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Florian Bode braucht Abkühlung. Zusammen mit seinem Kollegen hat der Bodenleger gerade insgesamt 800 Kilogramm Parkett in ein Haus am Hanseviertel geschleppt. Drei Liter Wasser brauche ich bei der Hitze mindestens pro Tag. Manchmal trinke ich aber auch etwas Zuckerhaltiges, das gibt Kraft, erzählt der Bodenleger. Foto: t&w
Florian Bode braucht Abkühlung. Zusammen mit seinem Kollegen hat der Bodenleger gerade insgesamt 800 Kilogramm Parkett in ein Haus am Hanseviertel geschleppt. Drei Liter Wasser brauche ich bei der Hitze mindestens pro Tag. Manchmal trinke ich aber auch etwas Zuckerhaltiges, das gibt Kraft, erzählt der Bodenleger. Foto: t&w

Hitze-Tipps vom Mediziner: Viel trinken, wenig essen +++ mit Tipps für Tiere und Pflanzen

joh Lüneburg. Schwitzen ist angesagt: Die Temperaturen in und um Lüneburg sollen heute auf Werte über 30 Grad klettern. Der heißeste Tag soll Sonnabend werden: Die Meteorologen rechnen für Lüneburg mit bis zu 38 Grad. Was die einen freut, macht den anderen zu schaffen, denn die Hitze bedeutet eine enorme Belastung für den Körper. Die LZ hat dazu mit Prof. Dr. Torsten Kucharzik, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie am Städtischen Klinikum, gesprochen. Er beantwortet die wichtigsten Fragen zur anstehenden Hitzewelle.

 

Professor Dr. Torsten Kucharzik ist Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin. Foto. A./be
Professor Dr. Torsten Kucharzik ist Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin. Foto. A./be

Worauf muss man jetzt besonders achten?
Kucharzik: Bei extremer Hitze ist es besonders wichtig, viel zu trinken. Es darf ruhig die doppelte Menge als sonst sein. Vor allem ältere Menschen sollten über ihr Durstgefühl hinaus ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Geeignete Getränke sind Mineralwasser, verdünnte Obstsäfte, ungesüßte Früchte- und Kräutertees, zum Beispiel mit Minze, das erfrischt. Nicht geeignet sind stark zuckerhaltige Getränke und Alkohol. Außerdem sollte man möglichst luftige Kleidung tragen.

Wer ist besonders gefährdet?
Kucharzik: Ältere Menschen und kleine Kinder, aber auch Patienten mit Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen.

Was sollte man vermeiden?
Kucharzik: Für die Ernährung gilt: Auf schwer verdauliche Speisen wie Schnitzel, Pommes, Pasta und Co. verzichten, keine großen Portionen essen, keinen Alkohol trinken und wenig Koffein zu sich nehmen. Besser ist leichte Kost: Fisch, Salat, wasserreiche Obst- und Gemüsesorten wie Melonen, Tomaten oder Gurken sind in kleinen Portionen bei großer Hitze ideale Nahrungsmittel. Sportliche Aktivitäten in der prallen Sonne sollte man ganz vermeiden. Kinder oder Haustiere sollten nicht im geparkten Auto zurückgelassen werden.

Was sind typische Symptome bei Hitzschlag oder einem Sonnenstich? Und ab wann sollte man zum Arzt gehen?
Kucharzik: Typische Symp-tome sind Benommenheit, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Wenn solche Symp­tome auftreten, sollte man Schatten oder kühle Räume aufsuchen, die Kleidung lockern, ausreichend trinken und etwas Salziges essen. Wenn keine Besserung eintritt, die Beschwerden zunehmen oder bei Erbrechen sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Was kann ich bei der Arbeit im Büro gegen die Hitze tun und was muss ich beachten, wenn ich draußen arbeite?
Kucharzik: Wenn man im Büro oder anderen Innenbereichen arbeitet, sollte man für möglichst kühle Räume sorgen. Am besten ist es, nachts beziehungsweise morgens ausreichend zu lüften und tagsüber die Fenster zu schließen und Rollläden oder Außenjalousien herunterzulassen. Wer im Freien arbeitet, sollte ungewohnte körperliche Anstrengung und den Aufenthalt in der prallen Sonne möglichst unterlassen. Falls das nicht möglich ist, beim Arbeiten in der Sonne eine helle Kopfbedeckung tragen, Sonnenschutz mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden und die Mittagspause in einem kühlen Raum oder an einem schattigen Plätzchen verbringen.

Muss ich meinen Sportplan anpassen?
Kucharzik: Sportliche Aktivitäten verlegt man am besten in die frühen Morgen- oder in die Abendstunden, es sei denn, man geht gerne schwimmen.

Was kann man gegen Konzentrationsschwäche tun?
Kucharzik: Hitze macht müde und führt zu Konzentrationsproblemen. Dagegen hilft es, den Arbeitsraum abzukühlen und ausreichend zu trinken. Ein Fußbad in einer Wanne oder einem Eimer mit kaltem Wasser unter dem Schreibtisch kann genauso helfen, den Kopf wieder fit zu bekommen, wie das Abbrausen der Unterarme mit kaltem Wasser.

Was hilft bei hitzebedingten Schlafproblemen?
Kucharzik: Nach Möglichkeit sollte das Schlafzimmer tagsüber abgedunkelt werden, damit es dort nicht übermäßig warm wird. Es kann auch helfen, den Körper vor dem Schlafengehen etwas abzukühlen, zum Beispiel durch ein Fußbad oder kaltes Wasser, das man über die Unterarme laufen lässt.

