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Sie setzen sich für eine Stärkung des Elbe-Seitenkanals ein (v.l.): Michael Zeinert (IHK Lüneburg-Wolfsburg), Frank Horch (Wirtschaftssenator Hamburg), Beatrice Claus (WWF Deutschland), Olaf Lies (Wirtschaftsminister Niedersachsen), Wolfgang Weber (Referatsleiter Hafenpolitik im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium) und Jens Aßmann (Handelskammer Hamburg). Foto: dth
Sie setzen sich für eine Stärkung des Elbe-Seitenkanals ein (v.l.): Michael Zeinert (IHK Lüneburg-Wolfsburg), Frank Horch (Wirtschaftssenator Hamburg), Beatrice Claus (WWF Deutschland), Olaf Lies (Wirtschaftsminister Niedersachsen), Wolfgang Weber (Referatsleiter Hafenpolitik im Niedersächsischen Wirtschaftsministerium) und Jens Aßmann (Handelskammer Hamburg). Foto: dth

Breites Bündnis für den Kanal

dth Hamburg. „Es gibt kein anderes Infrastrukturprojekt in Deutschland, das von so einem breiten Bündnis aus Politik, Wirtschafts- und Umweltverbänden unterstützt wird“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) gestern im Hamburger Rathaus. Am Rande der zweitägigen Wirtschaftsministerkonferenz der Länder (siehe Seite 20) formierte sich eine besondere Allianz, um in einem gemeinsamen Papier die Ertüchtigung des Elbe-Seitenkanals und den Bau der neuen Schleuse bei Scharnebeck zu fordern für voraussichtlich 260 Millionen Euro. Und das möglichst schnell. Die Binnenwasserstraße habe das größte Potenzial, die wachsenden Güterströme aus dem Hamburger Hafen aufzunehmen.

Das gemeinsame Schreiben an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt wird getragen von den Ländern Hamburg und Niedersachsen, der Handelskammer Hamburg, der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, vom WWF Deutschland und vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) Landesverband Niedersachsen.

Wirtschaftsminister Lies sagte: „Wenn es uns nicht gelingt, die Schleuse in den vordringlichen Bedarf des neuen Bundesverkehrswegeplans reinzukriegen, wird das mit der Umsetzung in den nächsten 15 Jahren nichts.“ Dann würde sich die Engpass-Situation auf dem Elbe-Seitenkanal weiter verschärfen, befürchtet auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos).

Die Tröge des alten Schiffshebewerks von 1974 zur Überwindung eines Höhenunterschieds von 38 Metern können nur Binnenschiffe mit einer Länge von 100 Metern fassen. Mit dem neuen Aufstiegsbauwerk könnten Schubverbände mit einer Länge von 225 Metern den Kanal passieren.

Das Bündnis untermauert seine Forderungen mit den Zahlen der Seeverkehrsprognose 2030: Demnach sei in den deutschen Seehäfen „mit einem Anstieg des Umschlagsaufkommens von 269 Millionen Tonnen im Jahr 2010 auf zirka 468 Millionen Tonnen im Jahr 2030 zu rechnen“. Dabei verzeichne der Hamburger Hafen eine der höchsten Zuwachsraten. Insgesamt wird die größte Steigerung im Containerumschlag erwartet von 13 auf 30 Millionen TEU (Twenty-Foot Equivalent Unit = 20-Fuß-Container-Einheit). Den größten Anteil hätte daran der Hamburger Hafen mit zirka 16,4 Millionen TEU.

Im vergangenen Jahr wurden zirka elf Millionen Gütertonnen über den Elbe-Seitenkanal bewegt. Bereits in dieser ersten Jahreshälfte zeichnet sich ab, dass jener Höchstand 2015 erneut übertroffen werden könnte (LZ berichtete). Laut Lies habe die neue Schleuse eine „systemische Relevanz“ für das gesamte norddeutsche Wasserstraßennetz. Eine höhere Bedeutung als dem Bau der A39 oder der Y-Trasse wollte Lies dem Kanal auf Nachfrage aber nicht beimessen: „Wir brauchen alle Verkehrsträger, aber es darf nicht der Fokus für die Binnenwasserstraße verloren gehen.“

„Das Binnenschiff hat das größte Potenzial für die Zukunft“, sagte Jens Aßmann von der Handelskammer Hamburg. Michael Zeinert von der IHK Lüneburg-Wolfsburg reagierte mit Befremden auf Forderungen aus Reihen des Bundesverkehrsministeriums, der Hamburger Hafen müsse als Vorleistung erst nachweisen, zusätzliche Binnenschiffe überhaupt beladen zu können. Zeinert, der auch Vorsitzender des im November in Lüneburg gegründeten Vereins „Bündnis Elbe-Seitenkanal“ ist, sagte: „Wir brauchen eine klare Planungsperspektive, dann werden die notwendigen Kapazitäten auch geschaffen.“

Die Unterzeichner des Schreibens bitten den Bundesverkehrsminister, „die bereits begonnenen Detailplanungen fortzusetzen sowie das notwendige Planfeststellungsverfahren zeitnah zu beginnen“.

Die Unterstützung der Umweltverbände erklärte Beatrice Claus vom WWF Deutschland so: „Aus unserer Sicht ist die Binnenwasserstraße der umweltverträglichste Verkehrsträger. Außerdem erhoffen wir uns eine Entlastung der Mittelelbe.“ Bereits heute nutzen im Vergleich zur Elbe etwa neun von zehn Binnenschiffen den Elbe-Seitenkanal.