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Von ihren vormals ehrgeizigen Plänen zum Breitbandausbau rückt die Lüneburger Kreisverwaltung zusehends ab. Foto: A./t&w
Von ihren vormals ehrgeizigen Plänen zum Breitbandausbau rückt die Lüneburger Kreisverwaltung zusehends ab. Foto: A./t&w

Kreis will Breitbandstrategie ändern

dth Lüneburg. Von ihren vormals ehrgeizigen Plänen zum Breitbandausbau rückt die Lüneburger Kreisverwaltung zusehends ab. Ursprünglich hatte der Landkreis anhand einer Machbarkeitsstudie den flächendeckenden Glasfaserausbau für schnelle Internetzugänge ins Visier genommen. Bis zu 70 Millionen Euro sollten dafür bei der maximalen Ausbauvariante fällig werden. Landrat Manfred Nahrstedt fürchtete zuletzt angesichts solcher Summen um die Genehmigung des Kreisetats, wenn das Projekt starten würde. Nach dem mehrmaligen Vorsprechen von Telekom-Vertretern in den vergangenen Monaten ist der Kreis nun kurz davor, die ursprüngliche Strategie über den Haufen zu werfen. Mit einem externen Partner könne der Ausbau wesentlich günstiger zu haben sein, heißt es. Die Rede ist von 10 bis 20 Millionen Euro, die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke.

Die Breitbandstrategie des Landkreises war ebenfalls Thema der gestrigen Sitzung (Dienstag, 30. Juni) im öffentlichen Wirtschaftsausschuss des Kreistags.

Die Kooperationsvereinbarung, die die Kommunen im vergangenen Jahr mit dem Kreis geschlossen haben, können sie sich an den Hut stecken, sollte die neueste Beschlussempfehlung der Kreisverwaltung von den Kreistagsabgeordneten mitgetragen werden. Mit der Vereinbarung hatten die meisten Kommunen die Aufgabe des Breitbandausbaus in ihren Gebieten auf den Landkreis übertragen. Manche ohnehin mit gezügelter Begeisterung, andere suchten bereits auf eigene Faust parallel nach Alternativen wie die Samtgemeinde Amelinghausen. Auch in Mechtersen oder Barum setzten zuletzt die Fliehkräfte ein.

Jetzt soll ein externer Partner den Ausbau übernehmen. Und der unrentable Teil, die Wirtschaftlichkeitslücke, „soll vom Landkreis Lüneburg und den betroffenen Kommunen je zur Hälfte finanziert werden“. So lautet ein Kernsatz der neuen Strategie. Lüneburgs Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer sagt: „Die Wirtschaftlichkeitslücke hat den Vorteil, dass unser Risiko klar definiert und begrenzt ist.“ Allerdings würde dem Kreis dann auch das aufgebaute Netz nicht gehören. Ziel sei eine Breitband-Abdeckung mit mindestens 30 MBit/Sekunde für mindestens 95 Prozent der Anschlüsse.

Die Idee, dass sich, wie zwischenzeitlich gedacht, Erfolgsmodelle wie der anlaufende Breitbandausbau in der Samtgemeinde Elbmarsch als Vorbild erweisen könnten, ist aus Sicht der Kreisverwaltung offenbar wie eine Seifenblase geplatzt. Zwar hatte der kommunale Eigenbetrieb „ElbKom“ es geschafft, in wenigen Monaten eine Vorvermarktungsquote von fast 60 Prozent zu realisieren. Jedoch ist die Kreisverwaltung pessimistisch, das auf Landkreisebene wiederholen zu können. Dazu Krumböhmer: „Wir glauben nicht, dass wir die 60 Prozent auch nur annähernd kriegen würden, um eine Wirtschaftlichkeit herzustellen.“ In der Sitzungsvorlage heißt es außerdem: „Im Landkreis Lüneburg ist jedenfalls die begeisterte Unterstützung der betroffenen örtlichen Ebene nicht spürbar. Die Hürde, im ganzen Ausbaubereich durchschnittlich 60 Prozent der potenziellen Anschlüsse vertraglich zu binden, erscheint unüberwindlich.“

In der vergangenen Woche hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies mitgeteilt, dass das Land vom Bund zusätzlich 57 Millionen Euro für den Breitbandausbau erhält. Lies:
„Damit verdoppelt sich die Fördersumme der 2014 gestarteten Breitbandoffensive des Landes auf rund 120 Millionen Euro.“ Wie sich das auf den Landkreis Lüneburg herunterrechnen lässt, konnte Erster Kreisrat Krumböhmer noch nicht beantworten, „weil sich das auf verschiedene Quellen und Ansprechpartner verteilt“.

Die endgültige Umsetzung der Lüneburger Breitbandstrategie soll erst begonnen werden, wenn die Nutzung der Förderungen von Bund und Land gesichert ist.

6 Kommentare

  1. Besonders schön finde ich das Suchergebniss auf dem Bildschirm 😉

  2. Wenn ich bedenke für welchen Schnotter so alles Geld in Stadt und Landkreis ausgegeben wird, kann man sich echt nur noch wundern. Dabei sieht die trockene Wahrheit doch so aus: Die Jüngeren zieht es vom Land dort hin, wo es brauchbare Internetanschlüsse gibt. Was bleibt sind verwaiste bzw. vergreiste Landstriche, deren Infrastruktur zwangsweise stirbt. Es gibt derzeit folglich kaum eine sinnvollere Investition, als die in die Internet-Infrastruktur.

    • Ist doch toll. Dann drängeln sich eben all die neureichen Digital-Commerce-Gentrifizierer mit ihrem hippen Equipment in einen Chat-Room in Bienenbüttel und die Handwerker und Straßenbauarbeiter, die noch Wert auf echte Foto-Tapeten an realen Wänden legen, können sich endlich eine Fünf-Zimmer-Wohnung im Roten Feld leisten.