Sollte man eher kalt oder warm duschen?
Kucharzik: Am besten ist es, lauwarm zu duschen, damit die innere Temperaturregelung nicht durcheinanderkommt. Nach einer kalten Dusche wird die körpereigene Wärmeproduktion wieder angekurbelt und man schwitzt dann häufig noch mehr als vorher, ähnlich wie nach der Aufnahme eiskalter Getränke.

Das brauchen Tiere

Das brauchen Tiere

Auch für Vierbeiner ist die Hitze ein großes Problem. „Hunde und Katzen haben nur vereinzelt Schweißdrüsen an den Pfoten“, erklärt Dr. Dirk Remien, Inhaber der Lüneburger Tierklinik, „sie können ihre Körpertemperatur deshalb nur über Ventilation oder Hecheln regulieren und nicht durch Schwitzen.“ Vor allem ältere oder herzkranke Hunde sollten deshalb beim Spaziergang nicht so stark gefordert werden, am besten den heißen Asphalt meiden und dafür sorgen, dass sie immer genug Wasser zur Verfügung haben. Letzteres gelte auch für Katzen, auch wenn diese besser mit hohen Temperaturen zurechtkommen, weil sie ursprünglich aus Nordafrika und Nahost kommen. Bei Hunden rät der Tierarzt als wirksamste lindernde Maßnahme zum Scheren: „Das Tierwohl sollte hier Vorrang haben gegenüber ästhetischen Gesichtpunkten. Hundehalter, die es einmal gemacht haben, machen es immer wieder.“ Sollte es doch zu einem Hitzschlag kommen, was man an Apathie, Appetitlosigkeit oder Erbrechen erkennt, seien als Soforthilfe Schatten, nasse Handtücher, kaltes Wasser und Kühlakkus in der Leistengegend angebracht. „Und dann möglichst schnell zum Tierarzt.“ Normalerweise komme es aber nicht so weit, wenn man die Tipps berücksichtige. Es bestehe auch kein Anlass zur Sorge, wenn das Haustier weniger frisst als sonst, weil auch weniger Energie zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur benötigt wird. Schlimm sei nur, seinen Hund im Auto zu lassen. Schon 30 Minuten seien zu viel, im Sommer habe er deshalb alle paar Wochen Hunde in seiner Klinik, die „mehr tot als lebendig“ seien, ärgert sich Remien. Wenn Passanten einen Hund allein im verschlossenen Auto sehen, seien sie laut Tierschutzgesetz berechtigt, ihn zu befreien. Besonders achten solle man bei Hitze auch auf Kleintiere wie Kaninchen oder Meerschweinchen. Vor allem im Freilaufgehege bräuchten sie immer ausreichend Wasser und genügend Schutz vor Sonne. Wer Gartenvögeln Gutes tun wolle, könne eine Tränke aufstellen und regelmäßig für frisches Wasser sorgen.

Das brauchen Pflanzen

Das brauchen Pflanzen

Blumen lassen oft die Köpfe hängen, wenn es zu sommerlich wird. Neben fehlendem Regen ist dafür die höhere Verdunstung bei hohen Temperaturen verantwortlich. Das A und O sei deshalb: Ordentlich gießen und die Verdunstung minimieren, rät Roland Müller, Fachberater des Kleingärtnerbezirksverbandes Lüneburg. Letzteres erreiche man zum Beispiel dadurch, dass man die Erde vor dem Gießen lockert, damit das Wasser schneller einsickert, und auf das Mähen verzichtet, weil kurzer Rasen eine höhere Verdunstungsoberfläche habe. Generell gelte, dass großblättrige Pflanzen eine größere Oberfläche haben und deshalb mehr Wasser brauchen. Auch neu eingepflanzte und frisch ausgesähte Pflanzen hätten einen erhöhten Bedarf, sie sollten möglichst jeden Tag gegossen werden. Davon abgesehen reiche es meistens, etwa alle drei Tage zu gießen. Wichtig sei, lange zu wässern, damit das Wasser tief genug in den Boden einsickere. „Die Gießkanne deshalb direkt an die Wurzel halten“, rät Müller, ideal sei aber der weiche Strahl von Schlauch oder Sprenger. „Ich selbst stelle alle drei Tage meinen Sprenger in den Gemüsegarten, um meine jungen Obstbäume kümmere ich mich dann noch mal besonders“, sagt Müller. „Meinen Rasen wässere ich hingegen gar nicht.“ Wen ein brauner Rasen störe, müsse aber auch hier „alle paar Tage“ einen Sprenger aufstellen. Müller findet: „Wasser ist eine Ressource, mit der man klug umgehen sollte.“ Vor allem, wenn es länger heiß und trocken sei und der Grundwasserspiegel sinke. Nach einem kurzen und heftigen Sommergewitter sollte man hingegen weiter gießen, da der Boden so schnell nicht so viel Wasser aufnehmen kann. Insgesamt gelte: Eher seltener und dafür länger wässern und – davon abgesehen – den Zustand der Pflanzen beobachten und bei Bedarf reagieren. Wer seinen Garten oder Balkon auch hitzefest gestalten möchte: Große Töpfe mit viel Erde und ein bedecktes Beet halten die Feuchtigkeit besser.