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Ministerpräsident Weil, Arbeits-Agentur-Chef Weise, und die Uni-Präsidenten Spoun und Keller beim Inkubator-Finale auf dem Lüneburger Uni-Campus vor dem Libeskind-Bau, der u.a. mit 14 Mio Inkubator-Mitteln und 21 Mio vom Land finanziert wird. Foto: jj
Ministerpräsident Weil, Arbeits-Agentur-Chef Weise, und die Uni-Präsidenten Spoun und Keller beim Inkubator-Finale auf dem Lüneburger Uni-Campus vor dem Libeskind-Bau, der u.a. mit 14 Mio Inkubator-Mitteln und 21 Mio vom Land finanziert wird. Foto: jj

OECD bescheinigt Innovations-Inkubator erfolgreiche Arbeit +++ mit Video

uni Lüneburg. Nach Ablauf der Förderungsdauer hat das EU-Großprojekt Leuphana Innovations-Inkubator laut einer Pressemitteilung der Universität seine Erwartungen mehr als erfüllt. Zu diesem Schluss kommen zwei voneinander unabhängige Untersuchungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Paris (OECD) und des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil würdigte den Inkubator am Mittwoch in Lüneburg. Die Leuphana habe dank der Förderung mit neuen, anwendungsorientierten Forschungsinitiativen der wissensbasierten Wirtschaftsentwicklung in der Konvergenzregion nachhaltige Impulse gegeben. Themen wie digitale Medien, nachhaltige Energie und Gesundheit seien erfolgreich zu Treibern eines regionalen Innovationssystems entwickelt worden, an dem fast 600 Kooperationspartner beteiligt sind, so Weil. Holm Keller, der hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana, sagte: „Das Ende der Inkubator-Förderung markiert den Beginn einer künftig noch engeren Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft in unserer Region“. Ziel ist eine weitere Verbesserung der Forschungsinfrastruktur sowie die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft.

Gestartet wurde der Inkubator 2009 als Pilotprojekt der Europäischen Union im Rahmen der EU-Lissabon-Strategie und als Anschubhilfe für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Seitdem flossen 98 Millionen Euro in diese Initiative. Zahlreiche Forschungsvorhaben an der Leuphana setzen die Arbeit fort. Der Löwenanteil der Forschungsgelder stammt mit 63 Millionen Euro von der EU, 22 Millionen Euro steuerte das Land Niedersachsen bei. Die Leuphana beteiligte sich mit 13 Millionen Euro. Allein 14 Millionen Euro vom Gesamtbudget fließen in das künftige Innovations- und Forschungszentrum der Leuphana im neuen Libeskind-Zentralgebäude. Dort entstehen mehr als 200 Arbeitsplätze.

Erfolg mit regionalem Innovationschub

Die OECD bescheinigt dem Inkubator in ihrer Studie eine erfolgreiche Arbeit mit anhaltend positiven Effekten und benennt die Felder, auf denen das Projekt punkten konnte: So sei es gelungen, mit Hilfe des Inkubators neue Innovationstreiber in der Region zu schaffen. Neben den zahlreichen Start-ups sind dies zum Beispiel Kooperationen mit international agierenden Unternehmen und NGOs. Einen weiteren Erfolg sieht die OECD-Studie im Aufbau von zusätzlichen Forschungs- und Transferkapazitäten sowie der Schaffung einer nachhaltigen Infrastruktur für die Fortsetzung dieser Aktivitäten. Die Inkubator-unterstützte Weiterentwicklung des Studien- und Universitätsmodells der Leuphana auf ein international anerkanntes Niveau wertet die Studie als weiteren bemerkenswerten Fortschritt und stellt in diesem Zusammenhang vor allem die Aktivitäten der Professional School sowie die neu entstandene Digital School der Universität heraus, die mit ihren Angeboten Pionierarbeit geleistet habe.

Mehr Arbeitsplätze geschaffen als gefordert

Insgesamt wurden durch die Zusammenarbeit mit Inkubator-Forschern 420 Arbeitsplätze in der Konvergenzregion (dem ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg) geschaffen oder gesichert. Damit liegt das Ergebnis weit über dem von der EU geforderten Wert. Unmittelbar gingen aus dem Inkubator zwölf neue Firmen hervor; die EU hatte jeweils fünf Aus- und Neugründungen zum Ziel gesetzt. Außerdem wurden über 60 weitere Gründungen inhaltlich und organisatorisch durch den vom Inkubator finanzierten Gründungsservice der Leuphana unterstützt. Weitere 20 sind in Vorbereitung.

