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Im November 2012 ließ die Bürgerinitiative Ja zur Fähre - Nein zur Brücke die Fähre Tanja in Neu Darchau für alle Pendler kostenlos fahren. Foto: A./nh
Im November 2012 ließ die Bürgerinitiative Ja zur Fähre - Nein zur Brücke die Fähre Tanja in Neu Darchau für alle Pendler kostenlos fahren. Foto: A./nh

Aus für Brückenpläne: Tränen der Wut und der Freude

ml/kre Lüneburg/Neuhaus. Unzählige Male hat Johanna Lange in den vergangenen Jahren das von ihr getextete Brückenlied angestimmt doch der Erfolg blieb ihr verwehrt. Am Dienstag empfahlen der Straßenbau- und der Wirtschaftsausschuss des Landkreises Lüneburg in gemeinsamer Sitzung die Planungen für das Millionenprojekt Elbbrückenbau zwischen Darchau und Neu Darchau einzustellen. „Zwei Nummern zu groß …“ titelte die LZ gestern angesichts der explodierenden Kosten und Johanna Lange hatte Tränen der Wut in den Augen.

Tränen der Freude mögen hingegen Andreas Conrad in die Augen geschossen sein zumindest kurzfristig. Beruflich hält sich der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Ja zur Brücke Nein zur Fähre“ derzeit in Großbritannien auf: Dort hat er erst gestern vom Aus der Brückenplanung erfahren, ist überrascht und glücklich zugleich: ,,Das ist die richtige Entscheidung“, sagt der Neu Darchauer, auch wenn es nur ein ,,halber“ Sieg sei, denn: ,,Der Landkreis Lüneburg stellt die Planungen nur ein, weil das Geld fehlt und nicht aus ökologischen und Klimaschutzgründen“, bedauert Conradt. Das wäre aus seiner Sicht das weitaus bessere Signal gewesen.

Im März 2012 haben Johanna Lange (l.) und der Neuhauser Brückenchor auch im Kreistag noch einmal mit ihrem Brückenlied für das Millionenprojekt geworben. Foto: t&w
Im März 2012 haben Johanna Lange (l.) und der Neuhauser Brückenchor auch im Kreistag noch einmal mit ihrem Brückenlied für das Millionenprojekt geworben. Foto: t&w

Auf Signale gehofft und vertraut hatte einst auch Johanna Lange. Doch die rüstige Neuhauserin wurde bitter enttäuscht. „Es ist doch vollkommen klar, dass der Landkreis Lüneburg die Brücke nicht bezahlen kann“, sagt sie und fährt fort: „Das Land hat den Kreis im Stich gelassen.“ Dabei denkt Lange auch an den 29. Juni 2008. Damals feierte der Landkreis Lüneburg 15 Jahre Rückgliederung der Gemeinde Amt Neuhaus. Die Festrede im Hotel Hannover hielt Christian Wulff, Niedersachsens damaliger Ministerpräsident. Und er versprach: „Die Brücke muss her, und Sie können sich darauf verlassen, dass sie kommen wird.“ Gleichzeitig gab sich der Ministerpräsident schmallippig bei den finanziellen Zugeständnissen des Landes. Immerhin: 75 Prozent der Kosten wollte das Land tragen, finanziert mit Bundes- und EU-Mitteln.

Ob diese Zusage jemals schriftlich festgehalten wurde, lässt die CDU-Fraktion im Lüneburger Kreistag derzeit prüfen. Doch inzwischen ist die Zusage ohnehin Makulatur. Mit dem rot-grünen Regierungsantritt in Hannover im Frühjahr 2013 hat das Land die Fördermittel gedeckelt bei 75 Prozent der alten Kostenschätzung von 45 Millionen Euro. Inzwischen liegt das Investitionsvolumen bei voraussichtlich über 60 Millionen Euro, der Kreisanteil bei mehr als 22 Millionen.

„Deshalb hätte Lüneburgs Landrat aufschreien müssen, als Rot-Grün den Deckel zugeschlagen hat“, sagt Lange. Doch Manfred Nahrstedt (SPD) blieb stumm. Schon vorher habe der Landrat die Brücke nicht mehr gewollt, zufrieden geschwiegen, vermutet Lange heute. „Ein abgekartetes Spiel. Ich verstehe die Welt nicht mehr.“

Doch möglicherweise wird sich in diesem Monat auch der Landtag noch einmal mit dem Thema Elbbrücke beschäftigen. Einen entsprechenden Antrag hat die CDU-Landtagsabgeordnete Karin Bertholdes-Sandrock gestellt. „Es gibt nun einmal keine Alternative zur Brücke, sagt die Lüchowerin. Deshalb erwarte die CDU-Landtagsfraktion, dass die Landesregierung zu ihrer ursprünglichen Zusage von 75 Prozent Fördermitteln stehe. Weiter geprüft werden müssten alternative Finanzierungen zum Beispiel über den Mauerfonds (LZ berichtete).

Dass nun das Amt Neuhaus wegen der fehlenden, festen Elbquerung „ausblutet“, kann sich Conradt unterdessen nicht vorstellen: ,,Das hat nichts mit der Brücke zu tun, das ist ein Problem, das auch andere ländliche Regionen haben.“ Hier sei die Politik gefordert, den Menschen zu helfen.

Und zur Zukunft der eigenen Bürgerinitiative sagt Conradt. ,,Das Brücken-Aus bedeutet vielleicht das Ende dieser BI, aber nicht des Gemeinschaftssinns“. Man überlege sich in Neu Darchau bereits, einen Bürgerverein zu gründen. „Wir wollen nicht gegen etwas demonstrieren, sondern uns für den Ort und die Menschen engagieren“, sagt Conradt.

4 Kommentare

  1. wir aus neuhaus sollten 6 Monate keine Fähre fahren ich will dann mal sehen was dann los ist. Wir Zahlen doch das Schiff. Oder liebe Neuhäuser lass uns über Bleckede fahren dann bleibt das Geld im Landkreis Lg und nicht in DAN.

    • Wenn du 6 Monate keine Fähre brauchst, wozu dann eine Brücke?? Das Geld für eine Brücke von Dan würdest du aber akzeptieren… Die Unterhaltung der Brücke kann Dan für dich auch bezahlen…

  2. Tränen verspäteter Freude mögen auch allen Liebhabern des kleinen Schabernacks vom lokalredaktionellen Autorenduo Malte Lühr und Klaus Reschke in die Augen geschossen sein, durch welchen sie Andreas Conrad, der sich beruflich in Großbritannien aufhält, zuletzt doch noch als heimlichen, aber entschiedenen Sprecher der subversiven Bürgerinitiative (BI) „Ja zur Brücke – Nein zur Fähre“ outen.

    • Dagmar, ich bin mir nicht sicher, ob sie unseren beiden Edelfedern da nicht ein Gran zu viel an seditiösem Raffinement unterstellen. Zuletzt handelt es sich vielleicht doch bloß um einen ordinären Schreibfehler?