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Zu klein, zu wenig, zu unflexibel. Bürger und Mobilitätsforscher sehen viele Kritikpunkte bei den Busanbindungen in Reppenstedt. Foto: t&w
Zu klein, zu wenig, zu unflexibel. Bürger und Mobilitätsforscher sehen viele Kritikpunkte bei den Busanbindungen in Reppenstedt. Foto: t&w

Öffentlicher Personenverkehr: Neue Erkenntnis nach 99 Busfahrten

dth Reppenstedt. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) einer Überarbeitung bedarf, hatten die Bürger im Reppenstedter Kommunalforum „Zukunftswerkstatt“ zur Sprache gebracht. Das war bereits im Herbst 2013. Die CDU-Fraktion im Samtgemeinderat stellte für den Haushalt 2014 einen Antrag zur „Optimierung des ÖPNV“. Daraufhin hatte die Gemeinde Verkehrsexperten der Leuphana Universität Lüneburg beauftragt, ein neues Entwicklungskonzept zu entwerfen. Die ersten Zwischenergebnisse stellten jetzt Dr. Peter Pez und Diplom-Umweltwissenschaftler Timo Lüdeke-Dalinghaus im Rathaus in Reppenstedt im Rahmen eines öffentlichen Workshops vor. Ein gutes Dutzend interessierter Bürger nahm an der Veranstaltung teil.

Sie leiteten im Rathaus den Workshop zum Thema ÖPNV (v.l.): stellvertretender Bürgermeister Christian Purps, Gemeindedirektorin Susanne Stille sowie Timo Lüdeke-Dalinghaus und Dr. Peter Pez von der Leuphana. Foto: uk
Sie leiteten im Rathaus den Workshop zum Thema ÖPNV (v.l.): stellvertretender Bürgermeister Christian Purps, Gemeindedirektorin Susanne Stille sowie Timo Lüdeke-Dalinghaus und Dr. Peter Pez von der Leuphana. Foto: uk

Um sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen, befragten die Mobilitätsforscher unter anderem 70 Haushalte in Reppenstedt und Dachtmissen, mehr als 150 Fahrgäste auf der Buslinie 5013 und sie unternahmen 99 Messfahrten mit dem Bus zwischen Reppenstedt und Lüneburg.

Nach den Zählungen nutzten im Tagesverlauf durchschnittlich 707 Personen die Strecke vom Lüneburger Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) nach Reppenstedt und durchschnittlich 720,5 Personen die Linie in der entgegengesetzten Fahrtrichtung (Reppenstedt Lüneburg). Im Durchschnitt kommen 66,1 Prozent der beförderten Personen laut Erhebung aus Reppenstedt. Insgesamt nur 9,36 Prozent der Fahrgäste nutzten die Buslinie lediglich innerhalb der Gemeinde. Überwiegend werde der Bus genutzt, um zur Arbeit zu fahren, sei es direkt in Lüneburg oder über den Bahnanschluss am ZOB beispielsweise in Hamburg.

Die Wissenschaftler nahmen für das zu skizzierende Konzept eine Entwicklungsperspektive von zirka 20 Jahren ein. Lüdeke-Dalinghaus sagt: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird die innerörtliche Versorgung an Bedeutung gewinnen, weil immer mehr ältere Menschen auf den ÖPNV angewiesen sein werden, um ihr tägliches Leben zu meistern.“ Und durch weitere Siedlungsgebiete in Reppenstedt hätten aber weiterhin die Pendlerverflechtungen Reppenstedts mit Lüneburg und Hamburg als Arbeitsplatzstandort ein hohes Gewicht.

Perspektivisch wäre für den innerörtlichen Verkehr über die Einführung einer „flexiblen Bedienform“, beispielsweise eines Bürgerbus-Angebots, nachzudenken, schlägt Lüdeke-Dalinghaus vor.

Herausgearbeitet haben die Gutachter, dass es vor allem dem nördlichen Ostteil der Gemeinde an einer gut erreichbaren Bushaltestelle mangelt. „Eine Haltestelle am östlichen Ortseingang ist notwendig und unumgänglich“, sagt Lüdeke-Dahlinghaus. Die Gemeinde hat diese Anregung bereits aufgegriffen und will auch mittelfristig Abhilfe schaffen.

Doch der Wunschzettel der Bürger ist noch länger, reicht vom Einsatz von großen Gelenkbussen zu den Stoßzeiten in den Morgen- und Abendstunden, über eine höhere Taktung und längere Betriebszeiten bis hin zum Einsatz der Schulbuslinie 5202 zur besseren Anbindung des Reppenstedter Ortsteils Dachtmissen nach Lüneburg. Die Mobilitätsforscher wollen ihre gesammelten Erkenntnisse gemeinsam mit den weiteren Anregungen aus der Einwohnerschaft in ein Konzept gießen, das den Kommunalpolitikern als Entscheidungshilfe dienen soll. Und daran werden die noch länger etwas zu knabbern haben. Gemeindedirektorin Stille sagt: „All diese Vorschläge stehen schließlich unter Finanzierungsvorbehalt. Allein die Kosten für die Einrichtung einer zusätzlichen Fahrt im Buslinienverkehr betragen jährlich rund 40000 Euro.“