Das Nürnberger IAB sieht auch Indizien für die Wirkung des Inkubators auf die allgemein positive Entwicklung der regionalen Wirtschaft. Das zeige sich an der Anzahl besonders forschungsintensiver Unternehmen in der Konvergenzregion, die zwischen 2008 und 2014 mit einem Plus von 4,8 Prozent deutlich zugelegt haben, während zeitgleich die Entwicklung im Land Niedersachsen zurückging (- 4,1 Prozent). Auch Westdeutschland registrierte eine negative Tendenz (- 3,6 Prozent).

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Konvergenzregion knüpft an diesen Trend an. Sie stieg von 2008 bis 2014 signifikant um 12,8 Prozent und lag ebenfalls über den Werten in Niedersachen (+ 0,6 Prozentpunkte) und Westdeutschland (+ 3,0 Prozentpunkte). Auffällig ist das starke Wachstum der Beschäftigung im Bereich „Digitale Medien“, dort besonders in der Sparte „Medien und Kultur“ (+38,7 Prozent). Der Inkubator selbst beschäftigte während der gesamten Laufzeit rund 640 Mitarbeiter/innen.

Frank-Jürgen Weise, der Vorsitzende des Vorstands der Bundesagentur für Arbeit, betont angesichts der schon jetzt erkennbaren nachhaltigen Arbeitsmarkteffekte des Inkubators das große Potential des Modells: „Das Lüneburger Projekt zeigt vorbildlich, wie Wirtschaftsförderung durch Wissenschaft gelingen kann.“

Aushängeschild „Digitale Medien“

Der Innovations-Inkubator setzte auf die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft in international und transdisziplinär ausgerichteten Kompetenztandems. In Lüneburg konzentrierten sich zwölf Tandems auf die drei Themenfelder „Digitale Medien“ (Moving Image Lab, Art and Civic Media, Grundversorgung 2.0, Hybrid Publishing Lab), „Nachhaltige Energie“ (Biokerosin, Thermische Batterie, EnERgioN) sowie „Gesundheit“ (Vernetzte Versorgung, Management-Modelle, Gesund im Beruf, GET.ON, HeaLinGo).

Allein 12 der 17 Aus- und Neugründungen und Ansiedlungen kommen aus dem Bereich „Digitale Medien“. Einige Beispiele: Die Explainity GmbH entwickelt Maßnahmen, Strategien und Werkzeuge zur Komplexitätsreduktion, vor allem Videoclips von gesellschaftlicher Relevanz. Hausmarke.TV UG produziert Videos „Dokumentarischer Werbung“. Candena GmbH vertreibt technische Lösungen zur Vermittlung von Bildungsinhalten durch Dritte (Massive Open Open Online Course-Plattform). Die Online-Plattform ADDACT GmbH bietet ein Ticketing/Crowdfunding-Modell zur fanbasierten Finanzierung von Konzerten und Tourneen. Edkimo GmbH hat eine Feedback-App für den Schulunterricht entwickelt. Zu den Förderern des Forschungsschwerpunkts „Digitale Medien“ gehören neben dem Bundesministerium für Bildung und Forschung die Robert Bosch Stiftung, die Niedersächsische VolkswagenStiftung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Insgesamt wird die Arbeit mit 9,8 Millionen Euro unterstützt.

Weitere Start-ups sind Inocas GmbH (nachhaltige Biokerosin-Produktion), Novego AG (webbasierte Unterstützung bei psychischen Erkrankungen), chem2store (Verwertung von Wärmespeichern), GET.ON Institut für Online Gesundheitstrainings GmbH und Minddistrict GmbH. Es gibt zwei patentierte Entwicklungen: den FeQuan-Sensor, der vor Rost in Brunnen und Rohrleitungen warnt, sowie die Thermische Batterie, einen kompakten Wärmespeicher für Einfamilienhäuser. Eine Ausgründung steht bevor. Die Technologie wurde im Schwerpunkt „Nachhaltige Energie“ entwickelt. Von dort kommt auch das Projekt EnERgioN. Es beschäftigt sich mit der Frage, ob und wie sich Bundeswasserstraßen als Energie-Speicher eignen, konkret etwa das Schiffshebewerk Scharnebeck und die Schleuse Uelzen am Elbe-Seiten-Kanal. GET.ON steht neben dem Spin-Off Novego im Mittelpunkt des Schwerpunkts „Gesundheit“. Elf psychologische Online-Trainings helfen bei der Prävention und Therapie psychischer Beschwerden. Ausgründung in Lüneburg ist das GET.ON Institut.

