Mit Nennung des eigenen Namens will allerdings niemand öffentlich die Vorwürfe wiederholen: ,,Da herrscht auch ein Klima der Angst“, sagt eine Betroffene.

Montagmorgen, Ortstermin in Radenbeck: Dort hat der Dahlenburger eine Weide gepachtet, um drei Ponys daraufzustellen. Von den dreien sind allerdings nur noch zwei da, dafür stehen plötzlich zusätzlich zwei Großpferde auf der Koppel. Die Besitzer der Weide sind sauer und schockiert zugleich: „Die beiden Stuten wurden ohne unser Wissen am Wochenende auf die Weide gestellt“, ärgert sich die Radenbeckerin. Und wo ist das dritte Pony? „Keine Ahnung“, sagt sie und zuckt mit den Schultern, „angeblich verkauft.“ Und das, obwohl dieses Tier den körperlich schlechtesten Zustand aufgewiesen haben soll. Auch eines der anderen beiden Ponys ist aus Sicht der Tierschützer in schlechter Verfassung: „Es hat noch nicht einmal das Winterfell abgeworfen, ist verwurmt“, heißt es in einem Schreiben an die LZ. Auch Heu zum Zufüttern sei nicht mehr da. Und die Behörden? „Das Veterinäramt war zuletzt Anfang Mai vor Ort“, heißt in der Mail. Für viele ein Beleg dafür, dass es die Veterinäre des Kreises offenbar nicht allzu ernst nehmen mit Tierwohl und Aufsichtspflicht. „Sonst hätte der Landkreis doch schon längst reagieren müssen“, sagen die Tierfreunde vorwurfsvoll.

Am Montag aber sind die Veterinäre vor Ort in Radenbeck. „Unangemeldet“, wie Kallweit betont. ,,Der Zustand der Pferde ist nicht so, dass wir sie hätten wegnehmen müssen“, sagt der Fachbereichsleiter Ordnung und Umwelt beim Landkreis Lüneburg. Auch den Verbleib des dritten Ponys klären die Kreismitarbeiter: ,,Das Tier steht auf einer uns bekannten anderen Weide.“ Den Vorwurf, der Kreis tue zu wenig, weist Kallweit zurück. ,,Wir tun gerade in dieser Sache viel“, sagt der Kreismitarbeiter und setzt nach: ,,Wenn es Beanstandungen gibt, sind wir für konkrete Hinweise auch sehr dankbar.“

Ähnlich hatte auch Landrat Manfred Nahrstedt auf das Schreiben der Tierfreunde geantwortet, die ein Halteverbot für den jungen Mann fordern, den die Behörden ohnehin schon länger im Visier haben: wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, wegen Verstoßes gegen die Tierkörperbeseitigungs-Bestimmungen und womöglich auch wegen Verstoßes gegen das Tierseuchenrecht (LZ berichtete).

Trotzdem: ,,Auch wenn die Vorwürfe bekannt sind, (…) sind umfangreiche Ermittlungen und Feststellungen erforderlich“, betont Nahrstedt in seinem Antwortschreiben an die Tierfreunde-Initiative. Denn nur mit sachlichen Gründen, Fakten und Tatsachen könne die Behörde in die Grundrechte eines Tierhalters eingreifen, damit sie am Ende auch vor Gericht Bestand hätten.

So sehr der Landrat auch die „pauschale Forderung“ nach einem Tierhalteverbot nachvollziehen kann, müsse jedoch ,,jedes festgestellte Vergehen einzeln aufgegriffen, geprüft und bewertet werden“.

Und was sagt der Beschuldigte selbst? Der war gestern bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Weder am Handy noch auf Festnetz noch an seiner Arbeitsstelle. Vor wenigen Wochen aber hatte er auf Nachfrage alle Vorwürfe gegen sich als unbegründet zurückgewiesen.