Aktuell
Home | Lokales | Das letzte Läuten — Neue Technik in Klosterkirche Medingen
Per Kran geht die Glocke abwärts, die restauriert werden soll. Foto: ute
Per Kran geht die Glocke abwärts, die restauriert werden soll. Foto: ute

Das letzte Läuten — Neue Technik in Klosterkirche Medingen

ute Medingen. Ein letztes Mal läutete Volker Eidinger am Montagmorgen per Hand die große Glocke der Klosterkirche Medingen. Jahrelang hatte der Hausmeister täglich um jeweils 8 Uhr morgens und 18 Uhr abends sowie zu vielen Festen am mehr als acht Meter langen Glockenstrang gezogen. Künftig soll moderne Technik seine Muskelkraft ersetzen. Schon in ein paar Monaten werden die Glocken automatisch oder per Knopfdruck erklingen. Ob Volker Eidinger seine Aufgabe vermissen wird? Er schüttelt lächelnd den Kopf: „Ich bin erleichtert!“

Klosterhausmeister Volker Eidinger beim letzten traditionellen Läuten der Klosterglocke  per Hand.  Foto: ute
Klosterhausmeister Volker Eidinger beim letzten traditionellen Läuten der Klosterglocke per Hand. Foto: ute

Trotz des neuen Läutwerks bleibt die alte Tradition des Handläutens erhalten: Auch künftig hat jeder frischgebackene Medinger Vater die Möglichkeit, die freudige Botschaft von der Geburt seines Kindes per Seilzug weit schallend im Ort zu verkünden.

Zeitgleich mit der Umstellung auf moderne Technik werden in den kommenden Monaten notwendig gewordene Restaurierungsarbeiten an der geschichtsträchtigen Glocke (siehe Text unten) von Fachfirmen vollzogen. Zu diesem Zweck musste die Glocke zunächst oben im Turm, in etwa 20 Meter Höhe, demontiert, per Kran herausgenommen und hinunterbefördert werden. Ein imposantes Spektakel, das seine Zuschauer hatte.

Den Abbau „überwachte“ zusammen mit Äbtissin Dr. Kristin Püttmann Thorsten Nobbmann von der Bauabteilung der Klosterkammer Hannover, die die Kosten trägt. Seitens der Kirchengemeinde Medingen wird die Glockensteuerung mit Antrieb unterstützt.

In den nächsten Wochen ist die Glocke in Fachbetrieben in Nördlingen und Herford. Deren Meister haben schon rund 4300 wertvolle Glocken restauriert und mit moderner Technik ausgestattet, unter anderem am Kölner Dom, dem Hamburger Michel, am Petersdom und St. Pauls in London. Nun wollen sie auch der Glocke der Klosterkirche Medingen zu einem volltönenden, warmen und stimmigen Klang verhelfen. Wenn alles gut geht, wird die Glocke beim diesjährigen Dank- und Weihfest am 24. August wieder erschallen.

Eine Glocke mit Geschichte

Die Medinger Kirchenglocke stammt ursprünglich aus Mohrungen in Ostpreußen, wurde 1670 von Glockengießer Jonas David gefertigt und ist 240 Kilogramm schwer. Doch in Medingen läutet sie erst seit wenigen Jahrzehnten. Zuvor hatte es in der Klosterkirche ein anderes Prachtstück gegeben, das bis in alle Ewigkeit ertönen sollte. Doch Anfang 1943 wurde es aufgrund der „freiwilligen Abgabe entbehrlicher Metallgegenstände aus den Kirchen“ – wie viele andere auch – zum Einschmelzen abtransportiert.

Angewiesen auf eine zweite Glocke protokollierte Äbtissin Ilse von Döring Anfang Februar 1952 den Empfang einer „Patenglocke“ vom Hamburger „Glockenfriedhof“. Auf ihm wurden heimatlose Kirchenglocken bewahrt und wieder verteilt. Äbtissin Helge von Bülow machte 1973 eine Aktennotiz, dass der zuständige Glockenrevisor darauf hingewiesen hat, „dass bei Patenglocken auch die Bestimmung in den neuen Ostverträgen zu berücksichtigen ist, da Kulturgut zurückzugeben sei.“

Die Mohrunger Glocke blieb, ebenso die Verpflichtung zur optimalen technischen Installation, aber auch die Pflege und Wartung. Seitens der Mohrunger Gemeinde der Pfarrkiche Peter und Paul ist vermerkt, dass die Glocke „heute im barocken Turm des Zisterzienser-Nonnenklosters in Medingen, Niedersachsen“ läutet.