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Um die zahlreichen Bewohner, die den Campingplatz Stover Strand als Dauerwohnort nutzen, gibt es in der Samtgemeinde Elbmarsch heftigen Streit. Foto: fw
Um die zahlreichen Bewohner, die den Campingplatz Stover Strand als Dauerwohnort nutzen, gibt es in der Samtgemeinde Elbmarsch heftigen Streit. Foto: fw

Elbmarsch: Streit um Dauercamper ohne Ende

pet Drage. Zoff in der Samtgemeinde Elbmarsch vor der Ratssitzung am kommenden Mittwoch, 24. Juni, 19.30 Uhr (Hofcafé Marschendeel, Drage, Ortsteil Hunden, Hundener Straße 21): In einer Pressemitteilung fordern die Mitglieder der Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten den Rücktritt des Ratsvorsitzenden Norbert Kloodt (SPD), werfen dem Sozialdemokraten die „Vermischung von privaten und öffentlichen Interessen“ vor.
Norbert Kloodt ist seit neun Jahren Ratsvorsitzender in der Elbmarsch, er ist Inhaber des Campingplatzes Stover Strand. Um den hatte es in den letzten Monaten Streit gegeben: Die Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten monierte, mehrere Hundert Dauerbewohner würden dort „illegal“ leben, ihr Aufenthalt sei durch den Bebauungsplan nicht abgedeckt.

In einer Sitzung des Samtgemeinderats in Marschacht, an der Mitte März auch rund 200 Dauerbewohner teilnahmen, legte Uwe Harden, SPD-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeister in Drage, ein anwaltliches Gutachten vor, das Kloodt stärkte — „aus bauplanungsrechtlicher Sicht“ werfe das Dauerwohnen am Stover Strand „weniger Probleme auf“ als bisher angenommen. Der Drager Rat änderte dann Ende Mai den Bebauungsplan, um das Dauerwohnen auf eine neue Basis zu stellen.

Grüne, Freie Wähler und Piraten werfen Kloodt nun vor, das Dauerwohnen auf seinem Campingplatz nicht nur geduldet, sondern dafür aktiv geworben zu haben. Dabei, so die Gruppe, habe er „als langjähriger Mitarbeiter des zuständigen Bauamtes des Landkreises Harburg“ wissen müssen, „dass ein dauerhaftes Wohnen auf Campingplätzen nicht zulässig“ ist. Man könne Kloodt nicht mehr „das für das Amt des Ratsvorsitzenden … nötige Vertrauen entgegenbringen“.

Norbert Kloodt zeigte sich von der Initiative der Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten überrascht, insbesondere darüber, dass er von den neuen Vorwürfen über eine Pressemitteilung „erfahren muss“. Kloodt versichert: „Ich habe zu keinem Zeitpunkt private und öffentliche Interessen vermischt und auch gegen keine gesetzlichen Bestimmungen verstoßen.“

Der „illegale Zustand“ auf dem Campingplatz Stover Strand, so die Gruppe Grüne/Freie Wähler/Piraten habe „durch eine vom Campingplatz Stover Strand beantragte Bebauungsplanänderung, die am 28. Mai vom Rat der Gemeinde Drage verabschiedet wurde, geheilt werden sollen“. Und weiter: „Während Betreiber Kloodt und Bürgermeister Uwe Harden nach außen verkündet haben, es solle lediglich der Bestand gesichert werden, hat der Campingplatzbetreiber in den letzten Monaten bereits nach und nach Altcampern und -bewohnern die Pachtverträge gekündigt, um Platz für neue Holzhäuser für eine solventere Klientel zu schaffen.“

Norbert Kloodt verweist darauf, „dass in Deutschland über 500000 Menschen in der Gemeinschaft von Camping- oder Wochenendhausplätzen leben. In der Samtgemeinde Elbmarsch sind dies etwa 700 bis 800 Menschen und auf dem Campingplatz Stover Strand etwa 330 Menschen. Dies tun sie teilweise seit über 35 Jahren.“ Mit der jüngsten Änderung des Bebauungsplans, davon ist Kloodt überzeugt, habe „die Gemeinde Drage für die Bürger auf dem Campingplatz Stover Strand eine gute und von allen Parteien getragene Lösung geschaffen“.

Kloodt: „Mit dem Mittel einer Bauleitplanung wurden das Baurecht und das Melderecht in Übereinstimmung gebracht. Durch diese Maßnahme war es unter anderem möglich, die Bewohner des Campingplatzes dauerhaft am Steueraufkommen und den Schlüsselzuweisungen der Gemeinde, der Samtgemeinde und des Kreises in Höhe von jährlich etwa 250000 Euro zu beteiligen.“

„Mit aller Entschiedenheit“ weist die SPD-Fraktion im Samtgemeinderat die Rücktrittsforderung an Norbert Kloodt zurück. Fraktionsvorsitzender Uwe Harden: „Es handelt sich um den vorerst letzten Teil eines jahrelangen Kesseltreibens, das besonders von der stellvertretenden Samtgemeindebürgermeisterin Dörte Land ausgeht.“

In der Stellungnahme der SPD-Fraktion heißt es weiter: „Es geht der Gruppe gar nicht um die Menschen auf dem Campingplatz… Es geht ihr einzig und allein darum, Norbert Kloodt zu schaden — und zwar geschäftlich wie politisch… Wir begrüßen es, wenn sich Menschen für die Allgemeinheit engagieren, die in der Gemeinde auch untenehmerisch tätig sind.“ Harden: „Wir fordern die Gruppe auf, zur Sacharbeit zurückzukehren.“