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Alarmiert worden sind am Sonntag auch die Boote der Bleckeder Feuerwehren. Zwei Schwimmerinnen waren in die Strömung der Elbe geraten und kamen aus eigener Kraft nicht ans Ufer zurück. Foto: Feuerwehr
Alarmiert worden sind am Sonntag auch die Boote der Bleckeder Feuerwehren. Zwei Schwimmerinnen waren in die Strömung der Elbe geraten und kamen aus eigener Kraft nicht ans Ufer zurück. Foto: Feuerwehr

Lebensgefahr in der Elbe

off Alt Garge. Rettungseinsatz auf der Elbe bei Alt Garge: Trotz Warnungen hatte eine 48 Jahre alte Urlauberin am Sonntag versucht, den Fluss Richtung Osten zu durchschwimmen, und geriet in der Strommitte in Not. Eine 26-jährige Strandbesucherin versuchte, der Frau zu helfen — bekam allerdings ebenfalls Schwierigkeiten. Zwei Polizeireiterinnen bemerkten die Hilferufe und alarmierten die Rettungskräfte. Gleichzeitig gelang es den Beamtinnen, einen Schlauchboot-Besitzer am Ostufer auf die Notsituation aufmerksam zu machen, der die beiden Frauen — entkräftet, aber gesund — zurück ans Ufer brachte.

Dieses Mal sind die Schwimmerinnen mit dem Schrecken davongekommen. Doch Polizei und DLRG warnen: „Auch wenn es nicht verboten ist, raten wir vom Schwimmen in Gewässern ab, die für die Berufsschifffahrt benutzt werden und wo zum Teil sehr hohe Fließgeschwindigkeiten herrschen.“ Wo die Gefahren beim Baden in der Elbe lauern und wie man sich in welcher Situation verhalten sollte, erklärt der Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe in Alt Garge, Roland Siewert.

  • „Die größte Gefahr beim Schwimmen in der Elbe ist die Strömung“, sagt Siewert, „und auch wenn die Elbe gerade harmlos aussieht, haben vor allem ungeübte Schwimmer kaum eine Chance, sich alleine daraus zu befreien.“
  • Eine weitere Gefahr sind die Schiffe und Sportboote. „Die können einen Schwimmer schnell mal übersehen, und eine Kollision kann schlimme Folgen haben.“
  • Aufgrund des aktuellen Niedrigwassers in der Elbe, „ist das Wasser sehr trüb“, sagt Siewert. Das bedeutet, „wenn jemand untergeht, ist er nicht mehr zu sehen“.
  • Wer am Ufer auf eine hilflose Person im Wasser aufmerksam wird, „sollte nicht einfach hinterherschwimmen“, sagt Siewert. „Denn dann sind ganz schnell zwei Personen in Not.“ Stattdessen sollte ein Notruf abgesetzt werden. „Außerdem kann man Ausschau halten nach Booten in der Nähe, die den abgetriebenen Schwimmern eventuell zur Hilfe eilen könnten.“
  • Wer selbst in die Strömung gerät, sollte zunächst Ruhe bewahren und mit der Strömung schwimmen. „Viele versuchen gegen die Strömung anzukämpfen und dorthin zurückzuschwimmen, wo sie herkommen“, sagt Siewert. „Doch das ist selbst für geübte Schwimmer unmöglich.“ Wer sich allerdings mit der Strömung treiben lässt, „hat genug Schwung und die Chance, so an einer späteren Stelle wieder ans Ufer zu kommen.“
  • Da sich rund um die Buhnenköpfe oft Strudel bilden, „sollte dieser Bereich grundsätzlich gemieden werden“.
  • Wer nicht darauf verzichten möchte, sich in der Elbe abzukühlen, „sollte nicht viel weiter als knietief ins Wasser gehen und zwischen den Buhnenköpfen bleiben“, sagt Siewert. Der DLRG-Vorsitzende warnt außerdem davor, Kinder auf Luftmatratzen oder mit Schwimmtieren in die Elbe zu lassen. „Da besteht die Gefahr, dass sie abgetrieben werden und in die Strömung geraten.“
  • Wer kein Risiko eingehen möchte und sich bei den bevorstehenden hochsommerlichen Temperaturen trotzdem abkühlen möchte, für den hat Roland Siewert auch einen Tipp parat: „Verzichten Sie auf das Schwimmen in der Elbe und kommen Sie ins Waldbad Alt Garge!“