Der Inkubator bleibt eine feste Größe

Der Leuphana Innovations-Inkubator hat sich als feste Größe in der Konvergenzregion etabliert. Im Sommer 2014 wurde der Celler IT-Spezialist Delta plus Datensysteme als 500. Kooperationspartner begrüßt. 45 unterschiedliche Kooperationsformate standen zur Wahl  – vom studentischen Forschungsprojekt über Workshops, Tagungen und die Zusammenarbeit in Netzwerken bis hin zu großen internationalen Forschungs-kooperationen. Unternehmer und Forscher entwickelten gemeinsam neue Prozesse, Produkte und Dienstleistungen. Bis Juni 2015 nutzten 570 Unternehmen und Organisationen den Wissenstransfer aus der Hochschule in die Wirtschaft, davon 425 aus der Region. Die Leuphana war im „Gründungsradar 2012“ und im „Gründungsradar 2013“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft die beste Gründeruniversität unter den mittelgroßen Hochschulen Deutschlands. Rund 8.300 Vertreter regionaler Unternehmen und Organisationen nahmen an Veranstaltungen des Inkubators teil. Darüber hinaus inspirierte der Inkubator die Region Toscana und die Republik Malta zu ähnlichen Regionalprojekten.

Die Universität profitiert massiv: 550 Forscher arbeiteten während der Förderung zusätzlich an der Leuphana, davon 90 aus dem Ausland und von weltweit renommierten Universitäten wie Yale und Brown (USA) oder der Copenhagen Business School. Die Leuphana nahm durch den Inkubator 12,5 Millionen Euro Drittmittel ein. Der Inkubator hat außerdem einen nachhaltig positiven Einfluss auf die Lehrentwicklung an College und Graduate School sowie auf die Entwicklung selbsttragender Weiterbildungsformate an der Professional School.

KENUP – das neue Großprojekt

Mit KENUP beflügelt der Leuphana Innovations-Inkubator ein weiteres von der Universität angetriebenes Großprojekt, an dem 67 Partner aus 19 europäischen Ländern, dem Nahen Osten, den USA und China beteiligt sind. Ihm gehören die Regierungen von Malta und Kroatien, die Weltgesundheitsorganisation WHO, Israels Nationales Innovationsprogramm für personalisierte Medizin, Programme aus Jordanien und Palästina und einige der weltbesten Universitäten und Forschungseinrichtungen an, darunter Harvard, MIT Media Lab, die Universität Zürich oder das Weizmann Institute. KENUP will künftig Projekte vor allem aus dem Gesundheitsbereich im Rahmen des so genannten Juncker-Plans realisieren. Insgesamt soll dieser Plan zwischen 2015 und 2017 mehr als 300 Milliarden Euro mobilisieren. Kernstück des Investitionspakets ist der europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI), der die EU-Wirtschaft ankurbeln und die Arbeitslosigkeit verringern soll. EU-Mittel sollen dabei Investitionen privater Anleger in vielfacher Höhe ermöglichen.

9 Kommentare

  1. Liebesbrief an künftige Geldgeber

    „Wenn die Uni um Millionen-Projekte buhlt, das Ergebnis aber noch aussteht, kann vorab trotzdem gerne getrommelt werden. Bitte, auch in der Zeitung.“

    Hans-Herbert Jenckel am 22. Juni 2015: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/244318-spannend-ist-es-auch-hinter-der-buehne-des-leuphana-theaters

    You think that I don’t even mean
    A single word I say
    It’s only words and words are all I have
    To take your heart away

    https://www.youtube.com/watch?v=tccpGP80oik

  2. Hannes Jachmann

    Auch, wenn der kosmetische Einschub („laut einer Pressemitteilung der Universität“) etwas anderes suggeriert (oder sogar suggerieren soll), ist diese lange und in der üblichen Weise großspurig und verschwurbelt formulierte Darstellung wieder nur eine Eins-zu-eins-Kopie des werblichen „Kommunikationserzeugnisses“ aus der Leuphana-PR-Manufaktur vom 24. Juni 2015.
    (Vgl.: http://www.leuphana.de/news/pressemitteilungen/pressemitteilungen-ansicht/datum/2015/06/24/oecd-bescheinigt-innovations-inkubator-erfolgreiche-arbeit.html)

    Für mich liest sich der ganze Sermon wie der verzweifelte Versuch, eine sehr dünne Wassersuppe für eine gehaltvolle Gemüsebrühe auszugeben.

