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Fotosimulation von der Kreuzung Mühlenstraße/Hamburger Landstraße bei Bardowick mit den geplanten acht 200 Meter hohen Windkraftanlagen/Windrädern in nordwestlicher Blickrichtung. Die Windräder wurden hier grau anstatt weiß eingefärbt, um sie deutlicher hervorzuheben. Foto: planungsbüro elbberg/nh
Fotosimulation von der Kreuzung Mühlenstraße/Hamburger Landstraße bei Bardowick mit den geplanten acht 200 Meter hohen Windkraftanlagen/Windrädern in nordwestlicher Blickrichtung. Die Windräder wurden hier grau anstatt weiß eingefärbt, um sie deutlicher hervorzuheben. Foto: planungsbüro elbberg/nh

Windpark am Bardowicker Horizont

dth Bardowick. „Wo ist der Spielraum der Gemeinde und wo liegen die Pflichten?“ Vor rund 50 Zuhörern in der Aula der Oberschule Bardowick erläuterte Architekt Gerd Kruse bei der Bauausschuss-Sitzung des Fleckens den anstehenden Bebauungsplan, der die Ansiedlung eines Windparks nordwestlich des Ortes regeln soll. Vorgesehen hat der Landkreis Lüneburg in seinem Regionalen Raumordungsprogramm dort eine Vorrangfläche von 134 Hektar. Elf Windkraftanlagen mit einer Höhe von 200 Metern hätten da Platz. Acht Anlagen sind geplant vom Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) und von der Samtgemeinde Bardowick. Der Flecken Bardowick will die Belange der Bürger aufnehmen und bei der Planung berücksichtigen. Einige Anregungen hatte die Bürgerinitiative „Windkraft in der SamBa“ bereits parat.

Parallel soll von der Samtgemeinde auch der Flächennutzungsplan den Bedürfnissen entsprechend geändert werden. Der vom Flecken engagierte Planer Gerd Kruse erklärte, dass man eigentlich den übergeordneten F-Plan abwarten würde, ein Bebauungsplan wäre hier nicht notwendig, sei aber dazu geeignet, das Baurecht für Windkraftanlagen einzuschränken: Kruse: „Die Gemeinde tut gut daran, das zu regeln.“ Zugleich nahm er den Gemeinderat in Schutz: „Es geht beim Bebauungsplan nicht um eine Genehmigung eines Windparks, sondern um eine Eingrenzung.“

Der Bebauungsplan kann die Standorte der geplanten Windkraftanlagen koordinieren, Anzahl und Höhe begrenzen. Auch Vorgaben für die Gestaltung seien möglich. Die Einschränkungen dürften aber keine „Verhinderungsplanung“ darstellen, die Wirtschaftlichkeit des Windparks müsse gewährleistet werden. Und damit relativiert sich wieder der Einfluss der Gemeinde.

Kruse: „An der Nordseeküste könnte man auch mit 120 Meter hohen Anlagen ordentlich Ertrag machen.“ Im Binnenland wäre so eine Höhe Verhinderungsplanung. Ähnliche Erfahrungen hatte der Flecken bereits mit einem privaten Investor gemacht. Auf einem Teil der heutigen Vorrangfläche existiert bereits ein alter Bebauungsplan. Die Gemeinde hatte 2011 versucht, mit einem Bebauungsplan den Bau von fünf Windrädern eines Oldenburger Projektentwicklers zu reglementieren. Anstatt der beantragten 145 Meter wollte die Verwaltung nur 100 Meter zulassen — vergeblich. Jetzt hat sich der Wind gedreht, tritt die Samtgemeinde selbst mit dem Bauernverband als Projektentwickler von acht Anlagen auf. Für Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) könnte das zum politischen Spagat werden. Er ist einer von drei Geschäftsführern der Projektentwicklungsgesellschaft und vertritt gleichzeitig als Gemeindedirektor die Interessen des Fleckens und seiner teils sehr kritischen Bürger.

Das Planungsbüro Elbberg zeigte in Fotosimulationen an sechs verschiedenen Standorten in Bardowick, wie sich die acht Windräder auf das Landschaftsbild aus Bardowicker Perspektive auswirken würden. So würden die Windräder etwa von der Ilmenau an der Bardowicker Klappbrücke aus gesehen in Richtung Altdorf und Dom teilweise mit dem Rotor über die Baumwipfel und Bebauung ragen.

Kruse: „Südlich der Bahnstrecke haben wir keinen Standort gefunden, an dem die Windräder zu sehen wären.“ Kruse zeigte zudem erste Abschätzungen bei Schallimmissionen und Schattenwurf, die die Grenzwerte einhielten. Die Präsentation soll auf www.bardowick.de veröffentlich werden.

Bei der Einwohnerfragestunde nahm der Ausschuss Hinweise auf Rotmilanvorkommen entgegen sowie die Bitte, zu prüfen, inwiefern sich die Lärmbelastung von Windrädern mit Autobahn und Bahnstrecke summieren könnten. Hans-Peter Luther von „Windkraft in der SamBa“ versorgte die Politik mit Unterlagen zum Entwurf des Windenergieerlasses des Landes und sammelte Unterschriften gegen den Windpark.