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Bis 2012 trübte die lokale Trinkerszene oftmals das Bild vom Platz Am Sande. Sozialarbeiter des Herbergsvereins sorgten schließlich für Entspannung. Foto: A/ca
Bis 2012 trübte die lokale Trinkerszene oftmals das Bild vom Platz Am Sande. Sozialarbeiter des Herbergsvereins sorgten schließlich für Entspannung. Foto: A/ca

Trinkerszene bleibt weiter im Blick

us Lüneburg. Prügeleien, Belästigungen von Passanten und Geschäftsleuten und zum Teil erhebliche Verschmutzungen in Verbindung mit exzessivem Alkoholkonsum — dieses Bild bot sich noch vor wenigen Jahren nahezu täglich am Platz Am Sande. 2012 schließlich reagierte die Stadt, gemeinsam mit dem Landkreis nahm sie Gespräche mit dem Herbergsverein auf. Im Rahmen der sogenannten aufsuchenden Sozialarbeit übernahm der Verein dann die Arbeit mit den auffällig gewordenen Personen. Die Erfolge stellten sich schnell ein, die Trinkerszene verlagerte sich an andere Plätze der Stadt. Doch das Projekt lief Ende 2014 aus, versehentlich, wie sich jetzt im Sozial- und Gesundheitsausschuss herausstellte. Der beschloss nun, die Arbeit des Herbergsvereins fortzusetzen.

„Als wir im Juni 2012 mit der Arbeit begannen, hatten wir 15 bis 30 Einsätze von Polizei und Rettungsdiensten pro Monat, ein halbes Jahr später lag die Frequenz bei fast null“, berichtete Stefan Buchholz im Ausschuss. Als Fachbereichsleiter Wohnen- und Unterkunftssicherung beim Herbergsverein ist er für den Einsatz der Sozialarbeiter zuständig. Die Arbeit sei bei Passanten wie Geschäftsleuten gleichermaßen gut angekommen, den Erfolg führt Buchholz vor allem auf die regelmäßige Präsenz seiner Mitarbeiter zurück. „Wir sind täglich mit zwei Leuten in der Stadt unterwegs gewesen.“ Die Szene kenne man seit Jahrzehnten, daher wisse man auch, dass zwar nur wenige von ihnen Hilfsangebote annähmen, sie aber dennoch kooperationsbereit seien. „Unsere Vereinbarung, dass an Betrunkene kein weiterer Alkohol mehr verkauft wird, haben sie akzeptiert.“ Ihnen sei aber wichtig, weiterhin Teil der Stadt zu sein, das Angebot eigener Räume lehnten sie daher auch ab. Buchholz appellierte, die Betreuungskontinui­tät aufrechtzuerhalten, „sonst fallen sie schnell in alte Muster zurück.“

Einvernehmen gab es im Ausschuss darüber, dass es nicht darum gehe, diese Personen aus dem Stadtbild zu entfernen. „Wir müssen es aushalten, dass diese Menschen unter uns sind“, sagte Gabriel Siller, der die Wohlfahrtspflege und das Diakonische Werk im Ausschuss vertritt. Jens Kiesel (SPD) regte an, den Betroffenen, die ihre Notdurft oft im Freien verrichten, einen kostenlosen Zugang zu den städtischen Toiletten zu ermöglichen. Doch Stefan Buchholz winkte ab: „Die erledigen das meist da, wo sie gerade sind.“ Renate Rudolph (CDU) hob positiv hervor, dass nach ihrer Erfahrung von den Gruppen keine Belästigungen gegenüber Passanten ausgingen.

Zu den bevorzugten Plätzen der Szene gehören neben dem Lambertiplatz auch der Reichenbachplatz sowie der Parkplatz hinter der LZ. Zwar gebe es auch zwei weitere Gruppen im Clamartpark, der aber sei bislang von den Sozialarbeitern ausgeklammert worden, da es sich dort um Heroin-Abhängige handele, für die ein anderes Konzept benötigt werde. Zudem verlagere sich jetzt ein Teil dieses Personenkreises in Richtung Bahnhof, nachdem die Substitutionspraxis dorthin umgezogen ist.

Einstimmig beschloss der Ausschuss, mit der aufsuchenden Sozialarbeit ab sofort für zunächst ein Jahr wieder zu beginnen. Die Stadt wurde beauftragt, hierzu Gespräche mit dem Landkreis und dem Herbergsverein zu führen. Als Eigenbeteiligung nannte die Stadt einen Betrag von 10000 Euro.

Dass es überhaupt zu einer Unterbrechung kam, erklärte Bildungsdezernentin Pia Steinrücke: Im Zuge des Amtswechsels durch das Ausscheiden ihres Vorgängers Peter Koch habe man leider vergessen, die Verträge zu verlängern.