    Was heißt es genau, dass „fast 600 Kooperationspartner“ an einem regionalen Innovationssystem „beteiligt“ sind, das durch Themen wie digitale Medien, nachhaltige Energie und Gesundheit „erfolgreich“ getrieben wird? „Kooperation“ klingt nach wechselseitig gewinnbringender Zusammenarbeit. Wie sieht die aus? Handelt es sich um 600 Firmen und Betriebe, die ganze Armeen von neuen Mitarbeitern eingestellt haben, weil sie mit „innovativen“ Geschäftsideen an den Markt gehen konnten? Oder handelt es sich um 600 ältere Herren, die bei Banketten des Fördervereins ihr Wohlwollen darüber bekunden, dass Lachshäppchen und Blätterteig-Canapés auf appetitlichen Silberplatten mundgerecht angerichtet sind?

    „Durch die Zusammenarbeit mit Inkubator-Forschern“ wurden in sechs Jahren (!) „420 Arbeitsplätze in der Konvergenzregion (dem ehemaligen Regierungsbezirk Lüneburg) geschaffen oder gesichert“? Wieviele davon fielen auf die „550 Forscher“, die „während der Förderung zusätzlich an der Leuphana“ arbeiteten?

    „Unmittelbar gingen aus dem Inkubator zwölf“ (oder doch „siebzehn“, wie es drei Absätze später heiß?) „neue Firmen hervor“? Keines der genannten sehr kleinen Unternehmen (Explainity GmbH, Hausmarke.TV UG, Candena GmbH, ADDACT GmbH, Edkimo GmbH, Inocas GmbH, Novego AG, chem2store, GET.ON GmbH und Minddistrict GmbH) hat bisher den Nachweis erbracht, dass es am Markt wettbewerbs- und überlebensfähig ist.

    „Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Konvergenzregion stieg von 2008 bis 2014 signifikant um 12,8 Prozent“? Die Zahl der Hundehalter stieg im gleichen Zeitraum um 4,3 Prozent. Wie – in beiden Fällen – lässt sich ein Zusammenhang mit der Existenz des Inkubators plausibel nachweisen?

    Über sechs Jahre sind von der EU und vom Land 98 Millionen Euro „als Anschubhilfe für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft“ in den „Inkubator“ gepumpt worden. Diese Quelle versiegt am Ende des Monats. Man hat das „Forschungspersonal“ an der Hochschule aufgebläht, jede Menge Hände geschüttelt und ein tolles „Netzwerk“ von Kontakten geschaffen. Am Ende des erwähnten OECD-Berichts werden – in der Leuphana-Pressemitteilung natürlich ausgesparte – kritische Fragen gestellt: Man habe „tausend Blumen blühen lassen“, aber nun sei ungewiss, wie man den so geweckten großen Erwartungen in Zukunft gerecht werden wolle. Was, wenn mit den Mitarbeitern, die man entlassen müsse, und den Projekten, die man aufgeben müsse, sobald das Geld ausbleibe, auch die „Beziehungen“ zu den „Kooperationspartnern“ verschwänden? Habe man einen Plan für die Zeit danach? Habe man Prozesse „institutionalisiert“, also von Personen unabhängig gemacht? Gebe es kurzfristigere Finanzierungspläne? Ein neues „Paradigma“ der Mittelbeschaffung? Seien Ziele, Zeitpläne und Handlungsfolgen umsichtig bedacht? Gebe es genügend solide Verbindungen in die Wirtschaft, um „nachhaltige Projekte“ weiter finanzieren zu können? Habe die Universität die „Kapazität“ und den „langen Atem“, um innerhalb ihres „fragilen oder inexistenten regionalen Innovationssystems“ Entwicklungspfade aufzuzeigen, zu bahnen und zu verfolgen?

