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Nachwuchs bei den Munsteraner Wölfen. Inzwischen sind Tiere aus dem Rudel mehrfach auffällig geworden, und das Ministerium sieht sich nun gezwungen zu handeln. Einer der ersten Schritte: Überwachung per Sender. Foto: ndr/sebastian koerner
Nachwuchs bei den Munsteraner Wölfen. Inzwischen sind Tiere aus dem Rudel mehrfach auffällig geworden, und das Ministerium sieht sich nun gezwungen zu handeln. Einer der ersten Schritte: Überwachung per Sender. Foto: ndr/sebastian koerner

Fachleute legen Tier aus auffälligem Rudel einen Sender an

dpa/dth Hannover/Amelinghausen. Erstmals ist ein Wolf aus dem auffälligen Rudel in Munster mit einem Sendehalsband versehen worden. Vom Umweltministerium (MU) in Hannover beauftragte Fachleute hätten dem mit einer Betäubungsspritze ruhig gestellten Tier am Montagmorgen ein Halsband mit Sender umlegen können. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums in Hannover mit.

Wiederholt hatten zuvor etwa Spaziergänger und Landwirte von Begegnungen berichtet, bei denen Tiere vom Truppenübungsplatz Munster bis auf wenige Meter herankamen. Das männliche Jungtier wurde vom Lupus Institut für Wolfsmonitoring und -forschung mit dem Sender versehen.
„Der Sender informiert unsere Experten in regelmäßigen Abständen darüber, wo sich der Wolf aufhält“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover. „Die Besenderung hilft uns, bei einem möglicherweise auffälligen Verhalten schneller mit geeigneten Vergrämungsmaßnahmen zu reagieren.“ Zweck sei es, die Wölfe auf Abstand zu halten. „In unserem Wolfsmanagement steht in jedem Fall die Sicherheit der Menschen an vorderster Stelle“, hatte Wenzel kürzlich gesagt.

Anfang Mai hatte das Ministerium angekündigt, die Überwachung des Rudels zu verstärken. Derzeit wird das Wolfskonzept des Landes aktualisiert. „Wir sind mitten drin“, sagte jetzt ein Sprecher des Ministeriums. Am 1. Juli werde das neue Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz ­(NLWKN) die Arbeit aufnehmen. Dort sollen etwa Meldungen über Nutztierrisse oder Anträge auf Entschädigung bearbeitet werden.

Mehrfach hatten die Tiere aus Munster für Schlagzeilen gesorgt. So waren im Februar sieben neugierige Wölfe einer Frau und ihren beiden Hunden unweit von Amelinghausen gefolgt. Auch durch Schreie hätten sich die Tiere nicht verscheuchen lassen. Kurz zuvor hatte ein Forstmann das Rudel aus nächster Nähe fotografiert. Zudem sorgten Wolfssichtungen in der Gemeinde Rehlingen (Samtgemeinde Amelinghausen) für Aufsehen, Einwohner hatten wiederholt von Wölfen berichtet, die bis in den Ort gelaufen seien. Daraufhin gab es in Amelinghausen zunächst interne Gespräche zwischen Samtgemeindeverwaltung, Landkreis und MU. Zuletzt informierten Vertreter des Ministeriums, der Landesjägerschaft und des NLWKN in Amelinghausen öffentlich über die weiteren Maßnahmen.

Michael Göbel, allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters in Amelinghausen, sagte auf LZ-Nachfrage: „Wir setzen die Hoffnung darauf, dass nicht nur von Bürgern über Wolfssichtungen berichtet wird, sondern dass anhand eines Bewegungsprofils zweifelsfrei und beweissicher dokumentiert wird, wie nah sich die Wölfe an die Siedlungen heranwagen.“ Auch ein verhaltensauffälliger Wolf, der im Februar in Schleswig-Holstein in eine Schafherde eingedrungen war, stammte aus Munster, wie genetische Untersuchungen ergaben.

Für neue Schärfe in der Diskussion um den Wolf hatte jüngst der vermeintliche Wolfsriss eines Fohlens bei Bispingen gesorgt. Der Verdacht bestätigte sich aber nicht. Darüber hinaus wurde zuletzt aber auch der Kritik unter ehrenamtlichen Wolfsberatern gegenüber dem bisherigen Wolfskonzepts des Landes Niedersachsen lauter.

Allein in Niedersachsen sind nach Zahlen der Landesjägerschaft mindestens 50 Wölfe unterwegs, bundesweit sollen es gut 300 sein. „Dazu kommen die in den vergangenen Wochen geborenen Welpen, das sind im Schnitt fünf pro Rudel“, sagte Wildbiologin Britta Habbe. Genaue Zahlen über den Nachwuchs lägen aber noch nicht vor. Wegen der Wölfe hat Niedersachsen eine bundesweite Meldestelle gefordert. Mehrfach waren in den vergangenen Jahren bereits Wölfe zu Forschungszwecken mit Sendern ausgestattet worden, vor allem in Sachsen und Sachsen-Anhalt.

2 Kommentare

  1. Für was das Land Geld hat (Wölfe und anderer Unfug) und für was im Gegenzuge zu wenig (Schulen, Kinder, alte Menschen, und und und) wird hier ja mehr als deutlich.
    Bin der Meinung, dass die einzigen Wölfe in Niedersachsen die vom VfL sein sollten. Und ich bin auch fest davon überzeugt, dass die ländliche Bevölkerung, die das Thema Wolf ja in erster Linie betrifft, den Wolf mehrheitlich nicht will. Klar ist auch, dass eine Reihe nicht Betroffener (in Berlin, Hannover und anderen Städten) das Land in einen „Medieval Park“ umwandeln wollen, von einem „Jurassic Park“ (noch) zu schweigen, einfach weil es so „toll“ ist.

    • realist, hier geht es nicht, was man will. der eine will sonnenschein, der andere regen. es geht hier nur um die natur, wie sie ist und nicht wie sie sein sollte. der mensch ist ein teil von ihr, der wolf aber eben auch.