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Die Stadt schlägt vor, die jährlichen Erträge aus dem Nachlass von Sigurd Tilo Friedrich in die Computerausstattungen von Schulen fließen zu lassen. Suman, Rachel, Luisa und Marie (v.l.) von der Oberschule am Wasserturm würde es freuen, die Rechner der Schule laufen noch mit Windows XP. Foto: t&w
Die Stadt schlägt vor, die jährlichen Erträge aus dem Nachlass von Sigurd Tilo Friedrich in die Computerausstattungen von Schulen fließen zu lassen. Suman, Rachel, Luisa und Marie (v.l.) von der Oberschule am Wasserturm würde es freuen, die Rechner der Schule laufen noch mit Windows XP. Foto: t&w

Lüneburger vermacht Stadt mehr als 500000 Euro

as Lüneburg. Er war alleinstehend und hatte keine Kinder, doch Sigurd Tilo Friedrich hat ein großes Herz für Kinder gehabt. Die Hansestadt erhielt Anfang Mai vom Amtsgericht die Nachricht, dass der verstorbene Lüneburger sie als Alleinerbin für sein gesamtes Vermögen eingesetzt hat. Das beläuft sich in Form von mehreren Sparguthaben nach Aufstellung des Erblassers auf rund 542000 Euro. Allerdings hat Sigurd Tilo Friedrich, Jahrgang 1938, den Nachlass mit einer Auflage verbunden: Die Stadt muss seine persönlichen Angelegenheiten regeln, und das Erbe darf ausschießlich für die Belange von Kindern verwandt werden.

Der Lüneburger Rat wird sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 25. Juni, mit der Nachlasssache beschäftigen, denn gemäß gesetzlicher Regelung muss das Gremium Zuwendungen von mehr als 2000 Euro zustimmen. Laut der Ersten Stadträtin Gabriele Lukoschek hat die Stadt von Juristen prüfen lassen, ob eventuell Risiken zum Beispiel Schulden mit dem Erbe verbunden sein könnten. „Es gibt nach derzeitigem Kenntnisstand keinen Grund, das Erbe auszuschlagen.“ Sollte sich aber noch herausstellen, dass das Erbe nicht zum Vorteil der Stadt ist, also noch Forderungen an den Erblasser offen sind, würde die Stadt als Erbe nur mit dem haften müssen, was an Erbmasse vorhanden ist. Das habe die Prüfung der rechtlichen Lage ergeben. „Deshalb empfiehlt die Verwaltung, den Nachlass anzunehmen.“

Wie groß das Erbe letztlich genau ist, „wird sich erst zeigen, wenn die Kosten zum Beispiel für die Wohnungsauflösung, die Kündigung von Verträgen und die Höhe der Erbschaftssteuer feststehen“, sagt Gabriele Lukoschek. Da die Sparguthaben angelegt seien, könnten auch noch Zinsen dazu gekommen sein.

Die Verwaltung hat sich inzwischen auch Gedanken gemacht, wie das Erbe im Sinne des Verstorbenen verwendet werden könnte, der auferlegt hat, das Geld für Projekte für Kinder oder zur Untersützung von Kitas und Kinderheimen einzusetzen. Anstatt das Geld einmalig auszugeben, „schlagen wir vor, das Nachlassvermögen zu erhalten, es langfristig anzulegen und die jährlichen Erträge zu verwenden“, erläutert die Erste Stadträtin. Sollten sich die Zinssätze als wenig lukrativ erweisen, könnte man auch nach anderen Wegen suchen: „Zum Beispiel mit dem Geld ein Grundstück erwerben und darauf ein Erbbaurecht vergeben. Damit ließe sich ein Erbbauzins von vier bis fünf Prozent erwirtschaften.“

Eine Idee, wie die Erträge zukunftsträchtig im Sinne des Testamentszweckes angelegt wären, hat die Verwaltung auch: Sie könnten in die Computerausstattung und Whiteboards (elektronische Tafeln) der Lüneburger Schulen fließen, die von der Stadt regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. „Das sind wichtige Projekte, um die Bildung von Kindern zu fördern.“

Bereits jetzt fährt die Stadt dazu ein fortlaufendes Investitionsprogramm gemeinsam mit der Sparkassenstiftung. Im Etat sind dazu 70000 Euro eingesetzt. Dank dem Lüneburger Sigurd Tilo Friedrich könnte das Programm künftig aufgestockt werden.

Hoffen auf Fördermittel in Millionenhöhe
Die Sanierung des Alten Rathauses, eines der bedeutesten Baudenkmäler in Norddeutschland, stellt die Stadt vor eine große Aufgabe. Mittels eines Masterplans wird die Sanierung in einzelnen Abschnitten umgesetzt. Kosten: rund 20 Millionen Euro. Das Bundesbauministerium hat für das Jahr 2015 nun erneut das Förderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ aufgelegt. Bei dem Förderprogramm geht es vor allem um die Förderung großer, baulich anspruchsvoller Vorhaben mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen und besonderer nationaler Bedeutung. Die Stadt hat nun eine Projektskizze sowie einen Förderantrag für vier ausgewählte Bauabschnitte sowie die Sanierung der Pfarrwitwenhäuser eingereicht. Das Gesamtvolumen beläuft sich auf rund 5,2 Millionen Euro, eine Förderung von rund 4,7 Millionen Euro wird beantragt. Das entspricht einer Förderquote von 90 Prozent. Neben diesem Thema geht es im Rat außerdem um einen Antrag der CDU, Ratssitzungen in den Tageszeitungen zu veröffentlichen. Die Grünen möchten in einer Anfrage wissen, in welchen öffentlichen Gebäuden bei den Eingängen noch Barrieren für alte und behinderte Menschen bestehen und wie diese beseitigt werden können? Die Linke stellt eine Anfrage zu multiresistenten Keimen im Lüneburger Klinikum.