    An einer Stelle wird in der Leuphana-Pressemitteilung oben gesagt: „Allein 14 Millionen Euro vom Gesamtbudget fließen in das künftige Innovations- und Forschungszentrum der Leuphana im neuen Libeskind-Zentralgebäude. Dort entstehen mehr als 200 Arbeitsplätze.“ Entstehen? Also 200 neue Arbeitsplätze im „künftigen Innovations- und Forschungszentrum“? Bei einem Durchschnittsjahresverdienst von 60.000 Euro müsste man also 12 Millionen Euro jährlich allein an Gehältern zusätzlich aufbringen. Mir war nicht bekannt, dass allein schon das Errichten eines Gebäudes genügt, um solche Summen zu generieren.

    Das Resümee all dessen lieferte Hans-Herbert Jenckel schon am 17. März 2015, als er geschrieben hat:

    „So weit, so gut. Doch Symbol dieser Wende, unübersehbar und übermächtig, ist der Libeskind-Bau. Er soll der Höhepunkt der Entwicklung werden. Und da sind wir wieder bei der Brandgefahr: Am Ende geht es nicht mal um die Frage, ob dort ein sensationelles Gebäude auch fertig wird, das Lüneburg-Gäste bewundern. Dafür wird es nicht gebaut. Es stellt sich die Frage, ob das Innenleben später dem Anspruch der Hülle gerecht werden kann. Es stellt sich die Frage, ob die Stiftungs-Universität so viel Kapital bei Mäzenen einsammelt, dass auch nach Wegfall der EU-Förderung im Sommer das große Rad in Forschung und Lehre gedreht werden kann, das Audimax mit Kongressen und Konzerten ausgebucht ist. Die Hülle, sie ist nur ein Versprechen.

    Jeder, der die Hand in Stadtrat, Kreistag und Landtag gehoben hat, den Löwenanteil der externen Baufinanzierung dadurch gesichert hat, ist damit auch Bürge für die Erfüllung dieses Versprechens. Liebe Politiker, wenn es gelingt, könnt Ihr sagen, Ihr seid dabei gewesen. Wenn es missllingt, suchen Euch lange Albträume heim.“

    (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/222989-lueneburgs-stadtrat-und-kreistag-buergen-mit-fuer-den-erfolg-des-leuphana-libeskind-abenteuers)

    • Wenn es missllingt, suchen Euch lange Albträume heim.“
      kaum, sie werden sich nicht einmal vom acker machen. wer sich auf kosten anderer irrt, wird dabei nun mal nicht arm.

  3. Paulina von Essen

    „Mit KENUP beflügelt der Leuphana Innovations-Inkubator ein weiteres von der Universität angetriebenes Großprojekt“?

    Wenn ich lese, dass diesem „Projekt“ unter anderen „die Regierungen von Malta und Kroatien, die Weltgesundheitsorganisation WHO, Israels Nationales Innovationsprogramm für personalisierte Medizin, Programme aus Jordanien und Palästina und einige der weltbesten Universitäten und Forschungseinrichtungen angehören, darunter Harvard, MIT Media Lab, die Universität Zürich oder das Weizmann Institute“ wird mir übel.

    Das ist bewusst irreführende Reklamesprache, die mit großen Namen andeuten möchte, sie habe den Rückhalt ganzer Länder oder bedeutender Universitäten.

    Tatsache ist, dass nur einzelne Personen oder Personengruppen, die in diesen Ländern leben oder bei diesen Institutionen beschäftigt sind, ihre Mitarbeit unter bestimmten Bedingungen signalisiert haben. Eine der Hauptbedingungen ist, dass Geldquellen aus Fördertöpfen angezapft werden können.

    „KENUP will künftig Projekte vor allem aus dem Gesundheitsbereich im Rahmen des so genannten Juncker-Plans realisieren.“

    Das ist richtig. KENUP möchte das gerne. Ob der lockere Verbund aber an einzelene kleine Teilprojekte tatsächlich auch herankommen wird und somit auch die Chance erhält, kleine, sehr bescheidene Teilsummen dieses „Plans“, der „zwischen 2015 und 2017 mehr als 300 Milliarden Euro mobilisieren“ soll, zu „gewinnen“, ist noch lange nicht spruchreif.

  4. Sehr Schade, es wird mit dem Auslaufen der Förderung zu einem Brain-Drain gewaltigen Ausmaßes an der Leuphana kommen. Aber, wie Markus Burkhardt, der nach München wechselt, im Video ganz richtig sagt, als Wissenschaftler folgst du den Geldströmen und damit den Möglichkeiten, deine Arbeit weiter zu führen. Das Leuphana-Management hat es versäumt, mit dem zeitlich begrenzten Fördermittelzustrom rechtzeitig die nachhaltigen Voraussetzungen für Anschlussfinanzierungen und Projektkontinuitäten zu schaffen. Jetzt hat man viel Beton im Vorgarten stehen, aber die Köpfe sagen Tschüss — und nicht auf Wiederseh´n.