4 Kommentare

  1. Karsten Hilsen

    Irgendwie muß ich jahrelang in einer anderen Elbe geschwommen sein.
    Ich fand die Strömung in der Elbe ist weder besonders stark noch reißend, sondern (im Sommer) ruhig und träge.
    Ich bin selber dutzende Male quer über die Elbe geschwommen und dutzende Male an allen möglichen Stellen zum Grund getaucht um die Beschaffenheit zu prüfen. Ich habe an dutzenden Buhenköpfen nach den sagenhaften „Strudeln“ gesucht bin eben dutzende Male um die Buhnenköpfe herumgeschwommen, und habe in vielen Jahren des Schwimmens in der Elbe keinen einzigen gefunden. Und ich schreibe nicht aus dem Jenseits- ich lebe noch. Das Wasser der Elbe ist wunderbar frisch und weich, ich finde es ausgesprochen anregend und interessant von dem Bereich zwischen den Buhnen, in dem keinerlei Strömung ist (aber der Grund oft stark schlickig) in die Strömung zu schwimmen, und mich sanft mitziehen zu lassen. Im Strom gibt es manchmal das Phänomen, daß das Wasser plötzlich kalt wird.
    Dann gelangt durch die Strömung, z.b über einer Untiefe kühleres Tiefen-Wasser an die Oberfläche.
    Ist ungewohnt, wenn man damit nicht rechnet, aber daß man davon einen „Herzschlag“ kriegt, dürfte auch zu den Mythen gehören.
    Grundsätzlich ist die Elbe im Stömungsbereich meist kühler, als in den Flachen, stehenden Bereichen zwischen den Buhnen.
    Schwimmen ist IMMER irgendwie lebensgefährlich, vor allem wenn man seine Kräfte übererschätzt. Und die Elbe ist beim durchschwimmen allerdings vieel breiter, als sie vom Ufer aus aussieht.
    Wichtig finde ich die Warnung vor Schiffen: Von einem Schwimmer, guckt nur der Kopf aus dem Wasser, der ist von Schiffen aus kaum zu sehen. „Dickschiffe“ pflügen mit Mofageschwindigkeit durchs Wasser.
    Und ich fand es ist keineswegs grundsätzlich „Unmöglich“ gegen die träge Elbströmung anzuschwimmen. Nur sehr anstrengend. Auch das habe ich mehrfach ausprobiert: Als durchschnittlicher Schwimmer konnte ich mich immer ca 5-10min lang gegen die Strömung auf der gleichen Höhe halten. Z.b. vor einem der Buhnenköpfe. (Die Gefahr sind da Steine unter Wasser, an denen man sich stoßen kann).
    Und ich war immer in der Lager die Buhnenköpfe gegen die Strömung zu umschwimmen. (Ist allerdings wirklich anstrengend, nette Fittness-Übung. Wegen der div. Steine unter Wasser ist waten da ziemlich blöd, aber auch nicht unmöglich.
    Daß man durch die Elbe durchwaten könne, ist übrigens auch ein Mythos. Zwar ist sie in diversen Bereichen im Sommer kaum Knietief, aber im Bereich der sog.Fahrrinne, fand ich zwischen Lauenburg und Gorleben auch bei extrem niedrigen Pegeln immer auch Bereiche, die ca 2,20 bis 2,50m tief waren.

    • der bericht über die elbe stimmt. ich kann da vor übermut nur warnen. ich wäre vor 40 jahren dort beinah ertrunken. die strudel gibt es wirklich. die strömung ist unterschiedlich stark. es kommt auf den wasserstand und die windrichtung an.

      • Karsten Hilsen

        @Klaus Bruns:
        „die strudel gibt es wirklich“(…)
        Nein! es ist lange an der Zeit diesen Grusel-Mythos endlich zu begraben.
        Bei ca. drei Kilometer Strömungsgeschwindigkeit in der Stunde, (bei dem üblichen Sommer-Niedrigwasserstand) ist das Auftreten von derlei Erscheinungen physikalisch schlicht nicht möglich.
        Die kreisförmigen Wasserbewegungen an den Buhnenköpfen sind so träge, daß sie niemals einen Schwimmer „in die Tiefe“ ziehen können.
        Natürlich habe ich die Elbe bei Hochwassern auch schon gurgeln gesehen, wie ein Wildwasserbach. (an den Brückenpfeilern der Lauenburger Elbbrücke) Aber da badet niemand im Strom und da sind die Buhnenköpfe auch komplett unter Wasser.
        Der Hinweis auf den Wind ist zutreffend.
        In einigen Bereichen, z.b. unterhalb von Lauenburg bis Artlenburg, kann es vorkommen, daß der vorherrschende Westwind genau gegen die Strömung steht. Dann „Kocht“ das Wasser dort regelrecht.
        Es bilden sich kurze überbrechende Wellen mit weißen Schaumkronen.
        Im Sommer, bei Hochdruckwetterlagen kommt der (schwache )Wind hingegen meist aus östlichen Richtungen und plättet etwaige Wellen glatt.

  2. Ich bin der Meinung Herr Hilsen sollte den beiden geretteten Schwimmerinnen Nachhilfe geben.