Aktuell
Home | Lokales | Schlafpause für den Lunar
Horst Jäger (hier mit Elke Steinfeld) hat vor fünf Jahren auf den Lunar gesetzt, doch die Regionalwährung hat sich nicht durchgesetzt. Foto: A/t&w
Horst Jäger (hier mit Elke Steinfeld) hat vor fünf Jahren auf den Lunar gesetzt, doch die Regionalwährung hat sich nicht durchgesetzt. Foto: A/t&w

Schlafpause für den Lunar

ca Lüneburg. Vom Erfolg waren Horst Jäger und seine Mitstreiter überzeugt: Der Lunar, ein Regionalgeld, würde rund um Lüneburg viele Fans finden und sich als eine Art zweite Währung etablieren. Das war vor fünf Jahren, die Wirtschaftskrise steckte vielen in den Knochen. Heute sagt Jäger: „Wir haben es nicht geschafft, wir haben keinen Kreislauf hinbekommen.“ Doch damit sei man nicht alleine, bis auf Ausnahmen habe die Idee von einem lokalem Geldkreislauf auch anderswo in Deutschland nicht so recht funktioniert.

Das Konzept klang erfolgversprechend: Der Lunar sollte die regionale Wirtschaft und soziale Projekte unterstützen. Das Geld sollte nicht bei anonymen Hedgefonds landen, sondern vor Ort bleiben. Restaurants, die den Lunar akzeptieren, kaufen Waren bei Lieferanten vor Ort. Die wiederum können damit vielleicht einen Handwerker bezahlen. Über eine Bearbeitungsgebühr von zwei Prozent sollten der Aufwand und weitere Projekte getragen werden.
Doch während es bei Öko-Läden und Lokalen funktioniert habe, hakte es bei den Lieferanten, sagt Jäger und macht es plastisch: „Der Kartoffelbauer war zu weit weg.“ Den habe man nicht gewinnen können. So tauschten Geschäfte ihre Lunar in den Euro zurück kein Kreislauf, sondern ein schnelles „Ende“.

„Wir hatten einen Gedankenfehler“, bilanziert der Vereinschef, der hinter dem Lunar steht. Zum einen würden heute viele Menschen via Bank- und Kreditkarte zahlen, zum anderen hätten viele nicht nachvollziehen können, worin der Vorteil zum regulären Euro liegt, mit dem sie überall bezahlen können.

Lunar im Gegenwert von rund 5000 Euro waren zeitweilig im Umlauf. Der Umschlag habe aber wohl drei bis vier Mal so hoch gelegen, schätzt Jäger. Das ist nichts, wenn man es mit dem „normalen“ Geld vergleicht. Gerechnet habe sich das Ganze trotzdem. Denn der Verein habe manchen zum Nachdenken anregen können, über das Geldsystem, Wirtschaftskreisläufe und den Handel in der Region. So gebe es einen Stammtisch, der sich einmal im Monat treffe, um diese Themen zu diskutieren. Und auch die Zukunftsgenossen, die Bürgersolaranlagen betreiben, haben Wurzeln in den Ideen dieser Runde.

Entwickelt haben die Aktivisten schon längst eine andere Vision, eine neue Tauschbörse. Dort wird Zeit gehandelt. Musik gegen Einkaufen gehen oder Rasenmähen zum Beispiel. Die Software steht, doch aktiv ist die Internet-Plattform noch nicht. Jäger hofft auf eine studentische Gruppe, die sich dafür engagieren möchte.

Doch vielleicht erlebt der Lunar noch einmal eine Renaissance: „Den habe wir nur schlafen geschickt, binnen ein, zwei Monaten könnten wir ihn wiederbeleben.“ Denn angesichts der Lage der Weltwirtschaft und der Euro-Krise könne es ja sein, dass wieder eine Tauschwährung gefragt ist.

Chiemgauer und Alto
Anfang des Jahrtausends sind Dutzende Regionalwährungen gestartet. Als eine der erfolgreichsten gilt der Chiemgauer im Berchtesgardener Land, der 2003 gestartet ist. Nach eigenen Angaben machen mehr als 3000 Verbraucher und knapp 600 Unternehmen sowie 260 Vereine mit. Wer mitmacht, will offenbar auch Gutes tun, denn sein Geld verliert an Wert, die Gebühren kommen verschiedenen Projekten zugute. Das Prinzip ist bei Wikipedia zusammengefasst: Chiemgauer können danach von Verbrauchern mit einem Wert von 1:1 gegen Euro gekauft, jedoch nicht zum selben Kurs in Euro zurückgetauscht werden. Beim Rücktausch ist eine Gebühr in Höhe von 5 Prozent („Regionalbeitrag“) fällig. Von den fünf Prozent gehen 60 Prozent an einen gemeinnützigen Verein. Welcher Verein gefördert wird, bestimmt derjenige, der Euro in Regiogeld einwechselt. Die verbleibenden 40 Prozent dienen der Kostendeckung des Herausgebers.“ Die Lebensdauer ist endlich, eingetauschte Gutschein sind drei Monate gültig, wer verlängern möchte, büßt zwei Prozent des Wertes ein. Das soll für Umlauf sorgen. Ein ähnlich ambitioniertes Projekt gab es 2007 in Hamburg Altona. Doch der Alto war nur zwei Jahre im Umlauf. Die 67 Geschäfte und Vereine, die mitmachten, reichten nicht aus.