  5. Das neue Großprojekt

    KENUP? Schon am 10. Dezember 2014 wurde um 15:50 Uhr von einem Kommentator unter der Überschrift „Suboptimallativ“ festgestellt:

    „Nachdem die Leuphana, KENUP und Holm Keller, „kenup’s designated CEO“ (Leuphana Website), mit ihrer KIC-Bewerbung gestern, am 9. Dezember 2014, eine krachende Bauchlandung in Budapest hingelegt haben und die 1,6 Milliarden Euro nun – ohne Zwischenstopp in Lüneburg – in andere Kanäle (InnoLife und RawMatTERS) fließen und folglich auch eine „mit vielen EU-Millionen gut gepolsterte eigenständige Gesellschaft mit Holm Keller als Chef“ bloßes, heißluftgetriebenes Wunschballonieren bleibt („Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder.“), lauten die nächsten beiden spannenden Fragen wohl: Als welch superlativisch-gigantomaner Erfolg wird uns das vollständige Scheitern des Hoch-hinaus-Ensembles von gestern auf internationaler Bühne demnächst wohl vom Leuphana-Marketing verkauft? Und wie groß wird im nächsten Jahr der sicher „achtsam“ und „nachhaltig“ gefertigte Projekt-Adventskranz auf der noch sehr lange nicht zu Ende finanzierten Neubauruine am Bockelberg? (RE: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/193557-die-leuphana-gibt-das-stueck-hoch-hinaus)“

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/204889-lueneburgs-weihnachtliche-superlative-und-der-neidfaktor

    Und am 23. März 2015 um 21:43 Uhr hat ein Herr Helmut Lindner über Holm Kellers Versuch, an Mittel aus dem sogenannten „Juncker-Plan“ zu kommen, geschrieben:

    „Dass der Theaterwissenschaftler und „hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana Universität“ Holm Keller der richtige Mann ist, den Ausschüssen für Haushalt, Wirtschaft und Währung des Europäischen Parlaments „ein Interventionssystem“ vorzustellen, wie über den Europäischen Fonds für Strategische Investitionen Mittel im Umfang von 300 Milliarden Euro zu platzieren sind, und womöglich in leitender Funktion und mit einer reich mit Gold und Platin betressten Phantasieuniform und Spendierhosen angetan diese „Platzierungen“ auch „umzusetzen“, steht angesichts seiner herausragenden Leistungen bei der Finanzierungsplanung für den Libeskind-Bau in Lüneburg sicher nicht nur bei Peter Clever, sondern gewiss auch bei allen anderen 430 cleveren Mitgliedern dieser EU-Ausschüsse ganz außer Zweifel.“

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/223923-kenup-konsortium-der-leuphana-universitaet-bekommt-rueckenwind#comment-40145

    Kevin Schnell

  6. Krise als Chance

    Vielen Dank an die LZ. Im Unterschied zum verblasenen Reklametext von Henning Zühlsdorff macht das Video ja, Gott sei Dank, einigermaßen deutlich, worum es geht. Man hat in den vergangenen Jahren viel fremdes Geld ausgegeben und hofft nun, dass die derart bewiesene Fertigkeit zur Umwandlung von Pecunia- in Renommier-Energie andere Unterstützer dazu verleitet, diesen Spendierbetrieb der akademischen Selbstvermarktung mit neuen „Investitionen“ am Laufen zu erhalten.

  7. Quo vadis Leuphana

    Ein schönes Beispiel dafür, wie man eine Beerdigungsfeier als ein Aufbruchs- und Motivationsevent gestaltet.

    Was nun?

    Fragt Hilmar Kersting

  8. OECD Bescheinigung

    Okay, ein Abgangszeugnis mit festlich gerundeter Schlussformel hat man jetzt:

    „Das Ausscheiden der Leuphana bedauern wir sehr und danken ihr für die geleistete, erfolgreiche Arbeit und die jederzeit gute Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünschen wir der Hochschule und den Hochschulangehörigen beruflich und persönlich alles Gute.“

    Nun gilt es, sich an dem Ort zu bewähren, „an dem die Nachfrage nach Arbeitskräften mit dem Selbstangebot von Arbeitskräften zusammentrifft“: am Markt.