Aktuell
Home | Lokales | Hilfe für Schwangere in Not
Die vertrauliche Geburt ist ein Hilfsangebot für Schwangere in Notlagen.  Mit einer Plakat-Aktion wollen es (v.l. vorne)  Monika Kunz und Sabine Storck sowie  (v.l. hinten) Corinna Heider-Treybig und Nell Bickel noch bekannter machen. Foto: be
Die vertrauliche Geburt ist ein Hilfsangebot für Schwangere in Notlagen. Mit einer Plakat-Aktion wollen es (v.l. vorne) Monika Kunz und Sabine Storck sowie (v.l. hinten) Corinna Heider-Treybig und Nell Bickel noch bekannter machen. Foto: be

Hilfe für Schwangere in Not

as Lüneburg. Für Schwangere in Notlagen hat die Bundesregierung 2014 ein Hilfsangebot auf den Weg gebracht. „Ziel der sogenannten vertraulichen Geburt ist es, die für Mutter und Kind riskanten heimlichen Geburten zu vermeiden und gleichzeitig zu verhindern, dass Neugeborene ausgesetzt oder sogar getötet werden“, sagt Sabine Storck, Leiterin von pro familia. Anerkannte Beratungsstellen vor Ort sind neben pro familia die Caritas und donum vitae. Mit einer Plakat-Kampagne wollen sie nun gezielt dazu informieren.

Mit dem Modell der vertraulichen Geburt werden Frauen unterstützt, die ihre Schwangerschaft geheimhalten wollen. „Zum Beispiel, weil sie Angst haben vor einem Ex-Partner oder aufgrund einer bedrohlichen familiären Situation“, erläutert Monika Kunz von der Caritas. Die vertrauliche Geburt ermöglicht ihnen, dass sie zwar ihre Identität nicht offenbaren müssen, aber in einer Klinik sicher entbinden können.

Die Bundesregierung hat dazu per Gesetz ein zweistufiges Verfahren vorgegeben: Die Schwangere wendet sich an eine Beratungsstelle und erhält erst einmal eine umfassende Darstellung von möglichen Hilfen. Wenn danach feststeht, dass sie sich nicht offenbaren möchte, wird sie zur vertraulichen Geburt beraten. „Die Frau muss nur ein Mal ihre Identität lüften, Name, Geburtsdatum und Wohnort angeben. Das wird auf einem Herkunftsnachweis hinterlegt. Danach wird sie unter einem selbstgewählten Pseudonym beraten und begleitet. Wir melden sie unter diesem Pseudonym dann in einer Klinik an“, schildert Nell Bickel von donum vitae. Mit dieser Regelung soll verhindert werden, dass verzweifelte Frauen heimlich gebären und danach keine andere Möglichkeit sehen, als zum Beispiel ihr Kind in einer Babyklappe auszusetzen.

Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstellen haben eine spezielle Fortbildung durchlaufen. Sie sorgen zudem dafür, dass die Frauen in der Klinik ihre Ano-nymität wahren können und nehmen Kontakt zum Jugendamt auf. „Denn das Jugendamt muss die Vormundschaft einleiten, weil das Neugeborene keinen gesetzlichen Vertreter hat und ist zuständig für das Verfahren zu einer Adoption“, macht Corinna Heider-Treybig von pro familia deutlich.

Der Herkunftsnachweis wird nach der Geburt verschlossen an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben geschickt, das vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert wird. Wenn das Kind 16 Jahre alt ist, kann es sich dorthin wenden und die Identität der Mutter erfahren. „Durch dieses Angebot ist die medizinische Versorgung von Mutter und Kind also gesichert. Die Kosten für eine vertrauliche Geburt sowie die Vor- und Nachsorge in einer Klinik oder mit einer Hebamme werden vom Amt erstattet“, fassen die Vertreterinnen der Beratungsstellen zusammen. Bundesweit haben seit der Einführung 95 Frauen die Regelung zur vertraulichen Geburt in Anspruch genommen, in Lüneburg bisher eine Frau, die sich zuvor im Internet unter www.geburt-vertraulich.de informiert und dann an pro familia gewandt hatte. Das Angebot soll nun breiter bekannt gemacht werden. Plakate mit der kostenlosen Hotline werden unter anderem bei Frauenärzten, Hausärzten, in Schulen und Jugendzentren in den kommenden Tagen ausgelegt. Finanziell unterstützt wird dies vom Zonta-Club. Die Beratungsstellen vor Ort sind unter Tel. 400500 (Caritas), Tel. 6030220 (donum vitae) und Tel. 34260 (pro familia) zu erreichen.